Statistisches Bundesamt

Deutsche Gesamtproduktion sinkt im August überraschend

Flurförderzeuge
Fertige Jungheinrich Flurförderzeuge warten am Ende der Produktion in Norderstedt nahe Hamburg auf ihren Abtransport. Foto: Markus Scholz/dpa © Markus Scholz

Wiesbaden (dpa) - Die deutsche Industrie hat ihre Erholung im August überraschend nicht fortgesetzt.

Die Industrieproduktion sank im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten einen Zuwachs um 1,5 Prozent erwartet.

Damit hat sich der Juli-Trend fortgesetzt: Bereits im Vormonat hatte sich die Erholung mit einem Anstieg um nur noch 1,4 Prozent merklich abgekühlt, nachdem die Gesamtproduktion im Mai noch 9,3 Prozent zulegen konnte.

Grund für die Stagnation im August war den Angaben des Statistikamts zufolge die Entwicklung in der Automobilindustrie: Nach einem Anstieg um 8,9 Prozent im Juli sei die Produktion dort im Folgemonat um 12,5 Prozent zurückgegangen.

Die Experten der Commerzbank zeigten sich von den Zahlen jedoch wenig überrascht, «denn schon andere Indikatoren wie die Umsatzsteuermeldungen, die Industrieumsätze und die vom Automobilverband (VDA) veröffentlichten Produktionszahlen hatten darauf hingedeutet, dass es bei der Erholung der deutschen Wirtschaft im August einen Durchhänger gab», kommentierte Ralph Solveen die Zahlen.

Die Produktion sei unter anderem durch die recht späte Lage der Werksferien beeinträchtigt worden. Die Bank-Experten gehen daher davon aus, dass die Produktion den Aufwärtstrend im September bereits wieder aufgenommen hat.

Auch Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS, zeigte sich zuversichtlich. Die recht zuversichtliche Stimmung in der Industrie werde gestützt von den guten Auftragseingängen. «Das wird früher oder später seinen Niederschlag in der Produktion finden.»

Pessimistischer beurteilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die aktuellen Zahlen. «Die Nachholeffekte aufgrund der Produktionsausfälle im Frühjahr scheinen auszulaufen und die Inlandsnachfrage flaut ab», sagte Ilja Nothnagel, Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung. «Auch die nächsten Monate könnten für die Industrie zäh werden.» Die Entwicklung gerade im internationalen Geschäft sei mit großen Unsicherheiten verbunden.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Produktion im August um 9,6 Prozent zurück. Verglichen mit Februar, als noch keine Corona-Einschränkungen in Kraft getreten waren, lag die Gesamtproduktion 10,8 Prozent tiefer.

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