VfB Stuttgart

Der Aufsteiger stellt dem VfB ein Bein

Manuel Schäffler trifft gegen den VfB_0
Ungläubige Blicke: Manuel Schäffler erzielt das 2:1 für den SV Wehen Wiesbaden. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart. „Uns kann keiner ein Bein stellen“, hatte Trainer Tim Walter am Mittwoch noch selbstbewusst gesagt. Zwei Tage später sollte er eines Besseren belehrt werden. Ausgerechnet der Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden fügte dem großen Titelfavoriten am Freitagabend beim 1:2 (1:2) die erste Saisonniederlage zu. Zum Auftakt des 9. Spieltages zeigten die Schwaben ihren bislang schwächsten Auftritt, hatten in der Schlussphase aber auch großes Pech. Insgesamt viermal traf die Stuttgarter Offensive nur das Aluminum. 

Im Vergleich zum Last-Minute-Sieg in Bielefeld hatte VfB-Trainer Tim Walter seine Startformation auf drei Positionen verändert: Für den kurzfristig erkrankten Holger Badstuber (Magen-Darm-Probleme) verteidigte die Liverpool-Leihgabe Nathaniel Phillips an der Seite von Kapitän Marc Oliver Kempf. Auf der linken Abwehrseite erhielt Borna Sosa den Vorzug vor Emiliano Insua. Zudem durfte Stürmer Mario Gomez zum ersten Mal seit Mitte August von Beginn an ran. 

Vogelwilde Anfangsphase in der Stuttgarter Arena

Zwei Abwehrreihen im phasenweise kompletten Blindflug gab es in den ersten 45 Minuten zu bestaunen. Das Schlusslicht aus Wiesbaden erwischte einen Traumstart und ging durch Toptorjäger Manuel Schäffler früh in Führung (3.). Die Antwort der Schwaben folgte in der 10. Minute. Hamadi Al Ghaddioui jagte den Ball aus acht Metern humorlos in die Maschen, nachdem Mario Gomez zuvor ein gewaltiges Luftloch geschlagen hatte. 

Wer jetzt dachte, dass der Spitzenreiter nach der komplett verpennten Anfangsphase im Spiel war, wurde eines Besseren belehrt. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Linksverteidiger Borna Sosa markierte Schäffler den erneuten Wiesbadener Führungstreffer (18.). Unglücklich: VfB-Keeper Kobel bekam den Ball aus spitzem Winkel durch die Hosenträger.

Gellendes Pfeifkonzert zur Halbzeitpause

Mit der Führung im Rücken mauerten sich die in textmarker Gelb gekleideten Hessen nun tief in der eigenen Hälfte ein. Die Ballbesitzzahlen der Schwaben wuchsen in der Folge von Minute zu Minute. Einen nennenswerte Torchance erspielten sich die Hausherren, deren Spielmacher Daniel Didivi bereits nach acht Minuten wegen muskulärer Probleme vom Feld musste, allerdings nicht. Zu behäbig und fehlerhaft präsentierte sich die Walter-Elf im Vorwärtsgang. Stattdessen sorgte die nur rudimentär vorhandene Konterabsicherung immer wieder für Schnappatmung beim schwäbischen Fußball-Publikum, das sein Team erstmals in dieser Saison mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Halbzeitpause schickte.

VfB im Pech: Förster und Gomez treffen nur den Pfosten

Aus der Pause kam der VfB dann schwungvoll und mit deutlich mehr Zug zum Tor. Die erste Chance der zweiten Hälfte landete krachend am Außenpfosten. Mittelfeldspieler Philipp Förster hatte nach einem feinen Pass von Karazor aus spitzem Winkel abgezogen (49.). Und die nächste dicke Gelegenheit ließ nicht lange auf sich warten: Mario Gomez köpfte den Ball nach einer Sosa-Flanke an den Innenpfosten (54.). Der junge Kroate blieb nur wenige Minute später nach einem Zusammenstoß mit dem eingewechselten Chato reglos auf dem Boden liegen und musste anschließend mit der Trage vom Platz getragen werden (59.). 

Brutales Foul gegen Stenzel: Kyereh fliegt vom Platz

Die Hintermannschaft der Schwaben leistete sich aber auch im zweiten Durchgang immer wieder Unachtsamkeiten und so hätte der flinke Maximilian Dittgen die Partie nach einem Konter zu Gunsten des SVWW entscheiden können. Sein Abschluss rauschte aber knapp am langen Pfosten vorbei (72.). Die Mannschaft von Rüdiger Rehm verteidigte leidenschaftlich und warf sich in jeden Zweikampf. Zu viel Engagement zeigte in der 77. Minute der eingewechselte Daniel Kofi Kyereh, der Pascal Stenzel an der Mittellinie brutal umsenste und folgerichtig mit glatt Rot vom Platz flog.

Stuttgarter Sturmlauf in der Schlussphase

Mit einem Mann mehr fand die VfB-Offensiv jetzt immer wieder Lücken im Wiesbadener Bollwerk. Nach einem schönen Angriff blockte Hamadi Al Ghaddioui den gefährlichen Abschluss des eingewechselten Roberto Massimo (82.). Altmeister Mario Gomez vergab freistehend gegen Wiesbadens Keeper Heinz Lindner (85.).

Kurz vor dem Abpfiff gab es noch eine letzte kuriose Szene: Zunächst zirkelte Mangala den Ball an den Pfosten, dann klärte nacheinander je ein Wiesbadener die Kopfbälle von Wamangituka und Al Ghaddioui auf der Linie. Es sollte an diesem Abend einfach nicht sein aus Sicht des VfB Stuttgart. Der Stuttgarter Sturmlauf wurde letztlich nicht belohnt.

Nach der Länderspielpause kommt es für Tim Walter zum Wiedersehen mit seinem Ex-Club Holstein Kiel. Das Duell mit den „Störchen“ steigt am Sonntag, den 20. Oktober, um 13.30 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena. Für den SV Wehen Wiesbaden hält der Spielplan am 10. Spieltag ein Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim parat. Gespielt wird am Samstag, den 19. Oktober, um 13 Uhr in der Brita-Arena.


VfB Stuttgart - SV Wehen Wiesbaden 1:2 (1:2)

Stuttgart: Kobel - Stenzel, Kempf, Phillips (71. Massimo), Sosa (59. Wamangituka) - Karazor - Förster, Ascacibar - Didavi (11. Mangala) - Al Ghaddioui, Gomez

Wiesbaden: Lindner - Kuhn, Mockenhaupt, Dams, Medic, Niemeyer - Lorch (46. Chato), Titsch Rivero, Aigner (69. Kyereh), Dittgen (83. Schwede) - Schäffler

Tore: 0:1 Schäffler (3.), 1:1 Al Ghaddioui (11.), 1:2 Schäffler (18.)

Schiedsrichter: Johann Pfeifer (Hameln)

Zuschauer: 49.627

Gelbe Karten: Förster (44.) / Aigner (19.), Lorch (36.), Titsch-Rivero (90.+2)

Rote Karte: Kyereh (77.)