Unter 11,05 Euro pro Stunde

Jeder Fünfte arbeitet für Niedriglohn

Kellnerin
Besonders verbreitet sind niedrige Stundenlöhne im Handel und im Gastgewerbe. Foto: Marc Tirl/ZB/dpa © Marc Tirl

Wiesbaden (dpa) - In Deutschland hat im Frühjahr 2018 gut jeder fünfte abhängig Beschäftigte für einen Niedriglohn gearbeitet. Damit wurden rund 8 Millionen Jobs unterhalb der Schwelle von 11,05 Euro brutto pro Stunde entlohnt, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Das waren fast 400.000 Niedriglohn-Jobs mehr als vier Jahre zuvor. Besonders verbreitet sind niedrige Stundenlöhne im Handel und im Gastgewerbe. Im Handel liegen 29 Prozent der Jobs unter der Niedriglohnschwelle, im Gastgewerbe sind es sogar gut zwei Drittel (67 Prozent). In Hotels und Gaststätten betrug der mittlere Stundenlohn 10,00 Euro brutto, womit die Branche das Schlusslicht der deutschen Wirtschaft darstellt. Die höchsten mittleren Stundenverdienste gab es mit 27,18 Euro in der Energiewirtschaft.

Nach internationaler Definition beträgt ein Niedriglohn höchstens zwei Drittel des mittleren Verdienstes sämtlicher Arbeitnehmer, wobei Auszubildende bei dieser Analyse ausgeschlossen sind. Der Median-Stundenverdienst betrug im April 2018 nach Angaben des Bundesamts 16,58 Euro. Die Niedriglohngrenze lag 2018 bei 11,05 Euro und im Vergleichsjahr 2014 bei 10,00 Euro.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verlangte einen «armutsfesten» Mindestlohn von 12 Euro in der Stunde und eine stärkere Tarifbindung. Öffentliche Aufträge dürften nur noch an Unternehmen gehen, die nach Tarif zahlen, forderte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Zudem dürften die Arbeitgeber die Corona-Krise nicht missbrauchen, um die Lohnentwicklung weiter zu drücken. Das gelte für die Tarifverhandlungen in der Gebäudereinigung genauso wie für den öffentlichen Dienst, bei dem der Staat mit gutem Beispiel vorangehen müsse.

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