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Waiblingen Armin Renz ist Fahrschüler mit 75

Waiblingen. Einmal im Jahr geht’s für Armin Renz zurück in die Fahrschule: Dann stellt er sich einem freiwilligen Fahreignungstest. „Wenn der Fahrlehrer dabei Probleme feststellen würde, würde ich meinen Lappen sofort abgeben“, sagt der Hegnacher.

Video: Armin Renz ist mit 75 Jahren noch einmal Fahrschüler.

2016 hat Armin Renz viel Zeit bei Ärzten und im Krankenhaus verbracht. Eine Nierenvergiftung, Probleme mit den Augen, kurz vor Weihnachten dann ein Schlaganfall. „Das war kein gutes Jahr für mich“, sagt der 75-jährige Hegnacher. Doch seine vielzähligen Krankheiten hätten ihn auch zum Nachdenken gebracht: „Ich habe mir überlegt, ich werde bald 76. Wie lange geht das wohl noch gut mit dem Autofahren?“

Verursachter Unfall gab ihm zu denken

Eine Art Schlüsselerlebnis habe er auch gehabt. Wegen seiner Nierenerkrankung habe er Medikamente nehmen müssen und auf einer Reise mit Freunden ins Allgäu einen 7000-Euro-Schaden am eigenen Auto verursacht. „Das hat mir schon zu denken gegeben“, sagt er. Was, wenn es beim nächsten Mal nicht bei einem Sachschaden bliebe?

Renz will seine Fahrtauglichkeit überprüfen lassen

Nach Gesprächen mit seiner Tochter fasste Renz einen Entschluss: Er wollte zurück in die Fahrschule. Nicht, um seinen Führerschein noch einmal neu zu machen, sondern, um seine Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen. „Es ging mir dabei nicht um die Medikamente, das hatte ich in der Zwischenzeit mit meinem Arzt geklärt“, berichtet er. Viel wichtiger sei ihm: „Im Alter passieren einfach mehr kleine Fehler und ich wollte durch mein Fahrverhalten niemanden gefährden.“ Renz wandte sich also an Klaus Burkhardt, der in Hegnach eine Fahrschule betreibt.

Gutes Ergebnis nach den Fahrstunden

Der hatte bereits Erfahrungen mit Fahreignungstests bei Senioren gesammelt: „Ich habe mit meiner Patentante auch schon eine Probefahrt gemacht“, berichtet Burkhardt. Ihr hatte er danach empfohlen, nicht mehr Auto zu fahren. Armin Renz hingegen stellt er ein gutes Zeugnis aus: „Er fuhr sehr vorausschauend und umsichtig“, sagt der Fahrlehrer.

Fahrlehrer: „keinerlei Bedenken gegen die weitere Teilnahme am Straßenverkehr“

Geprüft wurden Renz’ Fähigkeit, Verkehrssituationen richtig einzuschätzen, Rücksicht auf andere Autofahrer zu nehmen und auch die Beherrschung des Fahrzeuges. Dazu zählt beispielsweise auch, rückwärts einzuparken, bei der Fahrt den Fahrstreifen zu wechseln oder bei einer Überlandfahrt die richtige Geschwindigkeit zu wählen. Das Fazit des Fahrlehrers: Aus seiner Sicht bestünden „keinerlei Bedenken gegen die weitere Teilnahme am Straßenverkehr“.

Renz appelliert an Altersgenossen: „Macht das auch“

„Das hat mir richtig Auftrieb gegeben“, sagt Renz. Freiwillig an einem Fahreignungstest teilzunehmen, das möchte er all seinen Altersgenossen ans Herz legen. „Das ist doch keine große Sache und es kostet auch nicht viel, gerade mal so viel wie eine Fahrstunde.“ Auch Fahrlehrer Burkhardt unterstützt das: „Es wäre wünschenswert, wenn sich mehr Leute mal Gedanken machen würden, was beim Autofahren gut und was weniger gut läuft.“

Keine vorgeschriebene Prüfung einführen

Eine gesetzlich vorgeschriebene Prüfung einzuführen, hält er hingegen nicht für sinnvoll: Das würde seiner Meinung nach unnötigen Druck aufbauen. Besser sei es, an Vernunft und Verantwortungsbewusstsein der Menschen zu appellieren. So ließe sich vielleicht auch der eine oder andere Autofahrer überzeugen, der seit 30, 40 oder 50 Jahren fahre – aber eben seit Jahrzehnten ohne Korrektur.

Landratsamt erfährt zunächst nichts vom Ergebnis

„Das Ergebnis wird auch erst mal keinem Amt gemeldet, sondern in einem persönlichen Gespräch zwischen Fahrlehrer und Fahrschüler erläutert“,erklärt Burkhardt. Das meiste ließe sich so bereits klären. „Oder bei größeren Auffälligkeiten, da würde ich demjenigen empfehlen, noch mal ein paar Fahrstunden zu nehmen.“ Nur bei ganz gravierenden Mängeln, und falls die Person uneinsichtig bliebe, würde er das Ergebnis dem Landratsamt melden. „Aber diesen Fall hatte ich noch nie und halte ihn auch für sehr unwahrscheinlich“, betont der Fahrlehrer.

„Ich fühle mich nach dem Test wirklich wieder viel sicherer“

Armin Renz jedenfalls ist froh, dass er nun wieder guten Gewissens fahren kann. „Ich fühle mich nach dem Test wirklich wieder viel sicherer“, berichtet er. Denn das Letzte, das er wolle, sei, „schuld zu sein, dass jemand im Rollstuhl landet oder sogar sein Leben verliert“.

Renz will sich jedes Jahr prüfen lassen

Im kommenden Jahr will er sich und seine Fahrkünste deshalb erneut einer eingehenden Prüfung durch den Fahrlehrer unterziehen. Und wenn die nicht gut ausgeht? „Ganz klar, dann gebe ich sofort meinen Lappen ab und verkaufe mein Auto“, sagt Renz im Brustton der Überzeugung. Die Busverbindung zwischen Waiblingen und Hegnach sei inzwischen so gut, und für das Geld, das er ohne eigenes Auto spare, könne er sich viele Taxifahrten leisten. Den drohenden Verlust der Mobilität als Argument, um jeden Preis am Führerschein festzuhalten, lässt Renz heutzutage nicht mehr gelten.

Autofahren im Alter – ein Risiko?

Dass mit dem Alter auch die Gefahr beim Autofahren steigt, zeigen Zahlen, die der ADAC auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.

Demnach hatten 75 Prozent der Autofahrer über 75 Jahre, die 2015 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, diesen auch selbst verursacht. Dieser Wert ist noch höher als bei den als Hochrisikogruppe eingestuften jungen Erwachsenen: Fahrer zwischen 18 und 21 Jahren hatten Unfälle in 65 Prozent der Fälle selbst verursacht.

Insgesamt waren sie zwar nur an etwa 14 Prozent der Unfälle beteiligt – was gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von 21 Prozent wenig ist. Allerdings fahren sie auch deutlich weniger als jüngere Autofahrer: im Durchschnitt etwa 5000 Kilometer pro Jahr, während Jüngere 15 000 bis 20 000 Kilometer jährlich mit dem Auto zurücklegen.

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