Arbeiten in Winterbach abgebrochen Austausch der Rotorblätter am Goldboden vertagt

Besprechung des Montage-Teams am Dienstagmorgen. Viele Stunden später wurde entschieden: Abbruch und Fortsetzung am Mittwoch. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winterbach. Eigentlich hätte der Austausch der Rotorblätter am mittleren Windrad im Windpark Goldboden innerhalb eines Tages über die Bühne gehen sollen. Doch es kam am Dienstag anders. Wegen technischer Probleme im Maschinenhaus der Anlage kam der 180 Meter hohe Spezialkran gar nicht zum Einsatz, das kaputte Rotorblatt blieb oben, das neue am Boden.

In diesen Tagen richten sich mal wieder viele Blicke auf den Windpark Goldboden. Der Riesenkran neben dem mittleren der drei Windräder ist wie diese weithin sichtbar. 180 Meter hoch ist sein Ausleger und damit noch ein Stück höher als die Maschinenhäuser der Windräder mit rund 164 Metern. Einige Schaulustige kamen am Dienstag in den Wald oberhalb von Winterbach, um den Austausch der Rotorblätter aus nächster Nähe zu verfolgen. Auch ein Fernsehteam des ZDF war vor Ort, um eine Reportage für die Sendung „Drehscheibe“ zu produzieren. Zu sehen oder zu filmen gab es jedoch erst einmal nicht viel, ob aus der Ferne oder am Fuß der Windräder.

Kurz nach Mittag sah es so aus, als würde es losgehen: Zwei Mitarbeiter des Montage-Teams bestiegen den roten Metallkäfig, mit dem sie hoch zum Windradflügel gezogen werden sollten, um dort die Führungsseile zu befestigen. Doch sie stiegen wenig später wieder aus. „Wir haben Probleme mit dem Steuerungssystem“, so die Erklärung von Projektleiter Christian Berner dazu. Dadurch war es zunächst unmöglich, die Gondel der Windkraftanlage so zu drehen, dass die sogenannte Traverse richtig zugreifen konnte, die Halterung des Krans, in der das Rotorblatt befestigt und nach unten gelassen werden sollte.

Am Dienstagabend wurde die Aktion im Goldboden dann vorerst abgebrochen und vertagt. Am Mittwoch soll der Austausch dann glücken – wenn die Technik und das Wetter mitspielen.

Die Produktion der riesigen Rotorblätter ist Handarbeit

Der Aufwand für den Austausch der Rotorblätter ist immens. Die Teile für den Riesenkran benötigten eigene Schwertransporte, über Tage musste er auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Das neue Rotorblatt wurde zuvor aus Rostock hertransportiert, wo es bei der Firma Nordex gebaut wurde. Vier Transportnächte war es unterwegs, bis das 65 Meter lange und rund 16 Tonnen schwere Teil in Schorndorf ankam, um dann noch mit einem ferngesteuerten Spezialfahrzeug das letzte Stück Weg bis zum Goldboden zurückzulegen.

Etwa eine Woche dauert die Produktion so eines Windradflügels, wie Nordex-Projektleiter Christian Berner sagt. Er besteht aus einem Glasverbundwerkstoff mit Kohlefaserelementen. Das Material wird Schicht für Schicht aufgetragen. „Alles Handarbeit“, sagt Berner. Der Austausch kostet einen niedrigen sechsstelligen Betrag, rechnet Projektleiter Christian Berner. Die Kosten teilen EnBW und Nordex unter sich auf.

Der Einbau des neuen Rotorblatts ist Maßarbeit im großen Stil: 68 armdicke Stiftschrauben müssen in die dafür vorgesehenen Halterungen oben in der Nabe des Maschinenhauses gleiten und mit Muttern fixiert werden. Auch das ist, natürlich mit Hilfe der nötigen Maschinen, Handarbeit, die zwei Monteure hoch oben verrichten.

Windrad-Flügel bei Unfall auf Autobahn beschädigt

Der Schaden an dem Windrad-Flügel, der ausgetauscht wird, war beim Transport im Dezember 2017 entstanden. Ein Lastwagen hatte ihn auf der Autobahn bei einem Unfall beschädigt. Danach wurde das Rotorblatt geflickt und trotzdem montiert. Im Frühjahr 2019 wurden die Risse in der Haut nun erneut ausgebessert, damit sich das Windrad weiterdrehen konnte. Doch EnBW und Nordex entschieden: Wir tauschen das Teil aus. „Es geht darum, die Betriebssicherheit über 20 Jahre Laufzeit zu gewährleisten“, sagt Christian Berner. Der Unfallversucher zahle nun aber nicht mehr für den Austausch der Rotorblätter, die Versicherung betrachte den Schaden als abgegolten, weil er zunächst geflickt worden und das Windrad normal in Betrieb gegangen sei.

Der beschädigte Windradflügel wird, wenn er am Boden gelandet ist, an Ort und Stelle zerkleinert, voraussichtlich in der kommenden Woche. „Die Überreste finden dann in der Zementherstellung oder in Straßenasphalt eine Verwendung“, sagt Christian Berner. Früher seien die Rotorblätter „Sondermüll“ gewesen, inzwischen habe man einige Verwertungsmöglichkeiten gefunden und könne sie recyceln.


Der Windpark

Zum Jahreswechsel 2017/18 gingen die drei Windräder der EnBW auf dem Goldboden ans Netz.

Die Anlagen haben eine Nabenhöhe von 164 Metern und einen Rotordurchmesser von rund 130 Metern, messen also bis zur nach oben zeigenden Blattspitze fast 230 Meter.

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