Berglen Özkaras Austritt aus der AfD: "Diese Partei wird von Idioten geleitet"

Ralf Özkara beim Pressegespräch im Juni 2016. Damals war er noch bei der AfD. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Berglen. Ralf Özkara, 48, aus den Berglen, ehemals Landessprecher der AfD, „tritt mit sofortiger Wirkung aus der AfD aus“. Das vermelden NDR und WDR. Zur Begründung habe Özkara gegenüber den Sendern gesagt: „Diese Partei wird von Idioten geleitet.“ Seinem Entschluss sei eine längere Überlegung vorausgegangen. „Ich bin erst heute ausgetreten, weil ich die Basis nicht in ihrem Wahlkampf behindern wollte.“ Er könne und wolle „die Vorgänge in der Partei nicht länger mittragen“. Was er damit genau meint, habe er nicht ausgeführt.

Vertrauter von Jörg Meuthen

Özkara galt als Vertrauter von Parteichef Jörg Meuthen und leitete von April 2016 bis Februar 2017 in Baden-Württemberg dessen Landtagsbüro. Auf Anfrage von NDR und WDR sagte Meuthen: „Schade, ich kenne ihn eigentlich gut. Wir haben gut und auf eine sehr angenehme Art und Weise zusammengearbeitet. Ich bedauere das – aber wenn einer austritt, dann ist er ausgetreten, das ist eine finale Entscheidung, die revidiert er nicht, weil ich ihn anrufe.“

AfD-Karriere war steil und kurz

Die AfD-Karriere Özkaras, die zunächst steil nach oben geführt hatte, ist damit nach mehreren derben Rückschlägen vollends zerbrochen. Im März 2017 war Özkara spektakulär durchgestartet: Damals wurde er überraschend in einer Stichwahl gegen Alice Weidel zum Landessprecher der AfD Baden-Württemberg gekürt. Der erste Bruch folgte im Oktober 2018: Bei der Oberbürgermeisterwahl in Offenburg holte Özkara statt der erhofften 20 nur 5,4 Prozent. Und im November 2018 erklärte er mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Landessprecher und wechselte nach München auf den bezahlten Posten als Fraktionsgeschäftsführer der bayrischen AfD-Landtagsabgeordneten.

Dort aber wurde er im Mai bereits nach wenigen Monaten wieder entlassen. Zwei Gründe, so hieß es hinter den Kulissen, hätten zur Trennung geführt. Zum einen sei es Özkara nicht gelungen, die von Flügelkämpfen zwischen Moderaten und Radikalen chaotisierten Fraktionsgeschäfte in geordnete Bahnen zu lenken. Zum anderen sei er beim gemäßigten Lager von Anfang an umstritten gewesen: Özkara gilt als Mann des rechten Parteiflügels um Björn Höcke. Man habe ihm deshalb nahegelegt: Als Fraktionsgeschäftsführer habe er neutral zu sein.

Danach aber sei Özkara weiterhin politisch in Erscheinung getreten, unter anderem bei einer AfD-Veranstaltung mit dem Brandenburger Andreas Kalbitz, einem Höcke-Mitstreiter, der laut mehreren übereinstimmenden Medienberichten vor seiner AfD-Zeit bei der als rechtsextrem geltenden Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland, beim völkischen Witikobund und bei der von einem ehemaligen SS-Hauptsturmführer und NPD-Funktionär gegründeten „Vereinigung Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit“ gewesen sein soll.
 

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