Vorstand weist zurück

Metro-Machtkampf geht weiter: Kretinsky will aufstocken

Daniel Kretinsky - Metro
Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky hatte seinen Anteil an Metro zuletzt im November 2019 von 17,5 Prozent auf 29,99 Prozent erhöht. Foto: Matej Divizna/EPA/dpa © Matej Divizna

Düsseldorf/Grünwald (dpa) - Im Kampf um den Handelskonzern Metro lässt der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky nicht locker.

Durch ein freiwilliges Übernahmeangebot will die von Kretinsky kontrollierte Holding EPGC ihren Anteil an dem Handelsriesen auf über 30 Prozent steigern.

Bislang liegt EPGC knapp unter dieser Marke. Das Ziel sei es, «zukünftig flexibler agieren zu können, ohne ein Pflichtangebot abgeben zu müssen», teilte die Holding am Sonntagabend in Grünwald bei München mit.

Den Anteilseignern werde ein freiwilliges Übernahmeangebot von wahrscheinlich 8,48 Euro je Stammaktie sowie etwa 8,87 Euro je Vorzugsaktie unterbreitet, hieß es weiter. Es werde keine Mindestannahmeschwelle geben. EPGC geht nicht davon aus, «nach dem Vollzug des Übernahmeangebots mehr als 50 Prozent der Stimmrechte zu halten».

Der Metro-Vorstand wies das Angebot umgehend zurück. Er sei «fest davon überzeugt, dass das Angebot das Unternehmen erheblich unterbewertet», teilte Metro mit. Vorstand und Aufsichtsrat würden das Angebot umfassend kommentieren, sobald die vollständige Angebotsunterlage verfügbar ist. «Wir raten unseren Aktionären, bis dahin keine Maßnahmen zu ergreifen», heißt es in der Mitteilung weiter.

Kretinsky hatte seinen Anteil an Metro zuletzt im November 2019 von 17,5 Prozent auf 29,99 Prozent erhöht. Dabei übernahm seine Holding den überwiegenden Anteil Haniels, der davor noch bei 15,2 Prozent gelegen hatte. Die Option, auch noch die restlichen Haniel-Anteile zu erwerben, bestehe fort, erklärte EPGC damals. Kretinsky und sein slowakischer Partner Patrik Tkac hatten den Metro-Aktionären im Sommer 2019 über die EPGC-Holding ein Übernahmeangebot gemacht, die Mindestannahmeschwelle aber verfehlt.

Die Metro-Spitze und die beiden anderen Großaktionäre Beisheim und Meridian hatten sich gegen den Übernahmeversuch gestellt. Die beiden Gründer bündelten ihre Beteiligungen und bauten sie zu einer faktischen Sperrminorität aus. Gemeinsam kommen die beiden Gesellschaften auf gut 23 Prozent an Metro. Kretinskys Holding ist mit knapp 30 Prozent mittlerweile größter Aktionär.

In Industriekreisen wird davon ausgegangen, dass Kretinsky mit seinem neuen Angebot zum Mindestpreis nun ein paar weitere Aktien einsammeln will, um über 30 Prozent zu kommen. So würde EPGC ein neues, teureres Angebot umgehen - das wieder an der faktischen Sperrminorität von Beisheim und Meridian scheitern könnte. Nach dem Angebot könnte EPCG dann in aller Ruhe weitere Aktien hinzukaufen und seinen Einfluss ausweiten.

Der scheidende Metro-Chef Olaf Koch hatte Metro nach und nach zum reinen Großhändler umgebaut. So stieß das Düsseldorfer Unternehmen 2015 dasWarenhausgeschäft Galeria Kaufhof ab. Der Elektronikhändler Media-Saturn wurde abgespalten und unter dem Namen Ceconomy an der Börse notiert. Zuletzt trennte sich Metro vom chinesischen Einzelhandelsgeschäft und von dem jahrelangen Sorgenkind, der Supermarktkette Real. Koch gibt seinen Posten Ende des Jahres vorzeitig auf. Seine Mission sei erfüllt, hatte er erklärt. Über Kochs Nachfolge ist noch nicht entschieden.

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