Baden-Württemberg

Rückkehr zu G9 in Baden-Württemberg: Was sich dadurch an Gymnasien ändert

Symbolbild
Ein Schulkind bei der Arbeit. © Alexandra Palmizi

Im Sommer hat die Landesregierung eine umfassende Bildungsreform beschlossen. Ein zentraler Punkt: Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg. Der Gesetzentwurf ist derzeit noch in der Anhörungsphase, das Kultusministerium hat aber bereits erste Details zur Reform veröffentlicht. Was sich durch das „neue G9“ im Ländle konkret ändern wird, haben wir hier zusammengefasst.

Derzeit ist in Baden-Württemberg das achtjährige Gymnasium Standard. Zum Schuljahr 2004/05 war G8 flächendeckend eingeführt worden. G9 gibt es aktuell nur als Modellprojekt an 44 staatlichen Schulen und an einigen Privatschulen. Ab dem Schuljahr 2025/2026 soll nach Willen der Landesregierung wieder das Abitur nach neun Schuljahren zum Standard werden, zunächst beginnend mit den Klassen fünf und sechs.

Fünf Neuerungen geplant: Was diese konkret bedeuten

Das neunjährige Gymnasium soll dabei „zeitgemäß ausgestaltet“ werden. Das Konzept der Kultusministerin sieht etwa eine Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer vor. Kompetenzen im Bereich Informatik, Künstliche Intelligenz und Medienbildung sollen Schüler künftig in einem eigenen Schulfach erlernen. „Das neue G9 umfasst fünf zentrale Innovationen: "Wir stärken die Grundlagenfächer Deutsch und Mathematik in der Unterstufe, den naturwissenschaftlichen Bereich, die Demokratiebildung, die Berufliche Orientierung sowie die Lern- und Leistungsentwicklung durch ein individuelles Schülermentoring“, heißt es aus dem Kultusministerium. Was das konkret bedeutet:

Stärkung der Grundlagenfächer in der Unterstufe: Durch zusätzlichen Unterricht in Verbindung mit einer verbindlichen Verankerung einer leistungsbezogenen Differenzierung. Das soll „zugleich die Entwicklung individueller Stärken und die Kompensation von Schwächen der Schülerinnen und Schüler“ ermöglichen.

Stärkung des naturwissenschaftlichen Bereichs: Die Landesregierung führt das Pflichtfach „Informatik und Medienbildung“ durchgängig von Klasse 5 bis 11 ein. Zudem wird es künftig nur das Profilfach „Naturwissenschaft und Technik“ (NwT) geben. Das Profilfach „Informatik, Mathematik, Physik“ (IMP) wird eingestellt. Auch das Fach „Biologie, Naturphänomene und Technik“ (BNT) in Klasse 5 und 6 wird aufgelöst. „Die dort bisher im Umfang von vier Wochenstunden verankerten Fachanteile Biologie werden dem Fach Biologie zugeführt“, heißt es von der Landesregierung.

Stärkung der Demokratiebildung: Das projekt- und praxisorientierte Lernen im Kontext der Leitperspektiven Demokratiebildung und „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) soll noch mehr in den Mittelpunkt gestellt werden. Es umfasst die Klassen 5 bis 11. Auf das in der Unterstufe fächerübergreifende Fundament Demokratiebildung (verbindliche Klassenlehrerstunden in den Klassen 5 und 6 mit entsprechender verbindlicher altersgerechter Berücksichtigung des Themas) folgt der Schwerpunkt BNE (Projektunterricht angebunden an das Ankerfach Geographie, i. d. R. fächerverbindend mit einem weiteren Fach). Die Oberstufe vertieft den Schwerpunkt Demokratiebildung – unter Einbezug außerschulischen Engagements – mit dem zusätzlichen Projektkurs Demokratiebildung in Klasse 11 im Ankerfach Gemeinschaftskunde.

Stärkung der Beruflichen Orientierung: Das Fach „Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung“ (WBS) beginnt weiterhin in Klasse 8 und wird um ein neues verbindliches Praktikumselement bzw. Praxiselemente zur Beruflichen Orientierung erweitert. Ziel ist insbesondere auch die Stärkung der Berufswahlkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Auch dieses Konzept ist von einem projekt-, praxis- und produktorientierten konkreten Lernen im Kontext der Leitperspektive BO gekennzeichnet.

Stärkung der Lern- und Leistungsentwicklung: Im neuen G9 soll die fachübergreifende individuelle Lern- und Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler durch ein systematisches Mentoring gefördert werden. Das Mentoring ist an allen Gymnasien verbindlich und für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Es fokussiert auf zwei besonders relevante Klassenstufen, auf die Klassen 7 und 10. Ein individuelles Mentoring findet somit jeweils an den Schnittstellen (Übergang Unter-/Mittelstufe, Übergang Mittel-/Oberstufe).) statt.

Wie viele Wochenstunden sind für die einzelnen Klassenstufen geplant?

  • 5. Klasse: 28
  • 6. Klasse: 29
  • 7. Klasse: 29
  • 8. Klasse: 31
  • 9. Klasse: 32
  • 10. Klasse: 33
  • 11. Klasse: 33

Sogenannte „Pool-Stunden“, die jede Schule individuell und entsprechend ihres Profils einsetzen kann, sind in dieser Auflistung nicht berücksichtigt. Künftig gibt es darüber hinaus eine einheitliche Stundentafel. Diese soll einen möglichen Schulwechsel erleichtern und insbesondere auch zu einer landesweit einheitlichen Qualitätssicherung und -entwicklung an den Schulen beitragen.

Schulen können sich auch weiterhin für G8 entscheiden

Gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, in acht Jahren zum Abitur zu gelangen? Ja, das geht. „Die Gymnasien können eigenverantwortlich entscheiden, ob sie beim Regierungspräsidium einen Antrag zur Einrichtung eines G8-Zuges stellen“, so die Infos aus dem Kultusministerium.

Weitere Informationen zur Bildungsreform finden Sie auf der Homepage des Kultusministeriums: https://km.baden-wuerttemberg.de/de/schule/schulartuebergreifend/faq-bildungsreform?highlight=G9