Blaulicht

Internet-Hysterie: Rauchmelderwarnung falsch!

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So verbreitete sich die Nachricht durch die Netzwerke. © Joachim Mogck

Waiblingen. „Zumindest zum jetzigen Stand handelt es sich aus polizeilicher Sicht noch um eine astreine Falschmeldung“ heißt es. Das Gerücht geht um, dass Betrüger von Haus zu Haus gehen, vorgeben, Rauchmelder zu überprüfen und dann einbrechen wollen. Das stimmt nicht! Polizeipressesprecher Bernhard Kohn sagt: „Die Menschheit ist internethysterisch“. Aber trotzdem solle man nicht jeden ins Haus lassen.

Die Mails und What’s App-Meldungen kommen beinahe minütlich. Und zwar nicht von irgendwelchen zwielichtigen Quellen, sondern etwa von einer Richterin, von der Frau eines Feuerwehrmannes und so weiter. Honorig also, ernst zu nehmen. Achtung, heißt es: Es gehen als Feuerwehrmänner verkleidete Betrüger um, die klingeln an der Haustür. Sie geben vor, die gesetzlich vorgeschriebenen Rauchmelder kontrollieren zu wollen, spähen dabei aber das Haus aus und brechen dann irgendwann ein.

Die Polizei schreibt: Falschmeldung. Auf Neudeutsch heißt das „Hoax“. Aber die Warnungen brechen nicht ab. Am Montag fürchtete sich der Ostalbkreis, Dienstag ist die Welle auf den Rems-Murr-Kreis übergeschwappt. Liebe Polizeipressestelle: Ist vielleicht doch was dran?

Bernhard Kohn, Polizeipressesprecher, explodiert. „Die Menschheit ist internet-hysterisch.“ Und: „Das ist absolut frustrierend.“ Und: „Jeder teilt, wie das heute heißt, jeder warnt, aber keiner weiß, wo tatsächlich etwas passiert ist.“ Und: „Unsere Welt ist plemplem.“

Das Problem: Die unkontrollierte Vermehrung von Warnungen führt dazu, dass die Polizei ständig und ständig danach gefragt wird, ob die Gefahr existent und wie groß sie denn sei. „Wir kriegen keine Chance mehr, echte von unechten Meldungen zu unterscheiden.“ Und es bleibt ja nicht bei den falschen Feuerwehrmännern. Sondern innerhalb kürzester Zeit haben diese falschen Feuerwehrmänner eingebrochen, Häuser verwüstet, geschlägert. Und nichts davon ist tatsächlich passiert. Aber allem müssen die Beamten nachgehen. „Wir machen Heerscharen von Kollegen schalu.“

Kohn fordert: „Ausschalten!“ Denn, sagt er, die Feuerwehr-Rauchmelder-Einbrecher-Warnung sei ja noch harmlos. Die Polizei kämpft mit noch viel schlimmeren Falschmeldungen: „Da werden Kinder tot aufgefunden und Frauen vergewaltigt“. Alles nicht passiert, alles massenhaft weitergeschickt, alles löst Angst aus.

Keine Überprüfung der Rauchmelder

Die Polizei erklärt: „Es gibt keine Überprüfungen, ob die vorgeschriebenen Rauchmelder installiert sind oder nicht. Aber die Rauchmelder leisten beste Dienste, also: wo sie noch fehlen, bitte einbauen. Auch ohne Kontrolldruck.“ Und sollten womöglich irgendwann irgendwo tatsächlich falsche Feuerwehrleute auftauchen, „ist eine Verständigung der Polizei auch in der heutigen Zeit noch immer zielführender als eine Textmeldung zu versenden, die man auch wieder nur von irgendwoher beklommen hat“. Grundsätzlich aber sollte keiner einfach jedem Dahergelaufenen einfach so die Türen öffnen.

Zu welch großer Verwirrungen so ein Social-Media-Hoax führen kann, verdeutlich folgender Rechercheablauf...

Heute um 15.52 Uhr ging eine Hammer-Pressemitteilung des Landes-Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur (was die alles zu bearbeiten haben – man staunt . . .) bei uns ein – sie begann mit Donnerworten: „Seit 31. Dezember 2014 besteht allgemein die Pflicht, Aufenthaltsräume, in denen bestimmungsgemäß Personen schlafen, mit Rauchwarnmeldern auszustatten. Diese Pflicht nutzen jetzt Medienberichten und Warnungen in den sozialen Medien zu Folge Diebes-Banden, die sich als Kontrolleure ausgeben und sich so Zugang zu den Wohnungen verschaffen. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) warnt heute davor, solchen vermeintlichen Kontrolleuren die Tür zu öffnen.“
Boah, jetzt warnt schon ein echtes Ministerium! Dann muss ja wohl was dran sein. Oder sollten auch die bloß einem Gerücht aufgesessen sein, das via Internet halb Deutschland kirre macht? Fragen wir nach – Auskunft einer Pressesprecherin im Verkehrsministerium: „Ja“, es habe „tatsächlich“ Fälle in den Kreisen Ludwigsburg und Esslingen gegeben. „Deshalb haben wir mit der Pressemitteilung reagiert.“ Sapperlot. Das wollen wir genauer wissen. Anruf beim Polizeipräsidium Ludwigsburg . . .
Reporter: „Guten Tag, ich rufe an wegen eines Themas, das heute vermutlich viele Journalisten beschäftigt, nämlich . . .“
Polizeisprecher: „ . . . die Rauchmelder!“
Reporter: „Genau. Erst dachten wir, das wäre ein haltloses Gerücht, und bei uns im Rems-Murr-Kreis ist derlei auch noch gar nicht passiert. Aber das Verkehrsministerium hat uns gesagt, es habe tatsächlich in Ludwigsburg . . .“
Polizeisprecher: „ . . . jaja, es habe immer irgendwo. Bremen und Hannover hätte ich auch noch im Angebot, da habe es auch. Aber für uns in Ludwigsburg gilt wie für den Rems-Murr-Kreis: Nein! Punkt.“
Nächster Versuch: Pressestelle des Polizeipräsidiums Reutlingen, zuständig unter anderem für Esslingen.
Reporter: „Guten Tag, ich rufe an wegen den Rauchmeldergaunern. Im Rems-Murr-Kreis und in Ludwigsburg ist laut Polizei gar nichts. Aber bei Ihnen soll es welche geben.“
Polizeisprecherin: „Wir haben gestern tatsächlich einige Anrufe gekriegt – Bürger haben uns mitgeteilt, sie hätten gehört oder gelesen, dass solche Banden umgehen.“
Reporter: „Aha.“
Polizeisprecherin: „Es gab auch eine Handvoll Anrufe, da haben Leute mitgeteilt, bei ihnen hätten welche geklingelt. Bislang ist aber nichts passiert. Niemand wurde bestohlen.“
Jetzt reicht’s! Hier geht es um die innere Sicherheit eines ganzen Landes, da hilft nur noch ein Anruf im Innenministerium. Pressesprecher Carsten Dehner teilt mit: Bei ihnen liege keine Information vor, dass es tatsächlich „aktuell solche Fälle von Hausbesuchen falscher Rauchwarnmelder-Kontrolleure in Baden-Württemberg gibt“.