11. Winterbacher Zeltspektakel Groovige Blasmusik mit LaBrassBanda

Alpen-Punk auf den Punkt gespielt: LaBrassBanda. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Winterbach. Wer immer noch glaubt, Deutsche wären auf Konzerten zu verkrampft, um ordentlich zu tanzen und mitzusingen, der war mit Sicherheit noch nie beim Winterbacher Zeltspektakel. Vielleicht zieht auch dieser Akt ein besonders gut gelauntes und mitmachbegeistertes Publikum an: LaBrassBanda. Die einzigartig groovige Blasmusik lässt das Zelt fast überkochen.

Vorbands rufen bei Musikliebhabern oft gemischte Gefühle hervor: Zwar findet man ganz nett, was die Musiker da oben machen, trotzdem interessiert man sich ja vor allem dafür, was danach kommt. Nicht so bei diesem Konzert: Die Pop-Ska-Band Caravãna Sun aus Sydney bringt die australische Sonne mit nach Winterbach, die vier Surfer-Boys sind solche Stimmungskanonen, dass sie das Publikum im Nu mit ihren eingängigen, fetzigen und harmonisch schönen Stücken für sich gewonnen haben. Die Musiker von LaBrassBanda haben sie 2017 bei deren denkwürdiger Welttournee kennengelernt. „Wir haben ihnen beigebracht, wie man surft und zum Glück ist keiner von ihnen ertrunken“, erinnert sich der Sänger lachend.

Als die Vorband zum Ende kommt, ist das Publikum bereits in Stadion-Stimmung: Selbst als sich abzeichnet, dass es keine Zugabe mehr geben wird, da „Caravãna Sun“ bereits ihr Equipment von der Bühne räumt, erklingt die Melodie ihres Songs „Gaia“ noch minutenlang aus Tausenden von Kehlen.

Barfuß und in Lederhosen stürmen jetzt die LaBrassBandas die Bühne. Neue Volksmusik, Gypsy Brass, Alpen-Jazz oder Baverian Horn Punk – der einzigartige Musikstil der Band lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Und das ist auch gut so, immerhin zeichnet das ihre Musik als absolut eigenständig aus. Als pure Energie werden ihre Konzerte beschrieben und um diesem Vorsatz alle Ehre zu machen, legt LaBrassBanda auch sofort richtig los.

Das fünfköpfige Bläserensemble wird nur unterstützt durch einen Schlagzeuger und bei manchen Stücken durch den E-Bass, oft sorgt die Tuba jedoch ganz allein für genug tiefe Töne. Wenn er nicht singt, greift auch Sänger Stefan Dettl zur Trompete, dann produzieren die kleine Rhythmusgruppe, drei Trompeten, Posaune und Tuba einen derartig kompakten und rhythmisch perfekt synchronen Sound, dass jede Harmonie wie aus einem Instrument geschossen klingt und die Musik dabei so groovt, dass schon beim ersten Titel das Publikum zu hüpfen anfängt. Auf dass der Bretterboden des Zelts bebt.

Alle Stücke wollen gespielt sein

„Danke, dass wir seit zwölf Jahren für euch Musik machen dürfen“, begrüßt Dettl die versammelten Fans. Dann wünscht er sich einen Applaus „so wie in Südafrika: fantastisch, super intensiv und dann wieder sofort vorbei“. Denn die Band hat jede Menge Stücke mitgebracht, die alle gespielt werden wollen.

Wer bei den englischen, vom australischen Dialekt gefärbten Texten der Vorband Verständnisprobleme hatte, für den wird’s mit LaBrassBanda nicht unbedingt einfacher: Dettl singt nicht nur in einem breiten bayerischen Dialekt mit Wörtern darin, die man hierzulande gar nicht versteht, sein gut geöltes Mundwerk spuckt dabei die Silben in einem so atemberaubenden Tempo aus, dass man, auch wenn man die Lieder gut kennt, schnell nicht mehr mitkommt. Dazu kommt, dass LaBrassBanda live ihre Songs noch mal ein ganzes Stück schneller spielen als in den Album-Versionen.

Der Fleißigste ist der Dünnste

Es begeistert, wie toll die studierten Musiker ihre Instrumente beherrschen. Die beiden Trompeter Jörg Hartl und Korbinian Weber spielen bei ihren Soli bis in die höchsten Lagen hinauf, sauber bis auf die kleinste Phrasierung. Posaunist Manuel Windbeck stellt sein Können bei einem ruhigen Solostück unter Beweis, Manuel da Coll ist ein Tier am Schlagzeug, und einen souveräneren Bassisten als Fabian Jungreithmayr könnte die Gruppe kaum haben. Den nach Angaben Dettls schwierigsten Job hat dabei Tubist Stefan Huber: „Der hat am meisten Arbeit, deshalb ist er am dünnsten“.

Die acht Musiker stellen sich als Band ganz klar dem modernen Zwang zum Sixpack entgegen – es sei denn, man kann ihn trinken. Die bayerischen Jungs haben alle einen größeren oder kleineren „Weißbierspoiler“ um die Hüfte, zu dem sie auch stehen. Bei einer Tanzübung, bei der jeder Zuschauer seinen „wunderschönen Körper“ wahrnehmen soll, setzt LaBrassBanda gleich auch ein Statement zur Körper-Positivität. Auch sonst haben sie klare Ansichten. Mit dem Titel „Bauersbua“ solidarisiert sich die Band mit den klassischen Kleinbauern, die Massentierhaltung ablehnen und deshalb ums Überleben kämpfen müssen. „Wir sind bestimmt keine Veganer“, so Dettl, „aber ein gutes Schnitzel muss was kosten“.

Zu manch einem Lied hat der Frontman noch eine lustige Geschichte parat. So auch zur bayerischen Version von „Ujemama“: „Wenn du nachts im Wald bist und du hast so richtig Angst, dann rufst du ganz laut ‚Uh je, Mama’, und dann kommt der Waldgeist und bringt dich heim – oder ins nächste Wirtshaus.“

Wie die Band es schafft, die energiegeladene Show volle zwei Stunden aufrechtzuerhalten, ohne dass dabei der Ansatz der Bläser auch nur ein bisschen zu leiden scheint, lässt einen wirklich staunen. Einen Song nach dem anderen spielt die Band, dabei natürlich auch ihre Hits wie „Nackert“ und „Autobahn“, bei denen das Publikum vor Begeisterung fast an die Decke geht.

„Autobahn“ hat es einmal auf den ersten Platz der russischen Balkancharts geschafft, mit „Nackert“ war LaBrassBanda“ 2013 im Vorentscheid des Euro-Vision-Songcontestes mit dabei – Platz zwei.

Am Ende des Konzerts heizt die Band die Stimmung mit dem lateinamerikanisch inspirierten Song „Alarm“ noch einmal so richtig an, auch jetzt hat das Publikum noch lange nicht genug und fordert eine Zugabe nach der anderen ein. Mit Songs wie „Ringlbleame“ schickt LaBrassbanda die Leute dann endlich nach Hause.

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