VfB Stuttgart

Diskussion um unpräzisen Satzungs-Text: Darf Thomas Hitzlsperger für das VfB-Präsidentenamt kandidieren?

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VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. © ZVW/Benjamin Büttner

Im Machtkampf beim VfB Stuttgart geht es auch um Detailfragen, die allerdings eine große Bedeutung für den weiteren Verlauf des Konflikts zwischen AG-Chef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt haben könnten.

So zum Beispiel um einen Paragrafen in der Vereinssatzung, in dem es um die Anforderungen für die Bewerbung auf das Präsidentenamt geht. Der Passus sorgt für Diskussionen, da seine unklare Formulierung Raum für Interpretationen lässt. Im Kern geht es um die Frage, ob eine Kandidatur von Hitzlsperger satzungskonform wäre.

Warum die Satzung 2017 geändert wurde

Im Zuge der Ausgliederung der Profisparte in eine AG wurde im Juni 2017 auch die Satzung des VfB abgeändert.

In der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden die geplanten - und letztlich mit großen Mehrheit beschlossenen - Satzungsänderungen im Detail erläutert.

Mit Bezug auf den für die Präsidentschaftsbewerber wichtigen Paragrafen hieß es dort, man wolle durch die Anpassung die „ausdrückliche Zulassung ehemaliger Leistungssportler für das Präsidentenamt“ ermöglichen. Also wurde der bestehende Passus um die Formulierung „und/oder im aktiven Leistungssport“ ergänzt.

Im aktuellen Satzungs-Text (§16; Abs. 3 cc) findet sich folglich seit 2017 folgende Passage:

Der Vorschlag muss qualifizierte Bewerbungsunterlagen des Kandidaten, insbesondere Nachweise darüber enthalten, dass der vorgeschlagene Kandidat über eine mindestens zehnjährige Erfahrung in wirtschaftlichen Angelegenheiten in einer hohen Managementposition oder in einer vergleichbaren Führungsposition und/oder im aktiven Leistungssport verfügt.

Warum es Spielraum für Interpretationen gibt

Reicht es also aus, zehn Jahre als Profifußballer aktiv gewesen zu sein? Oder bezieht sich auch der zugefügte Halbsatz auf die „Erfahrung in wirtschaftlichen Angelegenheiten in einer hohen Managementposition“?

Die unpräzise Formulierung im Satzungs-Text lässt in diesem Fall Spielraum für Interpretationen und sorgt so für Diskussionen. Eine Hintertüre öffnet sich durch die „und/oder“-Konstruktion zum Satzende, wonach die „wirtschaftlichen“ Anforderungen im ersten Teil des Satzes auch von den „sportlichen“ losgelöst werden können. Für Irritationen sorgt die Stelle allemal.  

Im aktuellen Machtkampf birgt die Passage eine spannende Detailfrage, da der Ex-Profi Thomas Hitzlsperger zwar über eine zwölfjährige Laufbahn als Profifußballer verfügt, eine zehnjährige Erfahrung in einer hohen Management- oder vergleichbaren Führungsposition allerdings nicht vorweisen kann. Erst im Oktober 2019 wurde der ehemalige Nationalspieler zum CEO berufen, davor war er Präsidiumsmitglied, NLZ-Chef und TV-Experte. Seine aktive Karriere hatte er 2013 beendet. 

Da Hitzlsperger aber auf der außerordentlichen MV 2017 auf Grundlage der geänderten Passage kommissarisch ins Präsidum aufgenommen (und anschießend im Dezember auf der offiziellen Mitgliederversammlung gewählt wurde), dürfte der Passus auch dieses Mal kein Hindernis darstellen.

Wer die Entscheidung trifft

Die Entscheidung, welche Bewerber schlussendlich für die Wahl auf der Mitgliederversammlung am 18. März zugelassen werden, trifft der achtköpfige Vereinsbeirat unter dem Vorsitzenden Wolf-Dietrich Erhard. 

Ab der kommender Woche will der Beirat Gespräche mit den insgesamt vier Bewerbern führen. Neben Vogt und Hitzlsperger haben sich auch noch der Remstäler Unternehmer Volker Zeh und die Sindelfingerin Friedhild Miller beworben.

Laut Satzung hat der Vereinsbeirat zudem die Möglichkeit, lediglich einen Kandidaten auszuwählen – oder sogar keinen. Der Beirat kann auch andere potenzielle Kandidaten ansprechen, sofern sie diese für geeignet halten. In jedem Fall soll bis Ende des Monats, spätestens bis Anfang Februar, eine Entscheidung fallen.