Gewerkschaft alarmiert

Bayer verschärft Sparprogramm

Bayer will Sparprogramm verschärfen
Das Bayer Werk in Leverkusen, fotografiert vom Rheinufer in Köln. Foto: Oliver Berg/dpa © Oliver Berg

Leverkusen (dpa) - Bayer hat mit der Ankündigung eines weiteren Sparprogramms und trüben Geschäftsaussichten Arbeitnehmervertreter und Anleger alarmiert.

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern will über ein laufendes Sparprogramm hinaus weitere 1,5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen und schließt dabei einen zusätzlichen Stellenabbau nicht aus. Das Unternehmen bekräftigte aber den zugesagten Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2025. An der Frankfurter Börse ging es für die Bayer-Aktie am Donnerstag tief in den Keller.

Bayer hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass von 2024 an zusätzlich mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr an Kosten wegfallen sollen. Die neuen Sparmaßnahmen könnten «auch zu einem möglichen weiteren Arbeitsplatzabbau führen». Genauere Angaben machte Bayer nicht. Die Planungen befänden sich noch in einem frühen Stadium.

Bei den Leverkusenern läuft ein bereits ein Stellenabbau. Bis Ende 2021 fallen weltweit 12 000 Stellen weg, davon 4500 in Deutschland. Dieses Programm sei inzwischen «weit fortgeschritten», sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Der Konzern will ab 2022 pro Jahr 2,6 Milliarden Euro sparen. Zu dieser Summe sollen die zusätzlichen Einsparungen ab 2024 hinzukommen, die Bayer unter anderem mit den Folgen der Corona-Pandemie begründete.

Die IG Bergbau, Chemie, Energie reagierte überrascht auf das verschärfte Sparprogramm. Noch fehlten ausreichend Informationen, um beurteilen zu können, ob die Corona-Pandemie als Begründung für die Sparmaßnahmen wirklich trage, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Michael Vassiliadis. «Einfach nur auf die Kosten zu drücken, verlagert die Last einseitig auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.» Der Vorstand hat Bayer habe die radikale globale Neuaufstellung verordnet. «Den Erfolg dieser Strategie kann man nicht herbeisparen.» Die Gewerkschaft werde die Konzernspitze am zugesagten Kündigungsschutz messen.

Bayer-Chef Werner Baumann kündigte an, das eingesparte Geld sei für weitere Investitionen in Innovation und profitable Wachstumschancen sowie zum Schuldenabbau vorgesehen. Die zusätzlichen Maßnahmen seien notwendig, um den Umbau des Konzerns zu beschleunigen.

Bayer hatte 2018 viel Geld für den Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto ausgegeben und sich neben Schulden auch zahlreiche juristische Probleme um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat aufgehalst. Es wird an milliardenschweren Vergleichen gearbeitet. Zugleich schwächelt in der Corona-Pandemie das Agrochemie-Geschäft, das Baumann mit der Monsanto-Übernahme stärken wollte. Die Auswirkungen der Pandemie auf das Crop-Science-Geschäft würden tiefgreifender sein als zunächst erwartet, betonte Bayer.

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