ASV Schorndorf Ringer wagen erneut Aufstieg in die Bundesliga

Als Trainer führte Vorstandsmitglied Sedat Sevsay die Schorndorfer (links Flavio Freuler) zu Platz zwei in der Regionalliga. Der Vereinsstratege ist davon überzeugt, dass der Aufstieg in die Bundesliga die richtige Entscheidung ist. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Zweimal in seiner Geschichte endete die Erstliga-Zugehörigkeit für die Ringer des ASV Schorndorf im finanziellen Desaster. Nun wagt der Club wieder den Aufstieg. Diesmal aber seien die Vorzeichen ganz andere, betont Vorstandsmitglied Sedat Sevsay. In der inzwischen dreigleisigen Liga würden bei weitem nicht mehr die Etats benötigt wie einst. „Wir können das stemmen.“

Zweiter wurde der erst in der Vorsaison aufgestiegene ASV hinter Meister RKG Reilingen-Hockenheim in der Regionalliga Baden-Württemberg. Hätten die Schorndorfer nun auf den Bundesliga-Aufstieg verzichten können, ohne mit einem Zwangsabstieg bestraft zu werden? Das weiß nicht einmal Sedat Sevsay so genau, denn kurioserweise findet sich in den Regelwerken Widersprüchliches: „Laut Statuten des Deutschen Ringer-Bundes ist es ein Muss-Aufstieg für uns, laut Regionalliga-Statuten ein Kann-Aufstieg.“

Für den ASV-Multifunktionär (Eigenbeschreibung), der das Team vor der vergangenen Saison aufgrund des überraschenden Absprungs von Patric Nuding überdies als Trainer übernahm, spielt das sowieso keine Rolle: „Wir sind es den Ringern schuldig, aufzusteigen.“ Zwar berge ein Sprung in die 1. Liga immer ein gewisses finanzielles Risiko. Doch Sevsay sowie seine Vorstandskollegen Andreas Kusche und die für die Finanzen zuständige Elke Scherer seien davon überzeugt, dass es sich um ein kalkulierbares handelt.

Größte Katastrophe im Jahr 2002

Das aber hatten frühere Vorstände des ASV auch gedacht – und der Verein büßte bitter dafür. Erstmals musste der deutsche Mannschaftsmeister von 1975 sein Team mangels Geld im Jahr 1982 zurückziehen, im Jahr 2002 folgte die größte Katastrophe: Aufgrund der Pleite des Hauptsponsors stand der Verein mit einem Schuldenberg da. Wie hoch dieser genau war, wurde nie bekanntgemacht. Doch obwohl das damals neue Führungsteam unter dem sowohl in sportlichen als auch in Finanzdingen versierten Vorsitzenden Hans-Jörg Stängle begann, die Summe abzutragen, waren selbst der seit 2011 aktive Vorstand mit Sevsay, Kusche (schon zuvor in der Vereinsführung) und Scherer noch mit Rückzahlungen beschäftigt. Verständlich also, dass es im Verein jetzt auch Stimmen gibt, die den Aufstieg sehr kritisch sehen.

„Die Schulden sind komplett zurückgezahlt“

Sedat Sevsay bemüht sich, die Bedenken zu zerstreuen. Er und seine Vorstandskollegen übernahmen den Verein nach dem im Jahr 2010 erfolgten freiwilligen Rückzug aus der 2. Liga in die Landesliga „Seit 2011 haben wir gezeigt, wie man den Verein seriös von null wieder nach oben bringen kann. Die Schulden sind komplett zurückgezahlt“, so Sevsay selbstbewusst.

Da die Schorndorfer nicht wie früher auf Ringer-Söldner aus dem Ausland, sondern überwiegend auf deutsche Athleten setzen, darunter welche aus der eigenen Jugend, „sind die Zuschauerzahlen hoch“. Obwohl der Etat vor der Regionalliga-Saison gestiegen sei und diese den ASV inklusive Jugendförderung, Fahrten und anderem eine Summe „im knapp sechsstelligen Bereich“ gekostet habe, sei ein Plus erwirtschaft worden.

Mannschaft sehr beliebt, aber: "Erfolg kostet Geld"

Die Mannschaft ist sehr beliebt, kürzlich durfte sie sich „vor 800 Zuschauern“ ins Goldene Buch der Stadt Schorndorf eintragen. Ein ganz wichtiger Faktor seien Identifikationsfiguren wie Sevsays Sohn Jello Krahmer, der mit 75:0 technischen Punkten eine überragende Runde zeigte, sowie Ilja Klasner, Ivan Huzau und der als Neuzugang auf Anhieb zum Publikumsliebling gewordene Karan Mosebach. Sevsays Schlussfolgerung: „Diese große Erfolgswelle, auf der wir schwimmen, müssen wir jetzt in Bares verwandeln. Denn Erfolg kostet Geld.“

Doch die Situation sei ganz und gar nicht mit früher zu vergleichen. Die deutschen Elitevereine haben sich zum Ärger des DRB zu einer eigenen lukrativen Profiliga zusammengeschlossen. Unter dem Dach des Verbands gibt es nur noch eine dreigleisige, also regional aufgeteilte Bundesliga. „Da ringen zwei, drei Topvereine, der Rest hat eher Zweitliganiveau.“ Und weil es eine 2. Liga nicht mehr gibt, Teams also von der Regionalliga direkt in die Bundesliga aufsteigen, sieht Sevsay das Team des ASV gut aufgestellt. Der Verein versuche, den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten, dazu soll es einige „interessante“ Neuzugänge geben. „Aber von den Zeiten, als man 5000 Euro für einen Ringer gezahlt hat, sind wir meilenweit entfernt.“ Sevsay geht davon aus, dass das Budget in der Bundesliga nur bis zu einem Drittel höher sein wird als in der Regionalliga.

Der Verein will ein eigenes Marketingteam aufbauen

Der ASV hat früh für einen eventuellen Bundesliga-Aufstieg geplant. Die bestehenden Sponsoren hätten bereist zugesagt, aufzustocken. Außerdem „hoffen wir auf weitere Sponsoren“. Deshalb sei das derzeit wichtigste Vereinsprojekt der Aufbau eines eigenen ehrenamtlich arbeitenden Marketingteams bestehend aus „fünf, sechs Personen“. Zudem werde vieles auf den Prüfstand gestellt, um Kosten zu sparen und für mehr Einnahmen zu sorgen. Dazu gehöre beispielsweise, „dass wir auf mehr zahlende Zuschauer drängen“. Mit anderen Worten: Bislang kamen zu viele Leute umsonst rein, wenn in der Grauhalde gekämpft wurde.

Nun heißt es erst einmal, den ASV-Mitgliedern die Ängste vor dem Aufstieg zu nehmen. Bereits im April wird es eine Versammlung geben, auf der die Vereinführung ihre Pläne vorstellen will. Laut Sevsay „mit aller Offenheit und Transparenz“.


ASV Schorndorf in anspruchsvollster Staffel

Aufsteiger ASV Schorndorf startet am Samstag, 28. September, in die Bundesliga. Eingeteilt wurde das Team vom Deutschen Ringer-Bund in die zwar attraktive, aber wohl auch anspruchsvollste der drei Staffeln, die Gruppe Südost.

In dieser kämpfen der Deutsche Meister SV Burghausen und der Vizemeister Red Devils Heilbronn. Auf Letzteren freuen sich die Remstäler besonders. Beim Derby ist mit großem Zuschauerinteresse zu rechnen. Für die roten Teufel ringt der dreifache Weltmeister Frank Stäbler.

Außerdem in der Staffel sind mit dem SV Nürnberg und SV Halbergmoos zwei alte Bekannte aus früheren ASV-Bundesligazeiten. Zudem geht’s ins Vogtland zum wohl ebenfalls starken RSV Greiz sowie zum FC Aue ins Erzgebirge. Letzter im Bunde ist der als Bayern-Meister aufgestiegene AC Lichtenfels (Franken).

ASV-Vorstandsmitglied Sedat Sevsay will die Schorndorfer Mannschaft aufgrund seiner anderen Aufgaben möglichst nicht wieder coachen. Der Verein ist deshalb auf Trainersuche.

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