Blaulicht

Unseriöse Rohrreiniger zocken ab

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Abschluss © ZVW

Schorndorf. Überall gibt’s schwarze Schafe – aber unter Rohrreinigern scheinen besonders üble Gesellen am Werk zu sein. Eine 49-jährige Frau aus Schorndorf hat dieser Spezies an Ort und Stelle 3800 Euro zukommen lassen – obwohl die Herren die Verstopfung in ihrer Badewanne nicht einmal beseitigt hatten. Sowohl Polizei wie auch Verbraucherzentrale warnen eindringlich vor Betrügern in dieser Branche.

Die Empfehlung vorneweg: Bei einer Verstopfung in der Hauskanalisation lieber ortsansässige Betriebe beauftragen und den Sachverstand der Innung nutzen, als irgendeine Nummer aus dem Internet anrufen.

Die 49-jährige Frau aus Schorndorf ist am Donnerstagnachmittag offensichtlich einem unseriösen Anbieter aufgesessen. Ihre Badewanne war verstopft, weshalb sie einen Rohrreinigungs-Dienstleister um Hilfe bat. Bereits 45 Minuten später rückten zwei Männer an, berichtet die Polizei. Die angeblichen Handwerker mussten schlussendlich vor der Verstopfung kapitulieren – sie konnten das Problem nicht beheben. Noch an Ort und Stelle präsentierten sie der Badewannenbesitzerin eine Rechnung, in der wohl ein Komma fehlte: 3800 Euro. Die Kundin war dermaßen überrumpelt, dass sie ihre Bankkarte zückte und die Rechnung sofort beglich.

Rechnung war mehr als zehnfach überteuert

Ein großer Fehler. Die Polizei ermittelt jetzt. Ob die Frau ihr Geld zurückbekommt – man wird sehen.

250 bis 300 Euro wären angemessen für solch einen Fall, je nach Aufwand, sagt Markus Rommel. Der stellvertretende Obermeister der Innung für Sanitär, Heizung, Klima und Klempnerei Rems-Murr rät dringend, im Fall der Fälle einen ortsansässigen Innungsbetrieb zu beauftragen; „da passiert das nicht“. Einen solchen Betrieb finden Kunden auf der Internetseite der Innung, www.innung-shkremsmurr.de. Die meisten Betriebe bieten laut Rommel einen Notruf an, so dass auch außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende jemand zu Hilfe kommt. Momentan flitzt Rommel von A nach B, wie er erzählt, weil viele Leute jetzt so langsam die Heizung einschalten – und dann streikt die Pumpe oder sonst was funktioniert nicht.

Auf den Handwerkernotdienst verweist auch Innungs-Ehrenobermeister Hans-Joachim Röger. Zwar kosten die Dienste eines Fachmanns etwas mehr, wenn jener in der Nacht ausrücken muss. Aber solche Mondpreise wie jetzt im Schorndorfer Fall wird ein seriöser Handwerksbetrieb nicht in Rechnung stellen. Rögers Fazit betreffend Anbietersuche im Internet: „Da wäre ich sehr vorsichtig.“

Klausel gerichtlich für unwirksam erklärt

Laut Verbraucherzentrale berechnen halbseidene Rohrreinigungsunternehmen immer wieder Beträge, mit denen sie „vor Gericht jedenfalls nicht durchkommen würden“. Rechtlich nicht haltbar sei es, Geld zu fordern, wenn die Störung gar nicht behoben ist. Eine solche Klausel sei bereits gerichtlich für unwirksam erklärt worden.

Beliebt ist laut Verbraucherzentrale auch ein anderer Trick: Ein Rohrreiniger rechnet nach bearbeiteten Metern ab und stellt gleichzeitig die Arbeitszeit in Rechnung. „Durch diese Doppelberechnung wird die übliche oder angemessene Vergütung oft weit überschritten“, warnt die Verbraucherzentrale. Unseriös ist es auch, wenn eine Firma grundsätzlich den Einsatz von High-Tech-Geräten abrechnet, auch wenn das Rohr mit ganz einfachen Mitteln gereinigt hätte werden können.