Waiblingen Asylunterkunft: Putzplan stößt auf Widerstand

Jutta Pöschko-Kopp, 17.02.2017 00:00 Uhr
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Doreen Jensen, Teamleiterin Sozialdienst und Ehrenamtskoordinatorin, Flüchtlingskoordinator Melih Göksu und Caritas-Fachleiterin Ellen Eichhorn-Wenz. Foto: Büttner / ZVW
Doreen Jensen, Teamleiterin Sozialdienst und Ehrenamtskoordinatorin, Flüchtlingskoordinator Melih Göksu und Caritas-Fachleiterin Ellen Eichhorn-Wenz.Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Mehr als 60 Asylbewerberheime gibt es im Kreis. Als eines der schwierigsten gilt das Heim am Inneren Weidach. Ehrenamtliche klagten über Kakerlaken, Schmutz und bauliche Mängel. Dann übernahm die Caritas die Sozialarbeit und kündigte grundlegende Veränderungen an. Jetzt sagt Caritas-Frau Ellen Eichhorn-Wenz: „Wir haben es unterschätzt. Wir müssen uns mit kleinen Schritten zufriedengeben.“

Um die verwahrlosten Container in Schuss zu bringen, wurde im Oktober ein Reinigungsunternehmen mit einer Grundreinigung beauftragt. Anschließend sollte ein Putzplan dafür sorgen, dass die Bewohner ihre Zimmer, Duschen und Toiletten selbst sauber halten. Ein Vierteljahr später zeigt sich nun: Trist, dreckig und trostlos ist es nach wie vor im Heim am Inneren Weidach. „Der Putzplan stieß auf Widerstand“, begründet Ellen Eichhorn-Wenz den frustrierenden Zustand. Seit August 2016 können Flüchtlinge zum Putzen verpflichtet werden. Asylbewerber, die sich partout unwillig zeigen, kann um bis zu 20 Prozent das Taschengeld gekürzt werden. Doch auch unter Androhung von Sanktionen weigere sich ein Teil der Bewohner, sauber zu machen. „Sie sagen, sie seien nicht für den Dreck der Gemeinschaftsfläche zuständig.“ Eine große Aufgabe sei es, den Putzplan zu erstellen und jeden Tag nachzuhaken, bestätigt auch Sozialarbeiter James Keath. In einem Viertel der Unterkunft laufe es sehr gut, in den anderen drei Vierteln bisher gar nicht. Warum nicht? „Wir haben hier viele Einzelkämpfer“, sagt Keath.

„Wir haben es alle unterschätzt“

Dass es so schwer werden würde, das Heim in einen annehmbaren Zustand zu bringen, erstaunt auch die Leute von der Caritas. „Wir haben es alle unterschätzt“, sagt Eichhorn-Wenz. „Was wir an Energie reinhängen, ist unglaublich.“ Von Anfang an sei es in dieser Unterkunft schlecht gelaufen, in keinem anderen Heim gehe es zu wie am Inneren Weidach. Bis vor kurzem war das Heim voll belegt, jetzt leben noch 56 Männer in den Containern. Mit mehr als 90 Bewohnern waren der Druck und der Stress enorm, nun sind die meisten der 14 Quadratmeter großen Zimmer nur noch mit zwei Personen belegt. „Damit wollten wir Entspannung schaffen“, sagt Melih Göksu, Ehrenamtskoordinator im Amt für Besondere Hilfen und Flüchtlinge beim Kreis.

Wöchentliche Durchgänge von einem Sozialarbeiter

Reibereien gab es auch mit dem Kreis, der für die bauliche Unterhaltung der Container zuständig ist. „Mitunter hat die Instandsetzung lang gedauert“, sagt Ellen Eichhorn-Wenz. Inzwischen gibt es wöchentliche Durchgänge, bei denen der Sozialarbeiter festhält, was repariert werden muss. Nicht alles werde sofort erledigt: „Wenn etwas gerade erst instand gesetzt worden ist, müssen die Bewohner warten.“ Ein guter Modus sei für die Benutzung der Waschmaschinen gefunden worden: Der Raum ist verschlossen, wer waschen will, holt sich den Schlüssel bei der Security.

Nähe zum Bahnhof begünstigten den Drogenhandel

Die üblen Zustände in der Flüchtlingsunterkunft haben die ehrenamtlichen Helfer immer wieder angeprangert. Das Gebäude ist eine der ältesten Asylbewerber-Einrichtungen im Rems-Murr-Kreis und war immer vor allem von alleinstehenden Männern bewohnt. Die Nähe zum Bahnhof und zwei Ein- und Ausgangstüren begünstigten den Drogenhandel im Heim. Als die Caritas die Sozialarbeit übernahm, kündigte Fachleiterin Ellen Eichhorn-Wenz nicht nur einen Neustart in Sachen Sauberkeit, sondern auch Sicherheit an. Eingestellt wurden damals zwei Security-Männer, die rund um die Uhr dafür sorgen sollen, dass niemand im Heim übernachtet, der da nicht hingehört. Zum selben Zweck wurde jüngst auch ein Zaun aufgestellt, der laut Flüchtlingskoordinator Göksu von der Polizei empfohlen wurde. Abgeschlossen wird das Gebäude nie, die Sicherheitsleute hätten jetzt aber einen Überblick darüber, wer kommt und geht. Völlig unmöglich finden manche Helfer den Zaun. Sie kritisieren, dass sich die Bewohner – den Zäunen und Gefängnissen ihrer Herkunftsländer entronnen – dahinter sehr unwohl fühlten. Dem hält Melih Göksu entgegen, dass sich Bewohner über die Fremden im Heim selbst beschwert und den Zaun gewünscht hätten.

Man müsse sich mit kleinen Schritten zufriedengeben

So liegt am Inneren Weidach nicht nur die Sauberkeit im Argen, gewaltig knirscht es auch zwischen haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Für eine gute Unterkunft brauche es die Zusammenarbeit von allen, meint Ellen Eichhorn-Wenz. Alle müssten an einem Strang ziehen. Mit der Unsauberkeit will sie sich auch weiterhin nicht abfinden: „Wir wollen anständige Verhältnisse.“ Immerhin funktioniere aber schon mal der Waschplan. Man müsse sich mit kleinen Schritten zufriedengeben. „Der große Wurf gelingt uns nicht. Das habe ich mir abgeschminkt.“

Nur noch Männer

Die Unterkunft am Inneren Weidach ist eine der ältesten Asylbewerber-Einrichtungen im Kreis. Bewohnt wird sie nur noch von alleinstehenden Männern.

Die Bewohner stammen derzeit aus Kamerun, Gambia, Syrien, Algerien, Sri Lanka, Irak, Iran und Pakistan.

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