Corona-Pandemie

Zweiter Impfstoff für Betriebsärzte

Betriebsimpfungen
Ein Opel-Mitarbeiter nach der Betriebsimpfung. Auch das Vakzin von Johnson & Johnson soll nun in Betrieben gespritzt werden können. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Berlin (dpa) - Die Betriebsärzte sollen für Corona-Impfungen nun auch das Vakzin von Johnson & Johnson als zweites Präparat erhalten. In der Woche ab 21. Juni sollen 192.000 Dosen davon geliefert werden, wie es vom Bundesgesundheitsministerium hieß.

Hinzu kommen dann 602.550 Dosen von Biontech, so dass insgesamt 794.550 Dosen zusammenkommen. Die Zahl der Neuinfektionen ging weiter zurück. Im Koalitionsstreit um möglicherweise minderwertige Corona-Schutzmasken nahm unterdessen CDU-Chef Armin Laschet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Schutz und griff die SPD an.

Laschet auf Konfrontationskurs

«Im Nachhinein kommen jetzt all die Oberschlauen», sagte Laschet auf einer Landesvertreterversammlung im schleswig-holsteinischen Neumünster. Der Markt für Masken sei im vergangenen Frühjahr schlicht dicht gewesen. Es habe Hilferufe von Krankenhäusern gegeben. In der Situation habe die Regierung reagieren müssen. «Und deshalb ist vieles von dem, was die SPD im Moment mit Jens Spahn macht, einfach nur schäbig.»

Dagegen kündigte FDP-Vize Wolfgang Kubicki an, dass seine Partei nach der Bundestagswahl im September einen Untersuchungsausschuss zum Corona-Management der Regierung wolle. «Es bedarf einer parlamentarischen Aufarbeitung dazu nach der Wahl», sagte Kubicki auf einem Parteitag der Thüringer FDP in Erfurt. Kubicki, der auch Vizepräsident des Bundestags ist, kritisierte unter anderem den Einkauf «untauglicher Masken» durch das Ministerium von Spahn.

Niedersachsen will unterdessen 12 Millionen OP-Masken und 5 Millionen FFP2-Masken wegen unrichtiger Angaben wieder an den Bund zurückgeben. «Der Grund für die Rückgabe ist die fehlerhafte Dokumentation», sagte ein Sprecher des Sozialministeriums in Hannover am Samstag. Das Land habe die Dokumentation und die Prüfunterlagen zu den Masken kontrolliert. Zum Teil passten die Masken auch nicht zu den Angaben auf den Kartons. Einige Masken hätten auch sichtbare Mängel gezeigt. Technisch seien die Masken nicht überprüft worden. Zuvor hatten die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» und der NDR berichtet.

40 Millionen in Deutschland haben Erstimpfung

Inzwischen haben mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das entspricht 48,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie aus RKI-Daten (Stand: Samstag, 10.10 Uhr) hervorgeht. Den vollständigen Impfschutz hat nun demnach mehr als jeder Vierte (21,35 Millionen Menschen oder 25,7 Prozent). Insgesamt wurden laut RKI bislang 60,1 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht, 965.478 davon am Freitag. In dieser Woche sei erstmals an drei Tagen die Millionenmarke bei den täglichen Impfungen geknackt worden, schrieb Spahn bei Twitter.

Die Arztpraxen sollen in der Woche vom 21. Juni rund 3,3 Millionen Impfdosen erhalten, nämlich 2,84 Millionen Dosen von Biontech und 504.000 von Astrazeneca. Die Länder sollen nach neuen Lieferdaten noch im Juni rund 700.000 Dosen mehr für die Impfzentren bekommen als zunächst geplant, wie es vom Gesundheitsministerium weiter hieß. In der kommenden Woche seien es 400.000 Dosen von Astrazeneca extra. Mehrere Länder wollten dies für Erstimpfungen verwenden.

RKI meldet 1911 Corona-Neuinfektionen

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 1911 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Samstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.01 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 2294 Corona-Neuinfektionen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Samstagmorgen mit bundesweit 18,3 an (Vortag: 18,6; Vorwoche: 26,3).

Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 129 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 122 Tote. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.713.480 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Spahn forderte als Lehre aus der Corona-Pandemie, die Rolle des Staates insgesamt neu zu diskutieren und zu prüfen, wie Deutschland und die EU weniger auf China angewiesen sein könnten. «Also wenn wir eines wirklich schmerzhaft erlebt haben in dieser Pandemie (...), dann die viel zu große Abhängigkeit von China», sagte Spahn beim «Tag des deutschen Familienunternehmens» in Berlin. Der Blick auf die Aufgaben des Staates habe sich mit der Pandemie verändert. Spahn: «Ich meine jetzt nicht einen starken Staat im Sinne von Bürokratie, wer verteilt am besten um, und irgendwie noch Kassenbonpflicht, sondern ich meine einen starken Staat als dienenden Staat, als beschützenden Staat, nicht als beschränkenden, besserwisserischen Staat.»

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