Rekorde an Weihnachten

Höhenflug der Deutschen Post setzt sich fort

Deutsche Post
Bei der Verteilung der sehnlichst erwarteten Corona-Impfstoffe will DHL mit seinem globalen Netzwerk samt Tiefkühl-Infrastruktur ein Wörtchen mitreden. Foto: Oliver Berg/dpa © Oliver Berg

Bonn (dpa) - Eine hohe Nachfrage nach Express-Lieferungen und nach normalen Paketzustellungen haben der Deutschen Post DHL sehr profitable Geschäfte beschert.

Der Konzerngewinn im dritten Quartal schnellte um gut 50 Prozent auf 851 Millionen Euro nach oben, wie das Unternehmen am Dienstag in Bonn mitteilte. Der Umsatz legte um 4,4 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro zu - die Geschäfte wurden also deutlich lukrativer als zuvor.

Im letzten Jahresquartal, in dem das Weihnachtsgeschäft samt «Black Friday»-Rabattaktionen liegt, rechnet das Bonner Unternehmen mit einem sehr starken Volumenanstieg bei Paketen und bei Express-Sendungen, die relativ teuer sind und bei denen es ein enges Zeitfenster für die Zustellung gibt.

Für Pakete wird das Weihnachtsplus bei voraussichtlich 15 Prozent liegen im Vergleich zum Vorjahresgeschäft und bei Express-Zustellungen sogar bei 50 Prozent. Damit wird die Post so viele Sendungen ausgeliefert haben wie noch nie zuvor. Die ganze Branche boomt, auch die Wettbewerber DPD und Hermes rechnen mit Rekorden.

Normalerweise nutzen vor allem Firmenkunden Expressdienste zum Versand von wichtigen Dokumenten oder Ersatzteilen, aber auch immer mehr Privatkunden entscheiden sich für so eine Zustellung beim Kauf von hochpreisigen Produkten im Internet, ob neue Smartphones oder andere Elektroartikel - auch diese Entwicklung kommt DHL zugute.

Allerdings: Die Weihnachtsbestellungen lassen zwar die Kassen klingeln, doch auch die Kosten schnellen in die Höhe. Die Firma schickt mehr als 13.000 zusätzliche Fahrzeuge und 600 weitere Elektrodreiräder (E-Trikes) auf die Straßen.

Wie stark der Paketversand anzieht, verdeutlichen frische Zahlen aus dem dritten Quartal: Die Post beförderte in Deutschland 367 Millionen Pakete und damit 11,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In der Sparte Post & Paket Deutschland gab es aber auch Schattenseiten: Die Briefmenge schrumpfte schneller als zuvor, zudem ging das Geschäft mit lukrativen Werbesendungen deutlich zurück. Grund hierfür: die knappen Kassen von Firmenkunden in Corona-Zeiten. Insgesamt hat die Corona-Krise das Geschäft des Konzerns bisher jedoch eher angekurbelt statt abgebremst.

Bei der Verteilung der sehnlichst erwarteten Corona-Impfstoffe will DHL mit seinem globalen Netzwerk samt Tiefkühl-Infrastruktur ein Wörtchen mitreden. «Wir sind seit Beginn der Pandemie im Gespräch mit den Pharmaunternehmen», sagte Konzernchef Frank Appel. «Wir fühlen uns gut gerüstet, um sicherzustellen, dass, wenn es einen Impfstoff gibt, der dann tatsächlich auch die Länder erreichen kann.» Auch der Transport bei minus 70 Grad könne gewährleistet werden.

Keine Erfolgsgeschichte ist das einstige Vorzeigeprojekt Streetscooter - die Produktion des Elektrotransporters, mit dem der Konzern seine Fahrzeugflotte klimaschonender aufgestellt hat, wird eingestellt. Dies hatten die Bonner schon im Februar entschieden. Nun wurde bekannt, dass die Herstellung doch nicht schon am Jahresende ausläuft, sondern erst im nächsten Jahr. Man wolle «ein Optimum finden zwischen dem langsamen Herunterfahren der Produktion und dem Verbauen der Materialien, die noch da sind», sagte Finanzvorständin Melanie Kreis. An der strategischen Entscheidung, die Produktion einzustellen, ändere sich aber nichts, betonte sie.

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