Energiekrise

Spaniens Regierung will keine Duschtipps geben

Duschen
Einen kleinen Seitenhieb gegen Bundeswirtschaftsminister Habeck kann sich Teresa Ribera, spanische Ministerin für Ökologischen Wandel, nicht verkneifen: «Muss ich den Familien sagen, dass sie mit kaltem Wasser duschen sollen, wie es die deutsche Regierung getan hat? Das würde mir nicht im Traum einfallen». © Philipp von Ditfurth

Madrid (dpa) - Die spanische Regierung will anlässlich steigender Energiepreise den Unternehmen und den Privathaushalten keine Konsumrestriktionen aufbürden - und auch keine Duschtipps geben.

«Muss ich den Familien sagen, dass sie mit kaltem Wasser duschen sollen, wie es die deutsche Regierung getan hat? Das würde mir nicht im Traum einfallen», sagte die Ministerin für Ökologischen Wandel, Teresa Ribera, im Interview der spanischen Zeitung «El Mundo» (Montagausgabe).

Vorstellen könne sie sich aber zum Beispiel Kampagnen, um «alte Gewohnheiten wiederzubeleben, wie etwa das Ausschalten von Licht, wenn es nicht benötigt wird, oder dass man die Heizung nicht so weit aufdreht». Die Ministerin der linksgerichteten Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez versicherte, dass es «keine Einschränkungen (des Energiekonsums) für Familien und Unternehmen geben wird». Spanien müsse Energie einsparen, sei aber «viel besser auf die Krise vorbereitet als andere Länder».

Ribera verglich die Lage ihres Landes mit der von Deutschland, um ihren Optimismus zu untermauern. Spanien sei «vom russischen Gas nicht so abhängig wie Deutschland, das auch Kohlekraftwerke in Betrieb halten muss», betonte die für die Umwelt zuständige Ministerin in Bezug auf die negativen ökologischen Auswirkungen der Energieknappheit. Zudem sei Russland auch einer der Hauptlieferanten von Kohle. Auf die Frage, ob Deutschland die aktuelle Situation nicht hätte vorhersehen können, antwortete Ribera: «Es ist erstaunlich, dass dies niemandem aufgefallen ist.»

Spanien hat vor knapp drei Wochen einen Energiesparplan in Kraft gesetzt. Neben anderen Maßnahmen dürfen alle öffentlichen Einrichtungen sowie Kaufhäuser, Kinos, Büros, Hotels, Bahnhöfe, Flughäfen sowie die meisten Geschäfte ihre Räumlichkeiten auf nicht weniger als 27 Grad abkühlen. Damit und mit weiteren Beschlüssen, die im September gefasst werden sollen, will man die im Rahmen des EU-Notfallplans eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Demnach soll Spanien seinen Gaskonsum um 7 bis 8 Prozent senken, während die meisten anderen EU-Länder 15 Prozent einsparen sollen.