Alfdorf Weihnachten mit sechs Kindern

Alle acht in ihrem alten, renovierten Bauernhaus in der Meuschenmühle am Wohnzimmertisch (von links): Michael Jany, Merle, Hedi, Luisa, Saskia Scheib, Ole, Janne und Lasse. Foto: Büttner/ZVW

Alfdorf-Meuschenmühle. Bei Saskia Scheib und Michael Jany (39) ist Leben in der Bude. Vor einem Jahr an Heiligabend bekam das Ehepaar Drillinge, überraschend dabei war vor allem der Termin: drei Monate zu früh. Aber es ging alles gut. Hedi, Janne und Merle sind putzmunter und werden auch an diesem Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum zusammen mit ihren drei Geschwistern für Umtrieb sorgen.

Die Drillinge sind gerade von einem winterlichen Spaziergang mit der Familienhelferin heimgekommen und liegen jetzt auf der großen Krabbeldecke im Wohnzimmer. Auf dem Wohnzimmertisch werden die Lichter des Adventsgestecks angezündet. Michael Jany ist gerade von seiner Arbeit, der Firma Frech in Plüderhausen, heimgekommen. Zuerst muss er im neuen Kaminofen mit Speckstein Feuer machen. „Das dauert aber lang“, ruft eines der sechs Kinder. Doch schon bald ist es mollig warm, während draußen die ersten Schneeflocken fallen.

An Heiligabend gibt es für die Alfdorfer Großfamilie viel zu feiern. Vormittags der Geburtstag der Drillinge, abends Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum. Die Eltern kennen das schon, der vor zwei Jahren verstorbene Opa hatte ebenfalls an Heiligabend Geburtstag.

Auf dem Weg ins Krankenhaus war es plötzlich sehr eilig

Vor einem Jahr war vormittags noch alles in Ordnung. Saskia Scheib und Michael Jany hatten sich seelisch und moralisch darauf eingestellt, dass sich in ihrem renovierten alten Bauernhaus bei der Meuschenmühle die Zahl der Kinder auf einen Schlag verdoppeln wird. Saskia Scheib hatte noch morgens mit dem Anhänger den Hengst vom Tierarzt abgeholt. Denn die junge Mutter ist Pferdeliebhaberin und hat im benachbarten Stall gleich mehrere Vierbeiner stehen.

Doch im Lauf des Tages setzten Wehen ein, viel zu früh. Ein Anruf beim Krankenhaus in Mutlangen: Ja, man werde sich beraten und zurückrufen. Der Rückruf kam: Es wäre wohl besser, Sie kommen ins Krankenhaus. Ob ein Krankenwagen benötigt werde? Nein, wir fahren mit unserem Auto.

So früh vor dem Geburtstermin war das Köfferchen noch nicht gerichtet, Saskia Scheib musste zuerst ihre sieben Sachen richten und natürlich vorher noch duschen. „Ich glaub', wir müssen Gas geben“, sagte sie zu ihrem Mann, denn die Wehen wurden heftiger. Schnell ins Auto eingestiegen und da platzte auch schon die Fruchtblase. Jetzt eilte es wirklich.

Alles ist gut gegangen

Im Krankenhaus in Mutlangen wartete schon ein Team aus drei Oberärzten, drei Assistenzärzten und drei Kinderintensivschwestern. Die Fachleute sorgten dafür, dass die Entbindung durch den Kaiserschnitt problemlos verlief. Um 18.30 Uhr war die Mutter im Krankenhaus, um 19.21, 19.22 und 19.23 Uhr kamen die Kleinen auf die Welt. Die Kinder kamen auf die Frühgeborenenstation, die Mutter konnte schon nach vier Tagen die Klinik verlassen.

Ein Jahr ist seither vergangen, und die Familie ist glücklich, dass alles gut gegangen ist. Die eineiigen Zwillingstöchter sind eher die ruhigeren, der Zwillingsbruder eher umtriebig. „Er ist der Draufgänger.“

Schon der Beginn der Ehe war etwas Besonderes gewesen. Michael Jany hatte im Sommer 2013 aus rund 200 Holzscheiten Buchstaben geformt und an einem Wiesenhang den Heiratsantrag formuliert: „Willst du mich heiraten?“ stand auf dem Wiesenhang gegenüber dem Wohnhaus mit Stall zu lesen. Wer will da noch Nein sagen? Ein Jahr später wurde geheiratet und das Familienglück war perfekt.

Vor acht Jahren war das junge Paar aus Alfdorf ins Tal des Eisenbachs bei der Meuschenmühle gezogen. Weil Saskia Scheib als Hobby das Reiten und die Pferdehaltung liebt, kam das Häuschen mit landwirtschaftlichen Flächen in einer Größenordnung von zwei Hektar gerade recht. In der Zwischenzeit wurde eifrig renoviert und weitere Kinderzimmer wurden eingerichtet. Ziel ist, das gesamte Obergeschoss für die Kinder zu reservieren.

Vielfältige Reaktionen auf die Drillinge

Die Reaktionen auf die Ankunft der Drillinge waren vielfältig: Mutter Saskia ist mit den Großen, die sechs, fünf und drei Jahre alt sind, ins Kinderturnen des TSV Alfdorf gegangen. Auf Initiative der Turnabteilung haben die Verantwortlichen des TSV Alfdorf deshalb überlegt, wie man der Familie ein bisschen unter die Arme greifen könnte, zumal Kinder teuer sind und, da nur noch der Familienvater Geld verdient, auch jeder Cent wichtig ist.


Kerngesund

Die Wahrscheinlichkeit bei Drillingen, dass alle vollkommen gesund auf die Welt kommen, liegt laut Saskia Scheib bei 40 Prozent. Die Gefahr, dass eines der Kinder behindert ist oder eine Einschränkung hat, ist also vergleichsweise groß. Umso glücklicher sind Saskia Scheib und Michael Jany, dass ihre Drillinge kerngesund sind.

Eine Mehrlingsschwangerschaft stellt eine Risikoschwangerschaft für die Mutter und die Kinder dar. So weisen die Schwangeren selbst eine dreifach erhöhte Sterblichkeit auf.


Der Leiter der Turnabteilung, Herbert Mattheis, und Vorstand Klaus Hinderer hatten daher beschlossen, dass die Familie die nächsten Jahre eine kostenlose Mitgliedschaft beim TSV Alfdorf erhält und der Verein damit einen kleinen Beitrag leistet. Vielleicht werden die drei Kleinen einmal große Sportler beim TSV Alfdorf, so der Hintergedanke.

Bei der Bewältigung des Familienalltags hilft der Opa mit. Er fährt Lasse (5) und Ole (3) jeden Tag mit seinem VW-Bus zum Kindergarten nach Burgholz. Die sechsjährige Luisa wird aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des Waiblinger Landratsamtes vom Schulbus an der Meuschenmühle abgeholt und in die Grundschule nach Pfahlbronn gefahren.

Im VW-Bus ist noch ein Platz frei

Die Familie fährt einen uralten VW-Bus. Vom Opa geerbt. Er tut bis heute als Familienkutsche seine Dienste, ist 21 Jahre alt und hat rund 300 000 Kilometer auf dem Tacho. Wenn alle einsteigen, ist noch ein Platz frei. Saskia Scheib schließt deshalb für die Zukunft nicht aus, noch einmal schwanger zu werden. Doch die Gefahr ist groß, dass es bei einer erneuten Schwangerschaft wieder eine Mehrlingsgeburt wird. Rein statistisch betrachtet. Und dann reicht der Platz im VW-Bus nicht mehr aus.

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