Blaulicht

Tote im China-Restaurant: Zwei rumänische Tatverdächtige festgenommen

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Die 53-jährige Betreiberin des Asia Restaurants war im März tot auf der Toilette der Gaststätte aufgefunden worden. © Joachim Mogck
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Gerüchten zufolge lag die Frau mit aufgeschlitzter Kehle und gefesselt auf der Toilette. Diese Gerüchte bestätigte die Polizei seinerzeit aber nicht. © Joachim Mogck
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Die Ermittler hielten sich mit der Preisgabe von Details zurück mit der Begründung, dass kein Taterwissen an die Öffentlichkeit gelangen sollte. © Joachim Mogck
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Es wurde zunächst gemutmaßt, dass der Täter aus dem familiären Umfeld des Opfers stammen könnte. © Joachim Mogck
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Später hieß es, zumindest aus dem näheren familiären Umfeld komme wohl niemand als Täter in Frage. © Joachim Mogck
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Deutschlandweit wie international erstreckten sich die Ermittlungen in alle Richtungen. © Joachim Mogck
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Das Team der Soko Perle startete mit 70 Mitgliedern. © Joachim Mogck
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Aus der Bevölkerung kamen nur wenige Hinweise, trotz zahlreicher Aufrufe. © Joachim Mogck
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Die überraschend am Mittwochmorgen angekündigte Pressekonferenz wird mit großer Spannung erwartet. (Hier: Rudolf Biehlmaier (rechts) und Reiner Möller, der leitende Kriminaldirektor bei der ersten Pressekonferenz im April.) © Jamuna Siehler
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Längere Zeit tappte die Polizei im Dunkeln. (Archivbild: Reiner Möller, der leitende Kriminaldirektor, bei der Pressekonferenz im April.) © Jamuna Siehler

Backnang.
Entscheidende Wendung im Mordfall in einem Asia-Restaurant, in der die "Soko-Perle" ermittelt. Im Rahmen der sehr aufwändigen Ermittlungen ergab sich ein Tatverdacht gegen zwei Männer aus dem Raum Backnang. Die beiden Männer wurden nun festgenommen und sind in Untersuchungshaft.

Am 9.11. gab es bei einem internationalen DNA-Abgleich einen Treffer. Die am Tatort gefundene DNA passt zu einem 42-jährigen Rumänen der seit 2014 in Backnang lebt. Sein 45-Jähriger Komplize wurde durch weitere Nachforschungen ermittelt. Der 42-Jährige war wegen Diebstahls und Einbruchsdiebstahls bereits vor Gericht und saß zum Zeitpunkt des DNA-Abgleichs bereits in Untersuchungshaft. Der zweite Verdächtige ist im Jahr 2013 von Rumänien nach Deutschland gezogen, mehr Erkenntnisse gibt es über diesen Mann noch nicht. Ob die beiden Männer sich kannten ist bisher unklar.

Hier geht es zur Aufzeichnung der Pressekonferenz.


Am 4. März gegen 10 Uhr war eine Frau tot in den Räumlichkeiten eines Asia-Restaurants in der Stuttgarter Straße aufgefunden worden. Bei der Obduktion hatte sich der Verdacht bestätigt, dass die Frau Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war. Die Todesursache: "Massive Gewalteinwirkung auf den Körper".

Die 53-jährige Betreiberin des Asia Restaurants war im März tot auf der Toilette der Gaststätte aufgefunden worden. Gerüchten zufolge lag die Frau mit aufgeschlitzter Kehle und gefesselt auf der Toilette. Diese Gerüchte bestätigte die Polizei seinerzeit aber nicht. Eine Mitarbeiterin fand die Leiche. Die Ermittler hielten sich mit der Preisgabe von Details zurück mit der Begründung, dass kein Taterwissen an die Öffentlichkeit gelangen sollte. Es wurde zunächst gemutmaßt, dass der Täter aus dem familiären Umfeld des Opfers stammen könnte. Später hieß es, zumindest aus dem näheren familiären Umfeld komme wohl niemand als Täter in Frage. Deutschlandweit wie international erstreckten sich die Ermittlungen in alle Richtungen. Auch einen Raub oder ein fremdenfeindliches Motiv schloss die Polizei nicht aus, doch hielt sie beides für unwahrscheinlich, hieß es bei einer Pressekonferenz im April. Die Rede war von einem weit verzweigten Beziehungsgeflecht im Umfeld der chinesischen Familie. Die Vernehmungen gestalteten sich zunächst wegen der Sprachbarriere schwierig.Die aus der Herkunftsprovinz des Opfers stammenden Chinesen sprechen einen sehr besonderen Dialekt, weshalb Dolmetscher sich schwer taten. Über WeChat, eine Plattform vergleichbar WhatsApp, über die viele Chinesen kommunizieren, veröffentlichte die Polizei Aufrufe.

Das Opfer, eine Buddhistin, stammte aus Wencheng in der chinesischen Provinz Zhejiang.Ihr Familien-Clan betreibt Gaststätten in verschiedenen Ländern Europas, zudem in China. Im Jahr 1999 kam die Frau nach Deutschland. Sie besaß einen niederländischen Pass. Die 53-Jährige hinterließ vier Kinder. Von ihrem Mann lebte sie getrennt.

Weil der Herkunftsort der Frau als Stammland organisierter Verbrechergruppierungen gilt, gab es nach dem Mord auch Spekulationen in diese Richtung. Im April sagte Kripo-Chef Reiner Möller,es gebe bis dato keine Hinweise, dass Schutzgelderpresser die Familie bedrängt hätten oder ein Konkurrenz-Clan Druck ausgeübt hätte. Die Finanzverhältnisse der Frau wurden seinerzeit als "geordnet" beschrieben.

Das Team der Soko Perle startete mit 70 Mitgliedern. Aus der Bevölkerung kamen nur wenige Hinweise, trotz zahlreicher Aufrufe.

Prof. Barend ter Haar, der über organisierte chinesische Kriminalität geforscht hat, verwies, nachdem er Presseberichte zum Backnanger Fall gelesen hatte, auf die Verschlossenheit der chinesischen Community. Deren Verhalten erwecke leicht den Anschein, dass sie gegen die Polizei konspiriere. Doch vertraue die Community schlicht ganz allgemein Sicherheitsbehörden nicht. Das habe mit einschlägigen Erfahrungen in der asiatischen Heimat zu tun oder damit, dass einige der chinesischen Migranten in Europa keinen legalen Status hätten.

Ein Ermittler, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte auf Nachfrage des Zeitungsverlags Waiblingen: "Seien Sie vorsichtig mit voreiligen Schlüssen. Es gab in den chinesischen Gemeinden Europas in den vergangenen Jahren meines Wissens keine bemerkenswerte Anzahl von ähnlichen Morden in Deutschland oder den Nachbarländern. Ich kann mich zwar an vereinzelte Morde in chinesischen Restaurant-Umfeldern erinnern, beispielsweise in den Niederlanden, das war aber vor vielen, vielen Jahren, wo schlichtweg Rache die Motivation gewesen ist."

Ende Juni haben Angehörige der Toten zusammen mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. Eine heiße Spur gebe es nach wie vor nicht, hieß es seinerzeit. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf. Eine Ermittlungsgruppe übernahm den Fall.

Wie es nun zur Festnahme der beiden Tatverdächtigen gekommen ist und welche Erkenntnisse die Polizei über die beiden hat, wird um 16 Uhr bekannt gegeben.