Allmersbach im Tal Es naht Rettung für Tiere in Not

Haben schon ihre Hunde vor dem sicheren Tod gerettet: Sybille Impagliatelli mit Nana aus Allmersbach im Tal (links) und Petra Hiller-Goerzen mit Stan aus Althütte. Foto: A. Becher

Allmersbach im Tal. Tiere liebt sie schon immer über alles. Sybille Impagliatelli aus Allmersbach im Tal startet jetzt mit ihrer Initiative Tierrettung Rems-Murr und will dabei eng zusammenarbeiten mit Polizei und Feuerwehr, Veterinäramt und Tierheimen. Über einen Facebook-Aufruf hat sie bereits über 400 Mitstreiter gefunden.

Ob Hund oder Katze, Maus oder Vogel – Sybille Impagliatelli ist stets von Tieren umgeben gewesen. Ein Leben ohne Vier- oder zumindest Zweibeiner kann sich die 58-Jährige nicht vorstellen. Ihre Begleiterin Nana, eine etwa acht Jahre alte Mischlingshündin, stammt, so wie Sybille Impagliatellis Vater auch, aus Italien. Dort hatte eine Tierschutzorganisation die Hündin vor dem sicheren Tod gerettet und ins Tierheim nach Böblingen gebracht. Ein Glück für Nana. Denn dort wurde sie von der Tierliebhaberin entdeckt, die gerade auf der Suche nach einem kleinen Hund war. Klein musste er sein, denn einen großen hätte sie nicht mit zu ihrer Arbeitsstelle in Backnang, wo sie teilzeitbeschäftigt ist, mitnehmen dürfen. Seitdem sind Sybille Impagliatelli und Nana unzertrennlich.

„Die Lücke muss ich schließen“

Fernsehsendungen, in denen über Tierrettungsaktionen im In- und Ausland berichtet wurde, gingen der gebürtigen Schwäbisch Hallerin sehr nahe. Sie fragte sich, was denn mit einem Tier geschieht, das hier – sozusagen vor ihrer Haustür – in eine Notlage gerät. Im Internet wurde sie fündig. Sie fand beispielsweise die Tierrettungsorganisationen Unterland und Mittlerer Neckar, deren Einsatzgebiete auch in den Rems-Murr-Kreis hineinreichen. Aber direkt in Backnang und im Weissacher Tal und darüber hinaus war noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. „Die Lücke muss ich schließen“, sagte sie sich.

Sybille Impagliatelli trat in Kontakt mit dem Verein Tierrettung Unterland, der seinen Sitz in Neckarsulm hat, und bekam von dort wertvolle Tipps und Anregungen. Anfang Mai startete sie einen Aufruf über Facebook in einer Backnang-Gruppe und war überwältigt von der Resonanz: Innerhalb von nur zwei Tagen hatten sich 200 Leute gemeldet: „Das wurde zum Selbstläufer.“

Aus einer Tötungsstation gerettet

„Das war echt cool“, pflichtet ihr Petra Hiller-Goerzen bei, die sich auch mit voller Überzeugung meldete. Die 53-Jährige aus Althütte hatte allerdings den Facebook-Aufruf gar nicht selbst gelesen, sondern ihr Sohn Denis und dessen Ehefrau Sarah, die sich beide auch gemeldet hatten, machten sie darauf aufmerksam.

Die ganze Familie ist von Tieren begeistert und nimmt Vierbeiner aus Notlagen auf. Petra Hiller-Goerzen hat Stan in ihr Herz geschlossen, eine Husky-Mischung. Der Rüde ist im Jahr 2014 im Alter von vier Monaten von einer österreichischen Tierschutzorganisation aus einer Tötungsstation in Rumänien gerettet worden. „Die werden auf ganz üble Weise umgebracht. Manchen wird Frostschutzmittel gespritzt, andere werden vergast oder erschlagen“, so Petra Hiller-Goerzen.

Die Familie stärkt den Engagierten den Rücken

Ihr Sohn Denis und Ehefrau Sarah haben eine blinde Katze aus dem Tierheim Groß-erlach bei sich aufgenommen. Zu dritt aus der Familie wollen sie sich aktiv bei der Tierrettung Rems-Murr einbringen. Die 13-jährige Tochter Finja und der Ehemann von Petra Hiller-Goerzen stehen voll hinter diesem Engagement und stärken den dreien den Rücken.

Offizieller Start der Tierrettung Rems-Murr war Sonntag, 1. Juli. Von diesem Tag an wenden sich auch Polizei und Feuerwehr sowie das Veterinäramt an sie, wenn sich Tiere in Notlagen befinden, sagt Sybille Impagliatelli. Für die 58-Jährige ist die Zusammenarbeit mit diesen beiden Organisationen sehr wichtig. „Wie ich bei der Polizei war, haben die sich sehr gefreut, und die bei der Feuerwehr hätten mich fast umarmt.“ Kein Wunder, denn die freiwilligen Helfer wollen sich um verletzte oder entkräftete Tiere kümmern, sie bei Bedarf dem Tierarzt vorstellen und dann in Auffangstationen oder bei Haustieren dann ins Tierheim bringen. All das im Privat-Pkw und in der Freizeit.

Und welchen Tieren in Not wollen sich die Helfer annehmen?

„Alles, was Kleintier ist, egal welcher Gattung, also Hund, Katze, Maus – aber auch Vögel, Schlangen und Echsen“, sagt Sybille Impagliatelli. „Nur bei Pferden, Kühen und Schafen müssen wir passen, wegen der Größe. Und bei Wildtieren dürfen wir nur in Absprache mit dem Revierförster helfen.“ – „Wenn Spinnen gerettet werden müssen, schicken wir unsere Männer“, lacht Petra Hiller-Goerzen.

„Jede Tierart hat ihre Jahreszeit“, meint Sybille Impagliatelli. Im Frühjahr seien es viele Vögel, denen geholfen werden müsste. Im Sommer würden immer wieder Tiere ausgesetzt, oft Hunde und Katzen, die man vor dem Urlaub noch schnell entsorge. Im Herbst nehme die Zahl der Igel zu. Und im Winter gebe es viele entkräftete Raubvögel. „Und zwischendurch immer wieder herrenlose, entlaufene Hunde“, weiß die Allmersbacherin.

Bisher alles aus der eigenen Tasche bezahlt

Da das Einsatzgebiet des bereits seit drei Jahren existierenden Vereins Tierrettung Unterland die Gemeinden Aspach und Burgstetten sowie Kirchberg an der Murr und Sulzbach an der Murr umfasst, beginnt das Einsatzgebiet der Tierrettung Rems-Murr im Osten mit der Stadt Backnang, schließt Murrhardt und das Weissacher Tal mit ein, zieht sich im Norden bis Schwäbisch Hall, im Süden bis Schwäbisch Gmünd und dehnt sich weit nach Osten aus, bis Ellwangen und Aalen. „Aber zu unseren Unterland-Nachbarn haben wir ein gutes Verhältnis“, meint Sybille Impagliatelli. Da sei niemand böse, wenn jemand aus Burgstetten oder Aspach bei ihr anrufen würde.

Bisher hat die Allmersbacherin sämtliche Anschaffungen aus eigener Tasche bezahlt. Klar, dass Spenden willkommen sind. Was am dringendsten benötigt wird? Sie überlegt nicht lang: „Chipauslesegeräte“. Die würden bei einem Online-Versandhaus pro Stück 62 Euro kosten. Wird beispielsweise eine Katze oder ein Hund gefunden, lässt sich damit im Handumdrehen der Chip, so er vorhanden ist, auslesen. Anhand der Nummer lässt sich dann der Halter über eine Datenbank ermitteln.

Die ersten Einsätze waren erfolgreich

Ihre ersten beiden Einsätze hat Sybille Impagliatelli bereits hinter sich. Mit Erfolg. Vor einiger Zeit rief gegen 21.30 Uhr eine Frau aus Mittelbrüden an, eine Drossel sei wohl gegen ein Fenster geflogen. Der Vogel sei jedenfalls ziemlich benommen und sie habe Angst, dass ihre Katze das ausnutzen könne. Die Tierretterin setzte sich sofort ins Auto, nahm das Federvieh über Nacht zu sich. Die Drossel berappelte sich zum Glück. Am nächsten Tag fuhr die Allmersbacherin mit ihr wieder nach Mittelbrüden. Der Vogel machte dort den Flattermann.

Eine Woche später sichteten Spaziergänger beim Spielplatz im Backnanger Plattenwald ein winziges braunes Häschen. Mit viel Geduld und Zuspruch gelang es am nächsten Tag nach Stunden, den süßen Zwerg einzufangen und an Sybille Impagliatelli zu übergeben. Der namenlose Hase hat nun eine liebevolle Betreuerin in Backnang gefunden.


Hier geht es zur Website der Tierrettung Rems-Murr. Notfälle können telefonisch unter 01520/1476733 gemeldet werden.

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