Weinprobe in den Weinbergen über Schnait
Weinstadt. Der Feuerwehrmann ist Lebensretter und Freund zugleich. Bei der Weinprobe der freiwilligen Feuerwehr stellt sich heraus: Feuerwehrmänner können auch Weingärtner sein. Im Remstal kommt es eben auf die richtige Mischung an.
Die Wolken hängen über den Weinbergen und es sieht nach Regen aus. Dementsprechend ist um 15.30 Uhr auch noch nicht viel los beim Feuerwehrfest der freiwilligen Feuerwehr der Abteilung Schnait. Doch nach und nach füllen sich die zwei großen Zelte am Skulpturenpfad oberhalb von Schnait. An den beiden Ständen der freiwilligen Feuerwehr können 18 verschiedene Weinsorten probiert werden, darunter natürlich Trollinger und Riesling, aber auch Gewürztraminer und Blanc de Noir.
Winzer sein als Hobby
Dazu gibt’s Flammkuchen und Salzkuchen aus dem Ofen von Feuerwehrmann Günter Rühle. Rühle ist hauptberuflich Schreiner und hat außerdem Weinreben in Schnait gepachtet. „Winzer zu sein ist mein Hobby, es macht mir riesigen Spaß“, sagt er. Rühle hat dieses Jahr den Wein Syrah aus Südfrankreich angebaut. „Die Trauben können nur in Toplagen angepflanzt werden.“ Auf die Frage, wie denn deren Qualität dieses Jahr ausfalle, antwortet er: „Das entscheidet sich in den nächsten Wochen.“ Der Beruf Winzer lasse sich im Übrigen mit der ehrenamtlichen Arbeit bei der Feuerwehr gut vereinbaren, da die Tagesverfügbarkeit immer gegeben sei, sagt Rühle.
Feuerwehrleute außerhalb der Einsätze treffen
Die angebotenen Weine kommen alle aus der Region: aus der Beutelsbacher Remstalkellerei oder direkt aus Schnait. Zum Beispiel vom Weingut Kiesel oder dem Weingut im Hagenbüchle. „Die Winzer Kiesel und Hagenbüchle sind Feuerwehrkameraden aus Schnait“, sagt Jürgen Klamke, Zugführer und Ausbilder der freiwilligen Feuerwehr stolz. Die Menschen sollen laut dem Hauptfeuerwehrmann Klaus Zürn durch das Fest einen besseren Bezug zur Feuerwehr bekommen – und die Gesichter der Feuerwehrmänner außerhalb eines Einsatzes sehen. Karl Layer aus Baach kommt seit 15 Jahren auf das Feuerwehrfest, das seit 29 Jahren in Schnait stattfindet. „Ich bin der freiwilligen Feuerwehr sehr dankbar und weiß deren Arbeit zu schätzen.“ Anette Seitz ist Hotelfachfrau auf dem Landgut Burg in Weinstadt und ist zum ersten Mal auf dem Feuerwehrfest. Insgesamt gefällt es ihr gut hier: „Es fehlt mir bissle jemand der Musik reinbringt, aber ansonsten ist es echt nett hier.“
Durch Zufall zur Feuerwehr, jetzt Jugendleiter
Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Feuerwehrmann zu werden? „Dass ich zur Jugendfeuerwehr gekommen bin, war Zufall. Aber es hat mich so begeistert, ich kann’s mir ohne gar nicht mehr vorstellen“, antwortet der 17-jährige Dennis Toma. Heute ist Toma selbst Jugendleiter. Der Hauptfeuerwehrmann Zürn Klaus dagegen kam nicht selbst auf die Idee, Feuerwehrmann zu werden. Sein Vater war 40 Jahre lang bei der Feuerwehr und habe irgendwann zu ihm gesagt: „Junge, jetzt gohsch mit.“ Seit seinem 18. Lebensjahr ist er daher in der freiwilligen Feuerwehr tätig.
Arbeitspensum hat sich gesteigert
Bruno Zimmerle ist seit 31 Jahren Abteilungskommandant der Abteilung Schnait. „Die Feuerwehrarbeit wird immer mehr“, sagt er. Früher hätte es noch keine Smartphones gegeben. „Wenn da ein Mülleimer brannte, kam ein Nachbar mit einem Eimer Wasser und hat den Brand gelöscht.“ Heute nehme jeder sofort sein Smartphone zur Hand und wähle bei jeder Kleinigkeit sofort die Nummer der Feuerwehr. Auch die Angst der Bürger habe tendenziell zugenommen, es gebe immer mehr Türöffnungen und Anrufe von beunruhigten Nachbarn, sagt Zimmerle. Trotz der Einteilung in Schleifendienste in eine Tages- und eine Nachtschleife fehlten Einsatzkräfte.
