Trumps Erkrankung hat Einfluss

Heizöl und Gas bleiben günstig

Heizöl-Lieferung
Zurzeit befinden sich die Heizölpreise laut Vergleichsportalen auf einem Zehnjahrestief. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa © Hauke-Christian Dittrich

Berlin (dpa) - Die Nachricht von der Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump hat die bereits niedrigen Energiepreise weiter gedrückt. Die Auswirkungen spüren auch die Verbraucher in Deutschland.

Infoportale wie Esyoil und Heizoel24 gaben den Preis am Samstagvormittag mit deutlich weniger als 40 Euro für 100 Liter an. Marktbeobachter betonten aber, dass Trumps Erkrankung eher ein Grund unter vielen für die Niedrigpreise sei. Vielmehr war Heizöl schon vorher günstig.

«Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden schwachen Weltkonjunktur sind die Energiepreise 2020 deutlich gesunken, dazu kommt seit Juli der niedrigere Mehrwertsteuersatz», sagte Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24. Trumps Erkrankung kam nun zusätzlich hinzu - nach Einschätzung von Analysten belastet dies den Preis, weil der Präsident ein großer Unterstützer der US-Ölindustrie ist.

Doch andere US-Nachrichten wirken sich noch stärker aus. «Die Einigung über ein Konjunkturpaket in den USA rückte in weite Ferne, und die Zahl der aktiven Bohranlagen in den USA stieg deutlich an», heißt es in einem Marktkommentar von Esyoil. Hinzu kommt, dass Ölförderländer wie Saudi-Arabien, Russland und Libyen zuletzt ihre Exporte gesteigert haben - trotz fehlender Nachfrage.

So fiel der Preis für Öl der Nordseemarke Brent am Freitag auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juni. Gezahlt werden mussten weniger als 40 US-Dollar für ein Barrel (159 Liter), nachdem Trumps Erkrankung bekannt geworden war - und das hat Auswirkungen auf Deutschland. «Auf dem heimischen Heizölmarkt nehmen die Anbieter den Weltmarktimpuls umgehend auf», heißt es bei Heizoel 24. Um bis zu einen Cent je Liter hätten die Anbieter die Preise gesenkt. Doch gab es demnach regionale Unterschiede - während etwa in Hamburg die Verbraucherpreise deutlich nachgaben, blieben sie in Hannover weitestgehend stabil.

Dennoch: Die Heizölpreise seien so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr, teilten die Vergleichsportale Check24 und Verivox am Samstag mit. Nach Check24-Berechnungen kosteten 2000 Liter Heizöl im September im Schnitt 770 Euro. Laut Heizoel24 war es sogar der günstigste September der vergangenen 17 Jahre.

Die Heizölbestellungen seien zwar im Vergleich zum August in die Höhe geschossen. Doch der konstant niedrige Preis hat Nachteile für die Händler. «Die Tanks sind bereits voll, und das Auftanken zum Schnäppchenpreis schlicht nicht möglich», hieß es bei Heizoel24 weiter. Offenbar hätten viele Kunden zudem noch gut gefüllte Lager - die durchschnittliche Bestellmenge je Haushalt sei im Vergleich zum August um 150 Liter auf rund 2300 Liter gesunken.

Verivox-Energieexperte Thorsten Storck mahnte, die Lage könne sich zum Jahreswechsel ändern. «Im kommenden Jahr wird der CO2-Aufpreis dann Heizöl deutlich teurer machen.» Deutschland führt 2021 einen Preis für Kohlendioxid aus dem Straßenverkehr und Heizungen ein: Dann müssen Unternehmen, die Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas in Verkehr bringen, Verschmutzungsrechte kaufen. Geplant ist ein Festpreis von 25 Euro je Tonne CO2, der dann schrittweise steigt.

Doch erst einmal werden die Energiepreise weiter fallen, wie Analysten betonen. «Die Krise im Weißen Haus verstärkt diesen Trend nur», heißt es bei Esyoil. «Im Moment sieht es danach aus, dass nur ein Abflauen der Pandemie oder die nahe Verfügbarkeit eines Impfmittels den Ölmarkt aus seinem Abwärtstrend reißen kann. Heizöl könnte daher noch für viele Wochen billig bleiben.»

Noch sind derzeit auch die Gaspreise auf niedrigem Niveau. Der Durchschnittspreis sei im Laufe des Jahres um 7,4 Prozent gefallen, unter Berücksichtigung der niedrigeren Mehrwertsteuer sogar um 9,7 Prozent, so Verivox-Experte Storck. «Allerdings ist die Entwicklung sehr unterschiedlich. Die Grundversorger haben ihre Preise im Jahresverlauf stabil gehalten, Preissenkungen und Erhöhungen halten sich die Waage.» Zwar kauften Gasversorger derzeit günstig ein. Doch wegen des absehbaren CO2-Aufpreises für Gas warteten viele noch ab, «und nicht alle Anbieter geben die Senkungen weiter».

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