Äthiopien-Cup 700 Fußballer aus ganz Europa in Waiblingen

Vorarbeiten für den Kicker-Wettbewerb, der am Mittwoch beginnt. Foto: Büttner/ZVW

Waiblingen. Großereignis auf den Sportplätzen des VfL und des FSV Waiblingen: 37 Fußball-Teams aus ganz Europa kicken mit beim großen Turnier äthiopischer Sport- und Kulturvereine, das am Mittwoch beginnt. Die Veranstalter erwarten täglich bis zu 3000 Zuschauer am Oberen Ring.

Sie kommen aus Trondheim, London, Rom, Marseille, Amsterdam, Malta, Zürich, Berlin und Frankfurt: Rund 700 Fußballspieler mit äthiopischen Wurzeln treten diese Woche an zum Turnier der Ethiopian Sports and Culture Federation, des Äthiopischen Sport- und Kulturverbands. Der sportliche Teil dieses Spektakels der Auslands-Äthiopier findet in Waiblingen statt - der musikalische, mit den größten Popstars aus dem ostafrikanischen Land, in Ludwigsburg.

Beim Abschlussfest in der MHP-Arena tritt Teddy Afro auf, der in seiner Heimat populär ist wie in Deutschland Herbert Grönemeyer. Auch äthiopische Sportprominenz gibt sich ein Stelldichein: Aus der Hauptstadt Addis Abeba kommt Misgina Mebratu, Sport-Anchorman des Fernsehsenders EBS-TV, und bringt den ehemaligen Nationaltorwart und -trainer Wendemagche Kebede mit, der bei der Siegerehrung die Pokale überreichen wird.

Festzelt mit DJ-Musik und Stände mit äthiopischem Schmuck

Wie kommt der Cup der europäischen Auslands-Äthiopier ausgerechnet nach Waiblingen? Dahinter steht der Verein „Blauer Nil“ Ethio Stuttgart. Als Cheforganisator fungiert der 38-jährige Vorsitzende Simon Haileselassie, der seit seinem 14. Lebensjahr in Deutschland wohnt und neben seinem Beruf als Webdesigner einer großen Leidenschaft nachgeht: Fußball.

Alle paar Minuten bimmelt am Dienstagvormittag sein Handy: Hier kommt ein Lastwagen mit Bierbänken, da hievt ein Autokran einen weiteren Kühlcontainer an den Spielfeldrand, ein Transporter schafft Türme von Sprudelkisten herbei. Eine kleine Zeltstadt wurde bereits am Montag aufgebaut. Ein Festzelt für Verpflegung und DJ-Musik, eine kleine Bummelmeile für Stände mit äthiopischem Schmuck und Accessoires. Mehr als 10 000 Zuschauer werden an den vier Tagen insgesamt erwartet. Gekickt wird auf fünf Plätzen. Das Finale wird am Samstag im VfL-Stadion gespielt. In Stuttgart war kein vergleichbares Sportareal verfügbar – in Waiblingen schließlich wurden die Veranstalter fündig.

Aufbruchstimmung in Äthiopien

Zum 16. Mal wird der ESCF-Cup ausgetragen, jedes Jahr in einem anderen Teilnehmerland – 2017 etwa in Zürich. 2018 steht das Turnier unter einem besonderen Zeichen, denn Äthiopien befindet sich in einem Wandel, der vielen Landsleuten von Simon Haileselassie Hoffnung macht. Seit seinem Amtsantritt im April hat der neue Ministerpräsident Abiy Ahmed wirtschaftliche Reformen auf den Weg gebracht, die Aussöhnung mit dem verfeindeten Nachbarstaat Eritrea eingeleitet und inhaftierte Regierungskritiker begnadigt.

„Wir wollen nach jahrzehntelangem Krieg mit Eritrea zur Versöhnung beitragen“, sagt Simon Haileselassie. Am Donnerstag kommt der eritreische Singer-Songwriter Ftsum Beraki in die MHP-Arena und steht mit äthiopischen Stars gemeinsam auf der Bühne. „Das wird nicht allen gefallen“, meint der Organisator, „die Mehrheit findet das aber gut so.“

Parkplatz-Mangel?

Weitere Intention des Turniers: Die Gemeinschaft der Äthiopier in Europa soll zusammenwachsen, denn zu den Teilnehmern gehören neu Eingewanderte ebenso wie solche, die schon in der zweiten Generation hier leben. Den Neuankömmlingen wollen die schon Angekommenen helfen, damit sie schneller Fuß fassen können.

Die Stadt Waiblingen unterstützt das Ereignis. „Wir haben gerne die Infrastruktur zur Verfügung gestellt, das passt zu unserem Selbstverständnis als Ermöglicher“, sagt Thomas Vuk, Fachbereichsleiter für Kultur und Sport. Im Vorfeld hatte es mehrere Besprechungen zur Planung mit den Veranstaltern und den involvierten Waiblinger Sportvereinen gegeben. Besonders in Richtung Wochenende wird auf dem Gelände am Oberen Ring gut was los sein, glaubt Simon Haileselassie. Was zu Parkplatz-Mangel führen könnte. Denn die Parkplätze bei der Rundsporthalle sind beim bombigen Freibadwetter dieser Tage schon recht ausgelastet.


Äthiopien

In Äthiopien leben etwa 80 ethnische Gruppen, ein übergreifendes nationales Selbstverständnis besteht nur in Ansätzen. Zwischen Eritrea und Äthiopien herrscht seit Mitte der 1990er Jahre ein Konflikt um den exakten Grenzverlauf.

Die seit 1991 regierende Koalition der Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front übt fast diktatorische Macht aus. Die dominierenden Tigriner sind überwiegend äthiopisch-orthodoxe Christen (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung).

Nach der Wahl des neuen Premierministers hat sich die Sicherheitslage beruhigt. Die Regierung kündigt ein Mehrparteiensystem an.

Der Äthiopische Kultur- und Sportverband wirbt für ein Verständnis als „eine äthiopische Familie“ und tritt offiziell gegen Vorurteile bezüglich Geschlecht, Religion, Ethnizität oder politischer Meinung ein.

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