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Winnenden/Waiblingen Kreistag stimmt der Medizinkonzeption zu

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 Foto: Gabriel Habermann

Winnenden/Schorndorf.
Die Entscheidung fiel einstimmig aus: Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss des Kreistags billigte die Medizinkonzeption der Rems-Murr-Klinik. Das Klinikum in Winnenden wird auf über 750 Betten ausgebaut, das Krankenhaus in Schorndorf saniert. Grundlage der Entscheidung der Kreisräte ist, dass die Kliniken wachsen.

Die Entscheidung der Kreisräte im Verwaltungsausschuss am Montag war der vorletzte Akt. Am 24. April steht die Medizinkonzeption abschließend auf der Tagesordnung des Kreistages – und alles andere als eine Zustimmung durch dieses Gremium wäre eine Überraschung. Demonstrativ reichten sich im Bürgerzentrum Waiblingen die Chefärzte Hans-Joachim Strittmatter und Jürgen Hartung die Hände, nachdem sie ihr Konzept für die Zusammenarbeit von Gynäkologie und Geburtshilfe in Winnenden und Schorndorf vorgestellt hatten.

„Wir sind auf einem guten Weg“

Das Signal sollte lauten: Der Streit ist beendet, der Blick geht nach vorn. Doch es ist gerade elf Monate her, dass eine Klausursitzung des Kreistages an selber Stelle nach kurzer Zeit beendet werden musste, weil die Geschäftsgrundlage für den ersten Entwurf eines Medizinkonzeptes entfallen war, erinnerten der Waiblinger Kreisrat und Oberbürgermeister Andreas Hesky (Freie Wähler) und sein Schorndorfer Kollege Matthias Klopfer (SPD) an die Vorgeschichte. Zwölf Winnender Chefärzte schrieben angesichts der horrenden Sanierungskosten für Schorndorf einen Brief, in dem sie dieses Krankenhaus gänzlich infrage stellten.

„Wir sind auf einem guten Weg“, zog Hartmut Holzwarth für die CDU-Fraktion im Ausschuss sein Fazit. Der Winnender Oberbürgermeister betonte, dass der Rems-Murr-Kreis unterdurchschnittlich wenig Krankenhausbetten im Vergleich zu seiner Bevölkerungszahl aufweist. Insofern seien die Voraussetzungen gegeben, dass das Land die höhere Bettenkapazität von derzeit 620 auf über 750 genehmigt und bezuschusst. – Martin Kaufmann signalisierte die Zustimmung der SPD-Fraktion zum Szenario 1. Die Medizinkonzeption mache Schluss mit der Salamitaktik und biete eine Perspektive bis 2030. Er betonte, dass das Kapital der Kliniken nicht die beiden Häuser sind, sondern das Personal, allen voran die Chefärzte und die hervorragenden medizinischen Angebote.

Ein Ende des Streits

„Wir können die Vergangenheit ein Stückweit abschließen“, zog Andreas Hesky für die Freien Wähler einen Schlussstrich unter die Querelen der Vergangenheit. Gut sei das erzielte Einvernehmen der Chefärzte. Gut sei an der vorgelegten Medizinkonzeption aber auch, „dass wir Schorndorf nicht infrage stellen müssen“.

Christel Brodersen, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sprach von einem tragfähigen Konzept. Die Schwerpunkte der Medizin müssten weiterhin auf der Grund- und Regelversorgung liegen und die Möglichkeit bieten, alle Patienten im Rems-Murr-Kreis versorgen zu können. Ohne Investitionen und ohne die Erhöhung der Bettenkapazitäten sei dies jedoch nicht möglich.

Noch sind Fragen offen

„Das Szenario 1 ist absolut zu befürworten und die beste Alternative“, sagte Jochen Haußmann für die FDP/FW-Fraktion. Vielleicht habe der Chefarzt-Brief im Nachhinein betrachtet sogar etwas Gutes gehabt, mutmaßte der FDP-Landtagsabgeordnete, denn dank diesem sei ein aufgereiftes Konzept entstanden. Allerdings gebe es noch ein paar Unwägbarkeiten, wies Haußmann auf die Besonderheiten des Gesundheitswesens hin, aufgrund derer Kalkulationen über Nacht über den Haufen geworfen werden könnten. Eine spannende Frage bliebe, ob und in welcher Höhe das Land Baden-Württemberg die Investitionen im Rems-Murr-Kreis fördern.

Über die Anzahl der Betten soll erst ab Ende April entschieden werden

Sozialminister Lucha will nach aktuellem Stand die Entscheidung des Kreistages am 24. April abwarten, bevor er sich seinerseits mit den Bettenkapazitäten beschäftigt. Nachdem die Kliniken 2016 mit ihrem Antrag auf zusätzlich 50 Planbetten abgeblitzt waren, will Geschäftsführer Marc Nickel in diesem Jahr mit der Medizinkonzeption im Rücken einen neuen Anlauf starten. Diese 50 Betten sind im Übrigen mehr als ein Plan im engeren Sinne, sondern in real vorhanden und werden tagtäglich belegt – bloß wird deren Belegung von den Krankenkassen nicht zur Gänze bezahlt.

Die Rems-Murr-Kliniken bieten in den nächsten Wochen Bürgerinformationsveranstaltungen an: Mittwoch, 29. März, im Klinikum Winnenden; Donnerstag, 30. März, Bürgerzentrum Waiblingen, Montag, 3. April, Klinik Schorndorf, und Dienstag, 4. April, Bürgerhaus Backnang. Beginn jeweils 19 Uhr.


Die Medizinkonzeption

Wie kam es zur Medizinkonzeption „Gemeinsam für unsere gesunde Zukunft?“: Schon vor fast einem Jahr hat Klinikengeschäftsführer Marc Nickel einen Entwurf für ein Medizinkonzept für die Krankenhäuser Schorndorf und Winnenden vorgelegt. Ein Gutachten über drohende Sanierungskosten von 90 bis 100 Millionen Euro für die Schorndorfer Klinik führte zum Eklat. Die zwölf Winnender Chefärzte zweifelten die Existenzberechtigung von Schorndorf grundsätzlich an.

Welche Szenarien sind in der Medizinkonzeption untersucht worden?

Szenarium 1 war der Ausbau von Winnenden und die Sanierung im Bestand des Schorndorfer Krankenhaus. Szenarium 2 untersuchte einen Neubau von Winnenden und Szenarium 3 die Schließung der Schorndorfer Klinik. Von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat der Kliniken wird das Szenarium 1 favorisiert, da es wirtschaftlich die besten Aussichten und am kostengünstigsten ist.

Was bedeutet das Szenarium 1?

Grundlage der Überlegungen ist ein weiteres Wachstum der Kliniken in kommmunaler Trägerschaft und die Steigerung des Marktanteils von unter 50 auf über 60 Prozent. Notwendig sei die Erhöhung der Bettenkapazität in Winnenden von 620 auf rund 750 Betten (Investitionsvolumen 35,7 Millionen Euro). Die Sanierungskosten des Schorndorfer Krankenhaus werden auf 33 Millionen Euro geschätzt, hinzu kommen jedoch sogenannte Instandhaltungskosten, so dass bis 2024 über 60 Millionen Euro investiert werden müssen.

Was ist das Ziel der Medizinkonzeption?

Zum einen sollte die künftige Zusammenrbeit der beiden Krankenhäuser klar geregelt und die jeweiligen medizinischen Schwerpunkte fixiert werden. Wirtschaftlich streben die Kliniken an. das jährliche Defizit bis 2024 auf 5,5 Millione Euro zu verringern.

Fazit: „Trotz Wachstum an beiden Standorten in Szenarium 1 steht der Landkreis in zehn Jahren immer noch mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag in der Pflicht und wird auf Dauer Defizite, bestensfalls im einstelligen Millionenbereich, jährlich ausgleichen müssen.“

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