Baden-Württemberg

Die neuen Corona-Regeln: Wie viele Leute dürfen sich im öffentlichen Raum treffen?

Corona-Regeln im öffentlichen Raum
Symbolbild. © Pixabay

Die Corona-Verordnungen des Landes Baden-Württemberg ändern sich in Hinblick auf die sich abschwächenden Infektionszahlen im Land. Das ist einerseits gut, andererseits weiß man vor lauter „Lockerungen“ und Änderungen von Änderungen manchmal gar nicht, was man jetzt aktuelle noch darf - oder nicht. Zumal die Verordnungen teilweise auch bemerkenswert seltsame Blüten treiben. Wir bieten einen Überblick, was in welcher Form erlaubt ist, mit Beschluss vom 9. Juni.

Wie viele Leute dürfen sich im öffentlichen Raum treffen?

Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist bis zum Ablauf des 30. Juni 2020 nur alleine oder in einer Gruppe mit Angehörigen von bis zu zwei Haushalten oder mit bis zu zehn Personen gestattet. Zu anderen Personen ist im öffentlichen Raum, wo immer möglich, ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Personen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr müssen weiterhin im ÖPNV, an Bahn- und Bussteigen, im Wartebereich der Anlegestellen von Fahrgastschiffen sowie in Flughafengebäuden und in den Verkaufsräumen von Ladengeschäften einen Mundnasenschutz tragen.

Wie viele dürfen zu „Feiern“ wo zusammenkommen?

Schon seit dem 26. Mai dürfen sich im privaten Raum (inklusive Garten) bis zu zehn Personen aus mehreren Haushalten treffen. Kommen die Personen aus einem Haushalt oder sind Verwandte, darf diese Zahl auch überschritten werden.

Seit dem 9./10. Juni ist es nun zwar „freier“, aber auch komplizierter geworden. Bei Feiern in den eigenen vier Wänden oder im eigenen Garten wie Geburtstagen, Hochzeiten oder Taufen dürfen maximal 20 Personen teilnehmen, sofern diese aus verschiedenen Haushalten stammen. Keine zahlenmäßige Beschränkung gibt es, wenn alle Personen miteinander verwandt sind, teilt die Landesregierung mit.

Feiert man in öffentlichen mietbaren Einrichtungen (Restaurants, Eventlocations, Vereinsheimen oder Gemeindehäusern), dürfen sogar 99 Personen kommen.

Private Feiern in öffentlich mietbaren Gebäuden mit einem Hygienekonzept seien mit kulturellen Veranstaltungen gleichzusetzen. Private „schöne feuchtfröhliche Feierlichkeiten“ dagegen könnten, laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann, „sehr leicht zu Infektionsherden werden.“ Das hätten Ischgl, Heinsberg und andere virale Beispiele gezeigt. „Deshalb haben wir uns schweren Herzens dazu durchgerungen, Hauspartys auf 20 Personen zu begrenzen.“

Doch für private Feiern gilt: „Körperkontakt, insbesondere Händeschütteln oder Umarmen, ist zu vermeiden“, steht in der neuen Verordnung. Und weiter: „Der Veranstalter hat die Anzahl der anwesenden Personen so zu begrenzen, dass die Abstandsregelungen (1,5 Meter, Anm. d. Red.) eingehalten werden können.“ - „Aktivitäten der Teilnehmer, bei denen eine erhöhte Anzahl an Tröpfchen freigesetzt werden können, insbesondere singen oder tanzen, haben zu unterbleiben.“

Der Veranstalter hat außerdem ein Hygienekonzept auszuarbeiten. Das Konzept muss den zuständigen Behörden auf Verlangen vorgezeigt werden, so die Verordnung. Das Konzept müsse mindestens regeln, wie die Personenzahl in Relation zur Raumgröße begrenzt werden kann, wie die geschlossenen Räumlichkeiten bestmöglich gelüftet werden können, wie die Möglichkeiten zur Händehygiene umgesetzt werden können, und wie die Kontaktpersonennachverfolgung konkret umgesetzt werden kann. So muss der Veranstalter persönliche Daten der Teilnehmer erheben.

Und was gilt für Familienfeiern?

Reine Familienfeiern in privaten Räumen (inklusive Garten) sind von der Teilnehmerzahl nicht begrenzt. Doch, Moment: Wenn mehr als 20 Verwandte oder in einem Haushalt lebende Personen zusammenkommen, darf keine weitere nicht verwandte oder nicht im Haushalt lebende Person hinzukommen. Wohnen beispielsweise vier Personen in einem Haushalt zusammen, dürfen maximal 16 weitere nicht verwandte Personen hinzukommen. Kommen drei Verwandte dazu, dürfen nur noch 13 nicht verwandte Personen hinzukommen.

Und was ist mit größeren Veranstaltungen?

„Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern, auch in Betrieben, Behörden und Einrichtungen, sind bis zum Ablauf des 31. August 2020 untersagt; bei der Bemessung der Teilnehmerzahl bei Publikumsveranstaltungen bleiben die Beschäftigten und sonstigen Mitwirkenden außer Betracht“ - so steht es in der aktualisierten Landes-Verordnung vom 9./10. Juni.

Seit dem 1. Juli sind öffentliche Veranstaltungen wie Tagungen, Kongresse, Messen und kleinere Sportevents mit bis zu 100 Menschen möglich. Größere Veranstaltungen wie zum Beispiel Volksfeste, Jahrmärkte und Konzerte mit mehr als 500 Menschen bleiben aber mindestens bis zum 31. August wegen des Coronavirus verboten.

Wie viele Leute dürfen gleichzeitig zum Einkaufen in einen Laden?

Die Corona-Regelung, wonach auf 20 Quadratmetern Verkaufsfläche sich nur eine Person zum Einkaufen in einem Laden aufhalten darf (Kunden und Beschäftigte inklusive), ist unwirksam. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hat am Montag, 8. Juni, einem Eilantrag der Tchibo GmbH stattgegeben und die Zutrittsbegrenzung gemäß der Richtgröße von 20 Quadratmetern pro Person als zu unbestimmt und nicht nachvollziehbar gekippt. Tchibo hatte angegeben, auch Läden mit zum Beispiel 39 Quadratmetern zu betreiben, wodurch kein Kunde hineinkommen hätte dürfen, wenn sich schon ein Angestellter im Laden befand. Doch die Landesregierung hat am Dienstag, 9. Juni, alsbald nachgelegt, die Verordnung geändert und die Richtgröße auf zehn Quadratmeter pro Person halbiert. Damit besteht bundesweite Einheitlichkeit. Der Mundnasenschutz jedoch bleibt beim Einkaufen weiterhin Pflicht.

Welche Regeln gelten für Sportstätten und Tanzschulen?

Alle öffentlichen und privaten Sportanlagen und Sportstätten, insbesondere Fitnessstudios, Yogastudios sowie Tanzschulen und ähnliche Einrichtungen dürfen zu Trainings- und Übungszwecken schon seit Anfang Juni unter strengen Infektionsschutzauflagen wieder betrieben werden.

Die Regel „zehn Quadratmeter pro trainierender Person“ für Fitness- und Yogastudios ist weiter in Kraft. Das heißt, rund herum um eine Person an einem Gerät, auf einer Matte darf sich beim Training in alle Richtungen in 3,33 Metern Entfernung niemand anderes aufhalten, sofern keine Verwandtschaft besteht. „Training von Sport- und Spielsituationen, in denen ein direkter körperlicher Kontakt erforderlich oder möglich ist, ist untersagt.“ Ebenfalls verboten sind laut Verordnung des Kultus- und Sportministeriums hochintensive Ausdauerbelastungen in geschlossenen Räumen.

Trainings- und Übungseinheiten mit Raumwegen dürfen maximal in Gruppen von zehn Personen erfolgen: „Dabei muss die Trainings- und Übungsfläche so bemessen sein, dass pro Person mindestens 40 Quadratmeter zur Verfügung stehen.“

Ausnahme: Das Tanzen, das „individuell oder in Gruppen von maximal zehn Personen oder bis zu zehn festen Paaren“ auf einer Fläche stattfinden muss, die so bemessen ist, „dass pro Person oder Tanzpaar mindestens 25 Quadratmeter zur Verfügung stehen; beim Ballett an der Stange müssen sie so ausgeführt werden, dass ein Mindestabstand von 2,5 Metern zwischen den Personen eingehalten wird.“

Und die Freibäder?

Freibäder dürfen wieder öffnen. Es gibt jedoch nur zeitlich begrenzte, meist ausschließlich vorbuchbare Tickets und Vorgaben, wie viele Menschen sich gleichzeitig im Bad insgesamt und in einzelnen Becken (je nach Fläche) aufhalten dürfen.