Brand: Ursache nach wie vor unklar
Waiblingen.
Unser Redaktionsmitglied Jutta Pöschko-Kopp war vor Ort, als am Samstag an der Querspange in Waiblingen ein Großbrand wütete. Hier ihre Eindrücke:
Keine zwei Wochen nach dem Großbrand im Bürgerzentrum hat am Samstagabend ein Feuer in der Querspange einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Aus einem Brand bei den Müllcontainern war wenig später ein offenes Feuer geworden, das sich an der Außenfassade über alle Stockwerke des Ärzte- und Klinikhauses hochfraß. Verletzt wurde niemand. Fünf Patienten konnten selbstständig das Gebäude verlassen und wurden in umliegenden Krankenhäusern untergebracht. Um 17.38 Uhr gibt die Leitstelle eine Brandmeldung an das Lagezentrum der Polizei weiter. An der Ecke Alter Postplatz/Fronackerstraße ist ein Containerbrand gemeldet worden. Als Feuerwehr und Polizei wenig später eintreffen, hat sich daraus bereits ein offenes Feuer entwickelt, dessen Flammen sich an der Fassade auf der Gebäuderückseite hochfressen. Rasch schmelzen die Flammen die Außendämmung, unter der extremen Hitze bersten sämtliche angrenzende Fenster auf allen Stockwerken. Fünf Patienten und zwei Krankenschwestern der Zentralklinik können das Gebäude unverletzt verlassen. Später wird der Waiblinger Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Jochen Wolf das vorbildliche Verhalten von Verantwortlichen und Patienten während dieser Rettungsaktion loben. Kurzfristig kommt das Gerücht auf, es habe Brandverletzte gegeben – tatsächlich wird niemand zu Schaden. Die 22 Frauen und Männer des Rettungsdienstes müssen zum Glück nicht tätig werden. „Kein Personenschaden. Das ist das Wichtigste“, konstatiert denn auch Oberbürgermeister Andreas Hesky, der sofort zum Brand gefahren ist und geschockt auf die brennende Querspange blickt. Gerade erst habe er ähnliche Bilder beim Bürgerzentrum gesehen. Und nun das: „Ein Krankenhaus!“
Erneut Höchstleistung von der Feuerwehr
Tatsächlich erfordert die Brandbekämpfung erneut Höchstleistungen von der Feuerwehr. „Wegen der starken Verrauchung hat es zunächst dramatisch ausgesehen“, berichtet Feuerwehrkommandant Jochen Wolf noch am Samstagabend. „Man wusste, es ist eine Klinik ...“ Über weite Teile der Innenstadt ist der Rauch zu sehen. Weil keiner ausschließen kann, dass sich außer den sieben Personen weitere Menschen im Gebäude befinden, dringt die Wehr über die Drehleiter mit mehreren Truppen unter Atemschutz ein und untersucht die Stockwerke. Die Feuerwehr aus Fellbach rückt mit einer zweiten Drehleiter an. Dann kommt endlich die erlösende Nachricht: „Keine Personen mehr im Gebäude.“ Eine Gaststätte und der Rewe-Lebensmittelmarkt im Haus, die bei Brandausbruch noch geöffnet hatten, werden geschlossen. Während viele Schaulustige die Straße säumen und einige der in der Querspange tätigen Ärzte angespannt die Löscharbeiten verfolgen, sperrt die Waiblinger Polizei den Einsatzort weiträumig ab.
Unter den Ärzten ist auch der Radiologe Hansjörg Rempp, der seine Praxis erst vor einem Jahr übernommen hatte. Er sei schockiert, das ja, sagt er. Aber letztlich seien die Sorgen regelbar, wenn alle Patienten raus sind. Es brennt nur hinter den geborstenen Fenstern Kurz vor 20 Uhr rücken die ersten Feuerwehrleute ab. Bis dahin ist es der Feuerwehr gelungen, den Brand auf die Räume hinter den geborstenen Fenstern zu begrenzen. Doch der dichte Rauch erreicht auch weitere Teile des Gebäudes – der Schaden durch Rauch- und Rußniederschlag ist wohl in allen Stockwerken groß. Wie hoch er tatsächlich ist, kann am Samstagabend und am Sonntag noch niemand wirklich sagen. Die Polizei schätzt den Gebäudeschaden durchs Feuer auf einen „mittleren sechsstelligen Betrag“. Doch dazu kommt der Schaden durch Rauch und Ruß, der sich noch nicht einschätzen lässt. Noch völlig offen ist zudem, ob und wie beschädigt die medizinischen Geräte in den Praxen sind.
Noch während der Löscharbeiten startet die Ursachenforschung
Die Kriminalbeamten des Kriminaldauerdienstes nehmen noch während der Löscharbeiten die Brandursachenerforschung auf. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass der Brand ebenso wie der im Bürgerzentrum außerhalb des Gebäudes in einem Abfallcontainer ausbrach. Hinter dem Gebäude standen mehrere Drahtgittercontainer, in denen sich wohl Abfall und Verpackungsmaterial befanden. Ersten Erkenntnissen zufolge ist vermutlich dieses Material in Brand geraten, zündete dann aufgrund seiner Beschaffenheit schnell durch und fraß sich an der Fassade hoch. Etwa um 20.15 Uhr vermeldet Feuerwehrkommandant Jochen Wolf: „Das Feuer ist aus. Die Lage ist stabil. Verletzt wurde niemand.“ Bis vier Uhr morgens wird die Wehr aber noch letzte Glutnester löschen. Bis dahin waren 128 Wehrleute der Feuerwehr Waiblingen und der Abteilungen Beinstein, Hegnach und Neustadt im Einsatz. Die Feuerwehr Fellbach unterstützte außer mit dem Drehleiterfahrzeug auch durch den Strahlenschutz. Die Strahlenschutzeinheit war vorsorglich tätig, da im betroffenen Gebäudeteil auch die Röntgenpraxis untergebracht ist. Die Messungen erbrachten keine Umgebungsbelastung.
Die Ursache für das Feuer ist noch ungeklärt. Die Polizei in Waiblingen bittet dazu um Zeugenhinweise. Wer sich vor der Brandausbruchszeit im fraglichen Bereich aufhielt, wird gebeten, sich zu melden, unabhängig davon, ob er selbst Beobachtungen gemacht hat. Die Polizei ist an einem vollständigen Bild interessiert, zu dem jeder beitragen kann, der sich ab etwa 16 Uhr in der Gasse hinter dem Gebäude aufhielt. Hinweise nimmt die Polizei unter ) 0 71 51/95 00 entgegen.
Die Klinik, die Notfallpraxis und die Arztpraxen bleiben bis auf weiteres geschlossen. Die Kriminalpolizei ermittelt. Weitere Informationen zum Brand und den Aufräumarbeiten werden an diesem Montag erwartet.
