Blaulicht

Nach Geisterfahrt: Gaffer filmen Tote

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Eine Geisterfahrerin hat am Sonntag (15.1.) auf der B29 einen tödlichen Unfall versursacht. Sie selbst und ein 20-Jähriger starben. © Benjamin Büttner
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Eine Geisterfahrerin hat am Sonntag (15.1.) auf der B29 einen tödlichen Unfall versursacht. Sie selbst und ein 20-Jähriger starben. © Benjamin Büttner
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Eine Geisterfahrerin hat am Sonntag (15.1.) auf der B29 einen tödlichen Unfall versursacht. Sie selbst und ein 20-Jähriger starben. © Benjamin Büttner
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Eine Geisterfahrerin hat am Sonntag (15.1.) auf der B29 einen tödlichen Unfall versursacht. Sie selbst und ein 20-Jähriger starben. © Benjamin Büttner
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Eine Geisterfahrerin hat am Sonntag (15.1.) auf der B29 einen tödlichen Unfall versursacht. Sie selbst und ein 20-Jähriger starben. © Benjamin Büttner
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Eine Geisterfahrerin hat am Sonntag (15.1.) auf der B29 einen tödlichen Unfall versursacht. Sie selbst und ein 20-Jähriger starben. © Benjamin Büttner

Lorch.
Noch ist nicht klar, weshalb die 72-jährige Geisterfahrerin am Sonntag in falscher Richtung auf der B29 unterwegs war. Es kam zu einem folgenschweren Zusammenstoß; die Frau selbst und ein 20-Jähriger sind tot. Nichts deutet laut Polizei darauf hin, dass die Frau betrunken gewesen sein könnte oder mit Absicht falsch gefahren wäre. Am Rande hatte es die Polizei mit unbelehrbaren Gaffern zu tun.

Vorläufigen Erkenntnissen der Polizei zufolge ist die Frau wohl an der Einfahrt Lorch-Ost in falscher Richtung auf die B29 gefahren. Endgültig geklärt ist die Frage nach der Auffahrt noch nicht. Ein 20-jähriger Daimler-Fahrer, bei dem noch ein 21-Jähriger im Auto saß, war auf der Bundesstraße von Schwäbisch Gmünd kommend in Richtung Stuttgart unterwegs. Etwa 2,8 Kilometer vor der Ausfahrt Lorch kam ihm die Unglücksfahrerin mit ihrem Renault Laguna entgegen. Die beiden Autos stießen frontal zusammen. Sowohl für die Rentnerin als auch für den jungen Daimlerfahrer kam jede Hilfe zu spät. Der Beifahrer im Daimler erlitt schwere Verletzungen.

Wie es genau zu dem Unfall gekommen ist, „das ist sehr schwierig nachzuvollziehen“, sagt Polizeisprecher Bernhard Kohn. Die Frau war allem Anschein nach nicht alkoholisiert, und die Polizei geht nach bisherigem Ermittlungsstand nicht davon aus, dass hinter der Falschfahrt eine selbstmörderische Absicht gesteckt haben könnte. Nun geht es darum herauszufinden, ob an der mutmaßlichen Einfahrtsstelle Lorch-Ost – sofern es diese war und sofern sich das im nachhinein klären lässt – Änderungen nötig sind, um die Gefahr zu mindern. Im Mai 2015 hat sich ganz in der Nähe ein ähnlich tragischer Unfall ereignet. Damals fuhr eine 86-jährige Frau zunächst korrekt in Richtung Stuttgart auf die B29. Auf dem Beschleunigungsstreifen hielt sie an und wendete. Nach 700 Metern prallte ihr VW frontal mit dem BMW eines 22-Jährigen zusammen. Sowohl die Frau als auch der junge BMW-Fahrer starben.

Polizei twittert empört über störende Gaffer

Nach dem tödlichen Unfall am Sonntag hatte es die Polizei wieder mit etlichen Gaffern zu tun. Das Geschehen war von einer Brücke aus gut einzusehen – und diesen Umstand nutzten eine Menge Schaulustige. Es war ohnehin schon sehr viel Personal im Einsatz, um alles Nötige zu tun – und dann musste die Polizei auch noch Beamte losschicken, um die Gaffer in die Schranken zu weisen. Und längst nicht jeder verschwindet einfach, wenn die Polizei ihn dazu auffordert. Es gibt immer welche, so berichtet Bernhard Kohn, die noch den Nerv haben, Streitgespräche anzuzetteln. „Manchen ist es auch peinlich“, sagt der Polizeisprecher – „aber manche sind unbelehrbar“. Die Polizei traf auf Gaffer, „die waren so borniert und beharrten auf ihr Recht zu „gaffen“, dass ihnen ein Platzverweis unmittelbar bevorstand, ehe sie sich entfernten“, teilt die Polizei auf Facebook mit. Am Sonntag füllten sich Plätze, welche die Polizei geräumt hatte, zwei, drei Mal mit neuen Schaulustigen. Manche hatten sogar minderjährige Kinder zur Unfallstelle mitgebracht.

Gaffer gab’s schon immer. Nur zücken sie heute auch noch ihr Smartphone und lassen die Welt an ihren Eindrücken teilhaben. „Das ist ein großes Problem“, sagt Bernhard Kohn. Als die Toten am Sonntag noch in ihren Fahrzeugwracks lagen und ein Notarzt den Schwerverletzten auf der Fahrbahn versorgte, filmten und fotografierten Zuschauer eifrig von der Brücke aus. „Wir fragen uns: Schämt ihr Euch nicht?“, schreibt die Polizei in ihrem Facebook-Eintrag. Bernhard Kohn rät Gaffern, sich einmal in die Lage eines Schwerverletzten an einem Unfallort zu versetzen. Oder sich die Gefühlslage von Angehörigen vorzustellen, die Bilder von ihrem toten Verwandten im Internet entdecken: „Man tut den Menschen und den Angehörigen damit sehr sehr weh.“

Was tun, wenn vor einem Geisterfahrer gewarnt wird?

Sie werden nach dem schrecklichen Unfall vom Sonntag vielleicht niemals erfahren, wie es zur folgenschweren Geisterfahrt kommen konnte. Jeder kennt die Ansagen aus dem Radio – „bitte fahren Sie äußerst rechts, überholen Sie nicht. Wir melden es, wenn die Gefahr vorüber ist.“ Bernhard Kohn rät, auf jeden Fall immer die Warnfunkeinstellung am Radio aktiviert zu haben. Ist tatsächlich dort, wo man sich grade befindet, ein Geisterfahrer unterwegs – langsam fahren, aber keine Vollbremsung hinlegen. Sofort den linken Fahrstreifen verlassen, das Verkehrsgeschehen sehr gut im Auge behalten, reaktionsbereit sein. Die Empfehlung, auf den Standstreifen zu fahren, ist umstritten, weil sich dadurch eine neue Gefahr ergeben könnte. Vermutlich werden längst nicht alle Geisterfahrten registriert, weil die Betroffenen ihren Fehler sehr schnell bemerken und sich rasch aus der Situation herausmanövrieren können. Es gibt keinen „Vollkaskobeipackzettel“, der beschreibt, wie man diese hochgefährliche Situation am besten meistern kann. Langsam fahren und so schnell wie möglich raus. Sofort die Polizei rufen.