Preise erhöht

Seltener ein Haarschnitt: Friseure beklagen Umsatzeinbußen

Friseur
In der Corona-Krise gegen viele Kunden nicht mehr so oft zum Friseur, beklagt die Branche. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © Jens Büttner

Frankfurt/Main (dpa) - Gut drei Monate nach der Wiederöffnung kämpfen Friseursalons mit den Folgen der Corona-Krise.

Die Nachfrage nach Haarschnitten sei zwar groß, aber der anfängliche Ansturm nach den wochenlangen Zwangsschließungen habe sich gelegt, sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. «In Zeiten von Kurzarbeit halten sich einige Kunden zurück und lassen mehr Zeit zwischen Friseurbesuchen verstreichen.»

Den mehr als 80.000 Salons in Deutschland machten zudem die strengen Hygienevorschriften zu schaffen, sagte Müller. Wegen Abstandsregeln seien arbeitsteilige Abläufe unter Kollegen nicht möglich. So ließen sich deutlich weniger Kunden versorgen als zuvor. «Das macht sich gerade in großen Salons bemerkbar», sagte Müller. Die Branche tue mit dem Einsatz von Masken, Einmalumhängen und Desinfektionsmitteln alles, um Infektionen zu verhindern.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie mussten auch Friseursalons in Deutschland ihre Türen schließen. Nach sechs Wochen Shutdown durften sie unter strengen Hygieneregeln Anfang Mai wieder öffnen und erlebten einen Ansturm von Kunden, die sehnlich auf einen Haarschnitt gewartet hatten. Ganz aufholen ließen sich die Einbußen aber nicht mehr. «Die Umsätze, die wir im Lockdown verloren haben, kommen nicht zurück», sagte Müller. Im Gesamtjahr erwartet er 20 Prozent weniger Umsatz in der Branche, die 2019 rund 7,5 Milliarden Euro einnahm.

Manche Salons hätten daher die Preise erhöht, das werde aber sehr unterschiedlich gehandhabt. Müller schätzt, dass Kunden wegen der Corona-Krise im Schnitt rund fünf Prozent mehr für Friseurdienste wie Haarschnitte, Färbungen oder Bartpflege bezahlen müssen. Auch das Statistische Bundesamt stellte in den vergangenen Monaten bereits deutlich höhere Friseurpreise fest.

Die schwierigen Geschäfte in der Friseurbranche machen sich auch bei den Ausbildungsplätzen bemerkbar. «Wir bilden weiter aus, aber es ist schon eine Zurückhaltung beim Angebot der Lehrstellen zu beobachten», sagte Müller. In der Branche mit ihren rund 230.000 Beschäftigten ist Nachwuchsmangel ohnehin schon lange ein Problem - auch, weil oft niedrige Löhne den Ruf von Friseuren als Arbeitgeber belasten.

Die Friseurbranche, die jährlich rund 22.000 junge Menschen ausbilde, profitiere von der Hilfe der Bundesregierung wie Ausbildungsprämien für Unternehmen, sagte Müller. «Wir würden uns aber mehr wünschen.» Studenten etwa könnten sich eine Weile bei den Eltern mit krankenversichern lassen, meint er. «Warum geht das nicht bei Auszubildenden?»

© dpa-infocom, dpa:200816-99-184354/4