Backnang Backnanger Firma baut mit an Moschee in Mekka

Backnang. Anderswo in der Welt verwirklicht er Mega-Projekte, baute mit an der Reichstagskuppel und dem Sony Center in Berlin, schuf mit an Wolkenkratzern und nicht zuletzt der größten Moschee in Mekka. In Backnang aber, da fühlt er sich missverstanden und blockiert. Dabei hat er auch für die „Murr-Metropole“ Großes vor. Ein Gespräch mit dem Riva-Geschäftsführer Hermann Püttmer.

Herr Püttmer, die Entwicklung der Riva Engineering GmbH ist selbst für einen neutralen Beobachter atemberaubend. Riva ging 2004 als Ingenieurbüro für Fassadenbau aus der Götz GmbH Metallbau hervor. Warum die Neugründung?

Die Entwicklung mag atemberaubend sein, aber Sie sehen, ich bin noch gut bei Atem. Ich war damals geschäftsführender Gesellschafter bei Götz. Die Marktsituation war zwischen 1998 und 2002 zwar nicht ausschließlich negativ, aber eben auch nicht gut. Daher hatte ich mich, auch da ich schon über 60 war, dazu entschlossen, das Unternehmen zu verkaufen.

Riva war keine Neugründung von Götz?

Nein, nein. Götz hatte ich an die Firma Bender Stahl-Metallbau in Würzburg verkauft. Die haben die Firma weiterbetrieben und dann in Einzelstücken verkauft.

Und wie kam’s zur Gründung von Riva?

Es gab einen Aufschrei bei meinen Kunden. Der Architekt Helmut Jahn hat zum Beispiel gesagt: „Spinnst du, Püttmer, du kannst doch nicht aufhören. Die Fassaden, die ich plane, die schafft bloß einer: du.“ Dann hat mich Renzo Piano angerufen, mit dem hatten wir die gesamten Fassaden für das Debis-Haus (heute: Atrium Tower und Sitz der Daimler Financial Services) in Berlin gebaut, in derselben Tonart. Also habe ich gesagt, na gut, Planung mache ich weiter.

Ende der 1990er hatten Sie gerade drei berühmte Glaskuppel-Bauten in Berlin mit verwirklicht. Konstruktionen von Götz stecken in der Reichstagskuppel, die Sir Norman Foster entworfen hat, und im Sony Center, das die Chicagoer Architekten Martin Murphy und Helmut Jahn designt haben, sowie im Kranzler Eck. Von 2000 bis 2002 folgte mit Murphy/Jahn sowie dem Stuttgarter Ingenieur Werner Sobek die Ausführungsplanung für den Post Tower in Bonn ...

Beim Post Tower in Bonn sagte Helmut Jahn: „Mensch Püttmer, Planung ist ja schön und gut, aber du musst auch mit ausführen.“ So suchte ich zunächst immer wieder Partner für die Ausführung. Irgendwann fragte ich mich jedoch, warum nicht selbst ausführen ohne Partner!? Und habe von einem Chemie-Konzern eine Halle gekauft, um Bau-Komponenten selbst zu fertigen.

2004 hatten Sie die Riva GmbH Engineering als Ingenieurbüro in der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg gegründet. Das Büro wurde zu klein und es folgte der Umzug erst ins Stadtzentrum von Backnang und dann an den Stadtrand.

Der Hallen-Kauf in der Gaildorfer Straße bescherte uns 4000 Quadratmeter Werksfläche. Dorthin zogen wir 2008 um. Doch auch dort wurde es uns schnell zu klein, weil wir nicht nur montieren und verpacken, sondern selbst fertigen wollten. Und so kam 2012 der Umzug in die Lerchenäcker. Wir bauten hier nacheinander die Halle eins, die Halle zwei und die Halle drei. Und wollten eigentlich auch noch weiter bauen, jetzt die Halle vier, das heißt, wenn wir die Genehmigung kriegen und entsprechend hoch bauen dürfen.

"Die saudische Regierung hatte Osama bin Laden schon 1994 die Staatsbürgerschaft entzogen"

Der Umzug 2012 in die Lerchenäcker hing mit Großprojekten im arabischen Raum zusammen – wie kam’s dazu?

Der Architekt Jousef Hijjazi ist auf uns zugekommen. Damals hatte der saudische König entschieden, dass im Muna Valley („Tal der Hoffnung“, muslimische Pilgerstätte, Anm. d. Red.) demontierbare Wohnmöglichkeiten gebaut werden sollten. Daher bauten wir sechs aufklappbare Wohneinheiten mit jeweils 18 Zelten darin. Geldgeber war damals Bakr bin Laden, der jetzige Chef der Saudi Binladin Group.

Bin Laden? Der Konzern ist doch vom Vater Osama bin Ladens gegründet worden. Bakr bin Laden ist ein Halbbruder Osama bin Ladens. Hatten Sie da keine moralischen Bedenken?

Ich bitte Sie! Durch genau diese Art von falscher Suggestion entstehen Gerüchte. Unsere Geschäftsbeziehungen bestanden doch lange vor dem Jahr 2001. „Moralische Bedenken“ waren zu diesem Zeitpunkt für keinen Geschäftspartner der Gruppe vorstellbar. Die Saudi Binladin Group ist ein weltweit agierender Konzern. Tausende von Unternehmen auf der ganzen Welt arbeiten seit seiner Gründung in den 30ern mit ihm zusammen. Hätten die alle das Jahr 2001 kommen sehen müssen? Die Frage ist absurd. Übrigens konnte der Konzern 2007 vor einem US-Gericht nachweisen, dass alle finanziellen Verbindungen zu Osama bin Laden bereits 1993 gekappt worden sind. Die saudische Regierung hatte Osama bin Laden schon 1994 die Staatsbürgerschaft entzogen und all sein Vermögen eingefroren.

Sie hatten also bereits in den späten 1990ern im Auftrag Bakr bin Ladens aufklappbare Wohneinheiten gebaut. Entstand daraus ein großer Auftrag?

Der damalige König Abdullah hatte die Konstruktionen besucht und gelobt. Wir dachten, jetzt kommt ein Großauftrag dafür, aber gekommen ist er nicht.

Warum?

Warum, weiß ich nicht. Sie haben stattdessen 1999 kleinere und preiswertere Zelte gebaut mit dem Architekten Dr. Mahmoud Bodo Rasch von SL Rasch, Leinfelden-Echterdingen.

Offenbar war aber das saudische Königshaus auf Sie aufmerksam geworden ...

…und Götz erhielt den Zuschlag, als Konstrukteur Teile für den Fassadenbau am 302 m hohen Wolkenkratzer Kingdom Center im Riad (Bauzeit 1999–2002, Anm. d. Red.) beizusteuern, und konnte sich beweisen. Die Architekten kamen aus den USA und Jordanien (Ellerbe Becket und Omrania & Associates). Das erste Mega-Projekt für Riva war der Clock Tower in Mekka, der ist über 600 Meter hoch. Da war der Auftraggeber wieder die Saudi Binladin Group und als Architekt zeichnete unter anderen Dr. Mahmoud Bodo Rasch verantwortlich. Die Uhrenturm-Spitze befindet sich in 400 Metern Höhe. Mit unserer halbtransparenten Glasfassadenkonstruktion in Leichtbauweise haben wir für Aufmerksamkeit gesorgt. Und die Montagearbeiten in schwindelerregender Höhe waren eine ganz eigene Erfahrung für unsere Leute.

Ein Meilenstein, der Ihnen die Tür öffnete für weitere Megaprojekte?

In der Tat, denn zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten Groß-Aufträge der Saudi Binladin Group für den Ausbau der zentralen Al-Haram-Moschee in Mekka, der größten Moschee der Welt. Als Erstes bauten wir Doppelböden, die 1,80 Meter hoch sind, damit man dazwischen Kabel und Rohre für die Air Condition verlegen kann zum Beispiel und der Brandschutz optimiert wird. Das Auftragsvolumen lag bei 230 Millionen Euro. Wir haben uns damals schnell Partner für die Ausführung gesucht, Rohre und Gussteile gekauft und das Ganze innerhalb von vier Monaten abgewickelt, da war der Bauherr begeistert. Daraufhin haben sie angefangen, uns fest in das Abwicklungsteam einzubinden.

Laufen noch Aufträge für die Moschee in Mekka?

Ja, jetzt wieder, es gab aber einen zweijährigen Baustopp. Die Gründe hierfür waren meines Erachtens der Krieg mit Jemen, der niedrige Ölpreiskurs sowie die Spannungen mit dem Iran. Die Saudis kauften für große Summen Waffen von den USA und so ging ihnen für Bauprojekte wahrscheinlich kurzzeitig das Geld aus. Offizieller Grund des Baustopps war jedoch, weil im September 2015 ein Baukran in Mekka umgefallen war und mehr als 100 Menschen ums Leben kamen. Mit dem Amtsantritt des neuen Königs kommt wieder Bewegung in den Ausbau.

Auf wie lange ist der Moschee-Ausbau in Mekka angelegt?

Der soll 2020 zu Ende sein. Und 2019 soll es mit der Moschee in Medina weitergehen. Wir rechnen mit Aufträgen für Riva für die nächsten zehn Jahre.

Monteure sind zum Islam konvertiert, um Mekka betreten zu dürfen

Um Mekka betreten zu dürfen, muss man Muslim sein. Sie und alle in Mekka arbeitenden Riva-Beschäftigten sind konvertiert. Wie lief das ab?

Der Bauherr sieht das natürlich lieber, wenn man Muslim ist. Dann wird man als Bruder behandelt, für mich frei nach Schillers „Alle Menschen werden Brüder“. 80 Prozent unserer Ingenieure sind konvertiert. Das war kein Problem. Und auch keins, Monteure zu finden. Da gab’s eine Firma in Winnenden, die geschlossen wurde, von der haben wir viele Monteure übernommen, einige türkischstämmige waren ohnehin muslimisch. Aber wir sind auch sonst international aufgestellt, haben muslimische Beschäftigte aus Marokko, Albanien, dem Libanon, Tunesien, Ägypten, Kasachstan.

Mit dem Moschee-Großprojekt wurden in den Lerchenäckern 2014/2015 drei große Hallen hochgezogen. Rivas Produktionsflächen haben mittlerweile eine Größe von 40 000 Quadratmetern. Spätestens ab diesem Zeitpunkt traten die ersten Meinungsverschiedenheiten mit der Stadt Backnang auf. Warum?

Wir haben jetzt drei Hallen und wollen als Nächstes eine vierte, eine Ausstellungshalle, bauen. Die sollte so hoch werden, dass wir auch große Bauteile, zum Beispiel Tore, darin testen können. Da hat aber jetzt der Gemeinderat von Backnang und von Aspach interveniert. Die Lerchenäcker sind ein interkommunales Gewerbegebiet. Ein regionaler Bürgermeister ist der Meinung, wenn er von Strümpfelbach nach Aspach fahre, muss er immer den Kirchturm sehen. Wir haben das geprüft, die Halle könnte 100 Meter hoch werden, er sieht den Kirchturm. Und solche Experten fühlen sich als große Stadtplaner.

Jetzt sollen Sie nur 20 Meter hoch bauen?

Ja, aber 20 Meter bringen uns nichts. Wenn wir Tore für das Katara-Hotel bauen, die 28 Meter hoch sind, wo sollen wir das dann machen!? Wir müssen die Teile ja auch montieren, aufbauen und testen – das geht nur vertikal stehend. Wir benötigen dementsprechend die Halle für unsere Arbeit. Das Genehmigungsverfahren ist noch in der Schwebe, es gab schon mehrere Treffen mit den Gemeinderäten von Aspach und Backnang. Bewegt hat sich aber noch nichts. Wenn wir die Halle nicht groß genug bauen dürfen, bauen wir vielleicht gar nicht.

"Warum sollen wir uns von Möchtegernstadtplanern vorschreiben lassen, wie unser eigenes Gelände auszusehen hat?"

Anderes Thema: Sie hatten für den 60 Meter hohen Schornstein der firmeneigenen Blockheizkraftwerke in den Lerchenäckern ganz eigene Pläne, um ihn noch mehr zum Wahrzeichen zu machen.

Eigentlich hatte das Landratsamt gesagt, wenn es geht, baut ihn lieber noch höher als 60 Meter, weil dadurch die Emissionsbelastung sinkt. Durch jeden Meter im Schornstein verringert sich die Temperatur der heißen Abgase. Die Backnanger reagierten sehr ablehnend und haben sich dann nach einem halben Jahr mühevoll durchgerungen, die 60 Meter zu genehmigen. Wir bekamen für die LED-Beleuchtung an einer Gitterverschalung von der Stadt die Auflage, diese müsse insektenfreundlich sein. Das ist sehr unkonkret. Zweitens dürfe die Beleuchtung nur tagsüber angemacht werden, nachts müssten wir sie abschalten. Das entbehrt jeglicher Logik. Drittens: Kein Personenaufzug, kein Aussichtspodest oben, Begehung nur zu Wartungszwecken.

Auch aus anderen Gründen ist Ihre Beziehung zur Stadtverwaltung schwierig. Ihnen wird vorgeworfen ohne Genehmigung veranlasst zu haben, 250 Lastwagenladungen Erde von den Bauarbeiten in den Lerchenäckern zur Auffüllung im Garten der von Ihnen erworbenen Fabrikantenvilla Adolff in Backnang verwendet zu haben. Die Stadt hatte 19 000 Kubikmeter Auffüllung genehmigt, es waren aber angeblich 31 700 Kubikmeter, also 13 000 Kubikmeter zu viel. Die Vorgabe der Stadt war, dass die denkmalgeschützte Villa von der Gartenstraße aus noch zu sehen ist.

Wir hatten mit der Stadt Backnang eine Höhenquote für die Auffüllung festgelegt. Man hat uns dann nach Festlegung der Höhenquote angeboten, dass wir im Grundstücksbereich der Villa Flächen in Richtung Murr zukaufen dürften, weil die Stadt von uns im Gegenzug andere Flächen kaufen wolle, um einen Radweg zu bauen. Darauf ließen wir uns ein. Wir haben dann das Grundstück zur Murr runter aufgefüllt, haben die Höhenquoten eingehalten, doch es wurde mehr als beabsichtigt, weil wir ja noch Hang-Grundstück dazugekauft hatten. Die Firma, die das aufgefüllt hat, hat gesehen, da ist sehr viel Platz, und entschieden, etwas mehr aufzufüllen. Die Stadt schaltete einen Gutachter ein und erst dann entstand die Idee, dass man die Kellermauer der Villa von der Murr aus sehen können sollte.

Das wurde also erst später so festgelegt?

Ja, und der Gutachter kam auf die Schätzung, 5000 Kubikmeter Erde müssten wieder entfernt werden. Das war eine Schätzung, ohne jegliche Boden- oder Geländeuntersuchung. Wir schalteten ein Backnanger Vermessungsbüro ein. Und das kam auf 1700 Kubikmeter, die wir wieder abfahren müssten. Keine 5000, keine 19 000, sondern 1700. Doch der Baubürgermeister sagte, 5000 Kubikmeter seien festgelegt, Änderungen seien nicht vorgesehen. Wir scheuen den Streit aber nicht. Warum sollen wir uns von Möchtegernstadtplanern vorschreiben lassen, wie unser eigenes Gelände auszusehen hat? Wir werden das aussitzen.

Es heißt, die Stadt habe Ihnen auch ein Bußgeld auferlegt.

Ja, ein Betrag von 52 500 Euro. In dem Bußgeldbescheid wurde behauptet, die Höhe sei nach bestem Wissen und Gewissen festgelegt worden. Das ist einfach falsch.

Und, haben Sie’s gezahlt?

Ja, das Unternehmen hat gezahlt. Gerecht war es deswegen noch lang nicht.

Ist die Sache jetzt erledigt?

Die sagen weiterhin, wir sollen 5000 Kubikmeter abfahren. Das mache ich aber nicht. Wenn das Vermessungsbüro doch feststellt, 1700 seien angemessen. Und das Gerede, dass man von unten die Villa noch sehen müsse, ist Unsinn, in erster Linie sieht man von dort nur die Bäume der Stadt Backnang.

Die Riva GmbH Immobilien hat das brachliegende Kaelble-Areal erworben, und Sie haben auch dort Großes vor. Der Gemeinderat fühlt sich überrumpelt, weil Sie mit Helmut Jahn bei einem öffentlichkeitswirksamen Termin erste Bebauungspläne dargelegt haben.

Wir haben weder Pläne noch Skizzen vorgelegt. Wir haben den Helmut Jahn eingeladen, weil ich ihn gut kenne. Die Frage war, ob er bereit wäre, einen Masterplan für die Nutzung des Areals zu entwerfen. Er warf ein, ein Masterplan werde selten realisiert, das wisse er aus Erfahrung. Genehmigungen, Investoren oder Bedarf, an irgendetwas mangelt es meistens. Schließlich sagte er dennoch zu. Helmut Jahn ist ein Freund von mir und wenn ein solcher Star-Architekt mal nach Backnang kommt, dann ist das schon ein Erlebnis. Deshalb haben wir ihn an jenem Samstag feierlich empfangen und auch die Presse eingeladen. Oberbürgermeister Herr Dr. Nopper hat das dann am Montag in der Zeitung gelesen und grundlos eine Notsitzung des Gemeinderats einberufen. Seine Annahme, es wurden bereits Pläne durchgesprochen, war falsch. Und wenn wir dies mit Jahn getan hätten, mag und kann es Herrn Nopper nicht berühren. Der Termin war lediglich eine Besichtigung des Areals mit anschließender Diskussion über Ideen. Es muss doch jedem klar sein, dass man zuerst eine Masterplanung machen muss, bevor man Genehmigungen beantragen kann. Ohne eine Baugenehmigung geht natürlich nichts. Wenn die Stadt Backnang das nicht für gut hält, können wir einige Sachen ändern oder wir bauen nicht.

So ein Oberbürgermeister und so ein Gemeinderat, die haben halt auch ihren Stolz. Ist es nicht verständlich, dass sie als demokratisches Gremium nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden möchten?

Warum soll ich denn den Oberbürgermeister oder den Gemeinderat einladen, wenn ich ein erstes Gespräch mit einem Architekten führe!? Das macht keinen Sinn. Erst wenn man fertige Pläne hat, geht man auf die Behörden zu und genau die haben wir noch nicht.

Wie stellen Sie sich das Kaelble-Areal als neues Stadt-Quartier genau vor?

Dazu kann ich zu diesem Zeitpunkt nichts Konkretes sagen, sonst heißt es wieder, wir würden Bauvorhaben ankündigen. Unsere Arbeit ist ein kreativer Findungsprozess.

 

Wo werden die Mitarbeiter von Tesat und Telent künftig parken?

Wollten Sie nicht ein Parkhaus bauen?

Wir haben Pachtverträge für das Parkareal bis 2025, die wollen wir nicht auflösen. In der Hauptsache von Tesat, Telent und Ericsson. Die besitzen Pachtrecht auf Parkflächen. Wenn wir das Areal vor 2025 entwickeln wollen, brauchen wir also als Ausgleich ein entsprechend großes Parkhaus. Die Beschäftigten hätten dann auch einen viel kürzeren Weg zu ihren Unternehmen. Um ein Parkhaus bauen zu können, müssten wir noch einige Häuser dort aufkaufen und abreißen. Tesat zahlt heute pro Quadratmeter Parkfläche rund einen Euro pro Jahr an uns, also nichts. Die Parkplätze in einem Parkhaus würden wir subventionieren, damit sie für die Beschäftigten nicht zu teuer werden. Mit 60, 70 Euro pro Monat und Parkplatz müsste man aber rechnen. Die Stadt zeigte sich entsetzt von dem Vorschlag eines Parkhauses mit circa 20 Metern Höhe und schlug drei Stockwerke vor, da bekommt man aber gerade mal 150 Autos unter. Das würde nichts nützen und wäre dazu vollkommen unrentabel. Da stehen gerade 1250 Autos rum, die unterkommen müssten. Der Stadt ist aber das Pachtrecht nicht klar. Wenn wir uns 2025 einer Verlängerung der Pacht versperren würden, um das Areal baulich zu entwickeln, dann müsste Tesat sich überlegen, ob sie in Backnang bleiben können, ohne Parkplätze. Wir wollen unsere Ankermieter aber behalten und die Stadt Backnang ihre Renommierunternehmen. Die einzig mögliche Lösung ist also ein Parkhaus. In der Stadt parken, das geht nicht.

Sie haben auch den Bau einer Moschee und eines muslimischen Hochzeitszentrums (Wedding-Hall) auf dem Kaelble-Areal ins Spiel gebracht. Würden hier saudische oder türkische Gelder fließen?

Nein. Das könnte ich alles selber finanzieren. Wenn ich investiere, dann nicht via Kredit. Wir sind in der glücklichen Lage, alles selbst zahlen zu können. Die Idee der Moschee und Weddinghall haben wir mal anklingen lassen. Das hat die Presse natürlich gleich groß inszeniert. Dabei ist die Idee einfach zwischendurch im Gespräch gefallen. Helmut Jahn hatte nur gefragt, was könntet ihr euch vorstellen, und wir sagten, wir wollen Wohnungen bauen, vielleicht Bürogebäude, vielleicht ein kleines Kunst-Museum oder eine Galerie. Wir könnten uns auch ein kleines Hotel vorstellen, da müssten wir fairerweise mal den Uli Färber anfragen, ob der das machen wollen würde. Viel Geld könntest du mit Wohnungen, Büros und Hotel aber nicht verdienen, mit einer Weddinghall aber schon, da machst du das große Geld. Die wird nachgefragt. Bei Hochzeiten nehmen die Leute Geld in die Hand, 50 000 Euro locker mal. Man könnte auch eine Mehrzweckhalle anstatt einer Weddinghall bauen. Außerdem stellen wir uns eine Piazza vor, ähnlich wie das Sony Center in Berlin, mit Restaurants, vielleicht einem Markt. Das sind jedoch alles nur Ideen.

Kaelble-Areal und Villa Adolff haben Sie ohne Schuldenaufnahme gekauft. Könnten Sie die Bauentwicklung des Kaelble-Areals auch aus der Portokasse zahlen?

(lacht) Na, ja, nicht ganz aus der Portokasse. Aber Kredite würden wir nicht aufnehmen. Wir haben auch in den Lerchenäckern alles bezahlt und haben weder ausstehende Schulden noch Leasingverpflichtungen.

Wie könnten Sie die Kritiker von Ihren Plänen überzeugen?

Ich hoffe, dass Helmut Jahn überzeugen kann. Jahn ist eine Koryphäe, ein Star-Architekt. Backnang könnte sich mit einem von ihm entworfenen Areal schmücken. Es könnte so sein wie mit der Semper-Oper, erst kritisiert und dann bewundert. Wir hoffen einfach auf Innovation.

Daten und Fakten

Hermann Püttmer (78) stammt aus dem Sudetenland. Er wuchs in Backnang auf und ging dort zur Schule. Er ist gelernter Kaufmann, arbeitete sich zum Geschäftsführer der Götz GmbH Metallbau hoch und gründete 2004 die Riva GmbH Engineering zunächst als Ingenieurbüro. 2012 folgte der Umzug in die Lerchenäcker und der Aufbau einer eigenen Produktion für den Fassadenbau. In den Lerchenäckern steht Riva derzeit eine Produktionsfläche von 40 000 Quadratmetern in drei Hallen zur Verfügung. Drei weitere Hallen und ein Verwaltungsgebäude sind in Planung.

Das Unternehmen beschäftigt über 250 Mitarbeiter, darunter 45 Auszubildende und sechs Studenten der Dualen Hochschule.

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