Waiblingen Ines Dietze: Powerfrau im Sparkassen-Vorstand

Martin Winterling, 27.01.2016 00:00 Uhr
Ines Dietze ist seit November die erste Frau im Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen. Foto: Büttner / ZVW
Ines Dietze ist seit November die erste Frau im Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen.Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Das Sparbuch wirft nullkommaetwas Prozent ab. Lohnt sich Sparen überhaupt noch? „Auf jeden Fall!“, sagt Ines Dietze und antwortet mit einer Gegenfrage: Wie sollte man sonst fürs Alter vorsorgen? Seit November ist Ines Dietze die erste Frau im Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen und fürs Privatkundengeschäft zuständig.

Wie die richtige Altersvorsorge ausschaut, das hängt vom Einzelfall ab – und von der Risikobereitschaft, sagt Ines Dietze. Ein Patentrezept gibt es nicht. Der Trend gehe ganz klar in Richtung Sachwerte, seien dies Immobilien oder seien es Aktien. Das liegt angesichts der niedrigen Zinsen nahe. Trotz der geringen Zinsen auf dem Sparbuch oder auf dem Festgeldkonto ist die Sparneigung der Deutschen ungebrochen, weist Ines Dietze auf die nur ganz leicht gesunkene Sparquote in Deutschland hin.

Noch hat Ines Dietze vom Rems-Murr-Kreis nicht viel gesehen, sagt die 49-Jährige. In den ersten Wochen sei sie meist hinter ihrem Schreibtisch mit Blick auf die Stadt gesessen. Sie räumt auch ein, dass sie mit dem Schwäbischen ab und zu noch ein paar Schwierigkeiten habe. Der erste Eindruck von ihrer neuen Wirkungsstätte sei ausgesprochen positiv. Dietze stammt von der Ostsee, machte 1983 bis 1985 bei der Kreissparkasse Bad Doberan die Ausbildung zur Bankkauffrau. Nach dem Studium als Diplom-Betriebswirtin (FH) an der Fachschule für Finanzwirtschaft in Gotha blieb sie in der Sparkassenwelt. Meist in Führungspositionen und vor allem im Kundengeschäft. „Ich habe immer gern mit Kunden gearbeitet“, sagt sie und erinnert sich an ein Intermezzo in der Personalentwicklung, nach dem sie sich zurückgesehnt hatte zum Kundenkontakt. Von 2006 bis 2015 war sie als Regionalleiterin bei der Braunschweigischen Landessparkasse tätig.

Karrierefrau und Mutter

Karriere und Familie schließen sich nicht aus, sagt Ines Dietze auf die Frage, wie sie beides unter einen Hut bringt. Eine Frage, die einem männlichen Vorstand vermutlich nicht gestellt worden wäre. Die Mutter zweier Töchter weiß, dass es für kleine Kinder oft nicht einfach ist, wenn Mama und Papa zu wenig Zeit haben. „Ich konnte nicht alles möglich machen.“ Sie kennt auch die Tücken, wie die Familie für Frauen zum Karrierekiller werden kann. Und sie hat sie selbst erlebt. Als sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern für einige Zeit nach München umgezogen war, arbeitete sie zunächst als Firmenkunden-Betreuerin. Nach eineinhalb Jahren konnte sie sich die Führungsposition aussuchen. Der Schlüssel für eine Karriere sei „viel Leidenschaft“. Wer seinen Job voll und ganz macht, der sei auch erfolgreich.

Seit ihrer Zeit in München habe sie sich in den Süden zurückgesehnt. Nachdem die Kinder groß sind, hat Ines Dietze einen weiteren Karriereschritt getan und übernahm die Verantwortung für 550 Mitarbeiter bei der Kreissparkasse Waiblingen. Sie steuert den Geschäftsbereich Privatkunden, zu dem das Immobiliengeschäft und mobile Beratung gehören. Ihr Mann und die 17-jährige Tochter blieben vorerst in Hannover zurück.

„Unser Berufsbild hat sich dramatisch geändert“, sagt die Bankfrau über die Bankenwelt. Der Wettbewerb habe sich deutlich erhöht. Die Sparkasse müsse um jeden Kunden kämpfen. Um Kunden, die sich im Internet gut informieren und die Produkte und Preise kennen. Bei Baufinanzierungen wie auch bei der Altersvorsorge oder Geldanlagen werde nach wie vor das persönliche Gespräch gesucht und würden vom Berater schlüssige Konzepte erwartet. „Ich möchte der Partner sein“, formuliert Dietze das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Sparkasse. Ohne auf die zum Teil kriminellen Machenschaften vieler Großbanken einzugehen, die fast zum Kollaps der Weltwirtschaft 2007/2008 führten, merkt man Ines Dietze die Distanz zu dieser Welt an. Auf Produkte der Sparkassen sei hingegen Verlass, sagt Dietze, die ihr ganzes Berufsleben in der Sparkassen-Organisation tätig war und sich in diesem Punkt durchaus als eine Konservative versteht.

Die Sparkassen stehen vor gewaltigen Änderungen, sagt Ines Dietze auf die Frage, wie die Kreissparkasse Waiblingen im Jahr 2020 ausschaut. Es werde weiterhin die Filialen geben, versichert sie. Sie kennt die Ängste vieler Kunden, dass ihre Bank oder Sparkasse vor Ort verschwindet. Längst habe sich die Sparkasse auch der virtuellen Welt geöffnet, bietet ihre Dienste auf allen Kanälen und jenseits der üblichen Öffnungszeiten an. Seit einem halben Jahr können Kunden der Kreissparkasse mit ihrem Berater beispielsweise chatten oder sich mit ihm sogar im Videochat unterhalten. Waiblingen ist Vorreiter und zählt zu den beiden Sparkassen deutschlandweit, die dies ermöglichen. Mit über 2000 Chats im ersten halben Jahr ist die Sparkasse zufrieden. Wer einmal mit seiner Bank gechattet habe, sei begeistert über diese schnelle, unkomplizierte Kommunikation, sagt Ines Dietze. Sie sieht gerade für ältere Kunden, die nicht mehr mobil sind, künftig eine sehr reizvolle Möglichkeit, mit ihren Beratern in Kontakt zu bleiben.

Niedrigzinsen: „Tiefer geht’s nicht mehr“

Auf die Frage, wie es mit den Zinsen weitergeht, wissen vermutlich auch sie keine Antwort. Nur eins stehe fest: „Tiefer geht’s nicht mehr“, sagt Ines Dietze. Umso wichtiger sei es, Alternativen zum Sparbuch abzuwägen. Immobilien seien eine davon. Die Kreissparkasse ist zwar der größte Makler zwischen Rems und Murr, doch auch die Immobilienabteilung kann keine Wohnungen und Häuser herzaubern, zumal die Kommunen mit Neubaugebieten geizen. Die Nachfrage sei deutlich höher als das Angebot, bedauert Dietze. Dementsprechend steigen die Preise – „moderat“, wie sie sagt. Für die gestiegenen Preise bei Neubauten seien nicht zuletzt die höheren Ansprüche an Energieeinsparmaßnahmen verantwortlich.

Der Verbraucherschutz zwingt die Bankberater zu viel Papierkram. Ines Dietze sieht in der Dokumentationspflicht nicht nur eine Erschwernis, sondern auch eine Chance. „Die Dokumentation macht das Beratungsgespräch umfangreicher, gibt aber Kunden und Berater mehr Sicherheit“, sagt Ines Dietze, die seit November im Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen für das Geschäft mit Privatkunden zuständig ist. In der Vergangenheit haben sich viele Bank- und auch Sparkassenkunden beklagt, dass sie in scheinbar lukrative Anlagen investiert haben, über deren hohe Risiken sie jedoch im Unklaren gelassen wurden.

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