VfB Stuttgart

Daten-Affäre beim VfB: Der Auftakt der Aufklärungsarbeit verläuft holprig

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Hat die Aufklärung der Daten-Affäre zur Chefsache erklärt: Der amtierende VfB-Präsident Claus Vogt. © Benjamin Büttner

Präsident Claus Vogt treibt die Aufarbeitung der Daten-Affäre beim VfB Stuttgart Schritt für Schritt voran. Doch der Auftakt der Aufklärungsarbeit verläuft holprig. Kritik gibt es sowohl an der Besetzung des von Vogt initiierten Lenkungsausschusses als auch an einer Berliner Kanzlei, die wohl künftig die Untersuchungen vorantreiben soll.

In der Affäre um die mutmaßliche Weitergabe von Mitgliederdaten hat der VfB nach übereinstimmenden Medienberichten das Berliner Unternehmen Esecon mit der Aufklärung beauftragt.

Auf Nachfrage unserer Redaktion wollte sich die „Esecon Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH“ nicht zu einer Zusammenarbeit mit dem Club äußern: „Bitte haben Sie Verständnis, dass Esecon sich grundsätzlich weder zu Mandanten noch zu Mandaten öffentlich äußert.“ Auch der Verein kommentierte die Berichte nicht.

Esecon-Ermittlungen für den DFB

Offiziell bestätigt ist die Kooperation also noch nicht – und dennoch gibt es bereits kritische Stimmen. Das Beratungsunternehmen mit Sitz in Berlin hat bereits den Deutschen-Fußballverband (DFB) bei den Untersuchungen rund um die Geschäftsbeziehung zum Sportvermarkter Infront unterstützt und dabei laut der Süddeutschen Zeitung nicht immer ein gutes Bild abgegeben. Was war geschehen?

Erst kürzlich hatten der Verband und Infront ihre Zusammenarbeit nach fast 40 Jahren beendet. Ursache waren die Ergebnisse einer Untersuchung von Esecon. Demnach soll die Vermarktungsagentur Infront 2013 bei der Vertragsverlängerung den Zuschlag für das Geschäft erhalten haben, obwohl ein Konkurrent bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe. Infront hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und die Kündigung durch den DFB nicht anerkannt - danach kam es zu der Trennung, die „einvernehmlich“ genannt wurde.

Kritik am Untersuchungsbericht

Die SZ kritisierte daraufhin das Vorgehen der Esecon-Ermittler. So soll der Untersuchungsbericht auf „teils brüchigem Fundament“ gestanden haben und beispielsweise bei den Befragungen von DFB-Mitarbeitern weder Mitschnitte noch Gesprächsprotokolle angefertigt worden sein.

Auf Nachfrage der Bild-Zeitung verteidigte sich die Rechtsanwaltskanzlei: „Unsere Vorgehensweise und Methodik entsprechen allen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben, um die Verwertbarkeit unserer Untersuchungsergebnisse zu gewährleisten.“ Die zu der Qualität ihrer Arbeit erhobenen Vorwürfe seien „unzutreffend“. 

Transparente und unabhängige Aufklärung ist das Ziel

Der Auftakt der Aufklärungsarbeit verläuft in jedem Fall alles andere als geräuschlos. Bereits die Ankündigung des Vereinsbeirats, Rainer Weninger und Claudia Maintok in den von Präsident Claus Vogt initiierten Lenkungsausschuss zu entsenden, wurde von Teilen der weiß-roten Anhänger kritisch beäugt. Laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung soll sich der Fanausschuss sogar gegen das Duo ausgesprochen haben.

Maintok und Weninger waren im Dezember 2017 – also während der Amtszeit von Präsident Wolfgang Dietrich - in den Vereinsbeirat gewählt worden. Vor allem die Entstendung von Claudia Maintok ins Team der Aufklärer wurde teilweise heftig kritisiert, da sich die stellvertretende Vorsitzende des Vereinsbeirats auf der Mitgliederversammlung im Sommer 2019 noch klar für eine Fortführung der Amtszeit von Wolfgang Dietrich ausgesprochen hatte.

Wer letztlich alles im Lenkungsausschuss sitzen wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Fest steht bislang nur, dass für den Verein Vertreter des Präsidiums und des Vereinsbeirats sowie für die AG des Vorstands und Aufsichtsrates mitarbeiten sollen.

Weiter wird die Gruppe nicht aktiv ermitteln, sondern lediglich über den Ermittlungsstand in die jeweiligen Gremien berichten.

Die Daten-Affäre

  • Einem Bericht des Kicker zufolge soll der VfB im Frühjahr 2016 eine Kooperation mit der PR-Agentur von Andreas Schlittenhardt geschlossen und darüber hinaus großes Potenzial in dessen Facebook-Seite „Fokus VfB“ erkannt haben.
  • Per Mail sollen Telefonnummern, Mailadressen und Infos zur Teilnahme an vergangenen Versammlungen von Mitgliedern weitergeschickt worden sein. Ziel soll unter anderem gewesen sein, die - bei der Mitgliederversammlung 2017 dann tatsächlich mit klarer Mehrheit beschlossene - Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben.
  • „Dieser mutmaßliche Datenschutzverstoß in den Jahren 2016 bis 2018 mit Mitgliederdaten, wenn er denn so stattgefunden hat, wäre für mich ein nicht zu akzeptierender Tabubruch“, hatte VfB-Präsident Claus Vogt vergangene Woche in einer Stellungnahme des Clubs gesagt.