Konten eingefroren

Waffenproduzent Sig Sauer stellt Betrieb ein

Sig Sauer
Pistolen der Firma Sig Sauer sind auf einem Ausstellungstisch bei der Messe "Outdoor 2019 Jagd & Natur" aufgestellt. Foto: Frank Molter/dpa © Frank Molter

Eckernförde/Kiel (dpa) - Der Waffenhersteller Sig Sauer hat an seinem Standort Eckernförde in Schleswig-Holstein den Betrieb vorläufig eingestellt.

Zuvor hatte die Kieler Staatsanwaltschaft die Geschäftskonten eingefroren. Hintergrund dieser Maßnahme ist ein illegales Waffengeschäft nach Kolumbien.

«Wir haben am Mittwochmorgen sämtliche Mitarbeiter nach Hause geschickt - zunächst bis zum Ende der Woche», sagte Geschäftsführer Tim Castagne der Deutschen Presse-Agentur. Grund sei die am Dienstag von der Kieler Staatsanwaltschaft vorgenommene Vollstreckung eines sogenannten Vermögensarrestes über 7,4 Millionen Euro.

Neben dem Einfrieren der Geschäftskonten seien Maschinen sowie sämtliche fertiggestellten Waffen mit Pfändungssiegeln versehen worden. «Wir können Aufträge nicht ausliefern», sagte Castagne. Zuvor hatte der NDR darüber berichtet.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte die Vollstreckung des Vermögensarrestes wegen der bis Jahresende geplanten Produktionsschließung vorsorglich vorgenommen. 2019 waren drei Ex-Manager von Sig Sauer vom Landgericht Kiel wegen illegaler Waffenlieferungen nach Kolumbien zu Bewährungsstrafen und Geldstrafen verurteilt wurden. Laut Kieler Staatsanwaltschaft sind diese Urteile rechtskräftig.

Zur Revision beim Bundesgerichtshof sei noch anhängig die Einziehung von 11,1 Millionen Euro - das war nach Auffassung des Landgerichts der Gewinn aus dem illegalen Waffengeschäft nach Kolumbien. Davon werden 7,4 Millionen Euro dem Standort Eckernförde zugerechnet.

Castagne verwies darauf, das Urteil von 2019 mit der Einziehung der Millionensumme sei noch nicht rechtskräftig. Sig Sauer lasse prüfen, ob der Vermögensarrest überhaupt verhältnismäßig gewesen sei und man dagegen vorgehen werde.

Seit dem Jahr 2000 gehört die Sig Sauer GmbH & Co. KG in Eckernförde nach Firmenangaben zur L&O Holding in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen), zu der zudem die US-Schwester Sig Sauer Inc. in Newington (US-Bundesstaat New Hampshire) und die schweizerische Swiss Arms in Neuhausen gehören. Die US-Schwester Sig Sauer Inc. produziert laut Castagne rund eine Million Waffen im Jahr.

Der Geschäftsführer bekräftigte, Sig Sauer werde - wie am 4. Juni angekündigt - seine Produktion in Eckernförde spätestens bis zum Jahresende einstellen. «Wir werden keine Sig-Sauer-Pistolenproduktion mehr in Deutschland machen.» Betroffen sind knapp 130 Mitarbeiter. In Eckernförde wurden laut Castagne zuletzt jährlich rund 20.000 bis 30.000 Pistolen und Sportgewehre der Spitzenklasse gefertigt.

Sig Sauer begründete die Aufgabe damit, dass hiesige Standortnachteile für die Zukunft keine wirtschaftliche Produktion von Sport- und Behördenwaffen erlaubten. Zudem würden bei der Vergabe von Behördenaufträgen «sowohl von der deutschen Polizei als auch von der Bundeswehr einige wenige lokale Produzenten bevorzugt».

Seit April ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft gegen bislang namentlich unbekannte Verantwortliche des Waffenherstellers wegen Vorwürfen illegaler Rüstungsexporte. Nach Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) soll Sig Sauer USA neben Kolumbien auch Mexiko mit Pistolen ohne Rüstungsexportgenehmigung der Bundesregierung beliefert haben.