Brände in Winnenden-Hertmannsweiler Angeklagter gesteht eine der Brandstiftungen

Symbolbild. Foto: Palmizi/ZVW

Stuttgart/Winnenden. Ein 49-jähriger Pole sitzt in Haft, weil er siebenmal in Hertmannsweiler Feuer gelegt haben soll. Vor dem Landgericht hat er jetzt eine der Brandstiftungen zugegeben. Die Richterin deutete Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Angeklagten an. Er ist laut seinem Anwalt schwerer Alkoholiker, hat längere Zeit auf der Straße gelebt und wollte seiner Ex-Frau Angst einjagen.

Ende Oktober 2017 brannte eine Rollstuhlrampe an einem Haus in Hertmannsweiler. Dort lebt ein Mann, der im Rollstuhl sitzt, und die Ex-Frau des Angeklagten pflegte ihn. Es folgten im Frühjahr dieses Jahres weitere Brandstiftungen nahe diesem Haus. In einigen Fällen wies das Landeskriminalamt nach, dass Benzin als Brandbeschleuniger eingesetzt worden war, wie ein Polizeibeamter am Montag vor Gericht aussagte. Es entstand erheblicher Sachschaden: Ein Auto fiel einem der Feuer zum Opfer, Papiermülltonnen brannten ab, Holzpalisaden wurden angezündet. Nur der schnellen Reaktion von Nachbarn dürfte es zu verdanken gewesen sein, dass die Feuer sich jeweils nicht ausbreiteten. Laut einem Gefährdungsgutachten, das der Polizeibeamte vor Gericht vorstellte, bestand aber jeweils keine Gefahr, dass das Feuer auf das Gebäude hätte übergreifen können. Nach einer Reihe von Bränden installierte die Polizei eine Kamera – und tatsächlich zeigten die Aufnahmen wenig später eine Person, die zündelte. Eindeutig zu erkennen war sie nicht. Allerdings fand die Polizei DNA-Spuren an einer in Brand gesteckten Mülltüte und an einer Flasche, die sich darin befand. Die Spuren stimmten überein mit der DNA des Angeklagten, der angab, bei der Tat betrunken gewesen zu sein.

Eine Tat eingeräumt

Die Brandstiftung, für die es eindeutige Beweise gibt, räumte der 49-Jährige vor Gericht ein. Als Grund gab er an, er habe sich an seiner Ex-Frau rächen und ihr Angst einjagen wollen, weil sie ihm nicht wie versprochen aus seiner misslichen Lebenssituation herausgeholfen habe. Seine Lebensumstände ließ er seinen Anwalt schildern, der dazu ein Schriftstück vorbereitet hatte. Demnach hat der Angeklagte eine Reihe von erfolglosen Entgiftungen hinter sich. Immer wieder lebte er auf der Straße, kam für kurze Zeit irgendwo unter, um dann wieder obdachlos und alkoholsüchtig, wie er war, vom Flaschensammeln zu leben. Mehrere Aufenthalte in Suchtstationen des ZfP in Winnenden wurden vor Gericht aufgezählt. Er trank erneut nach jedem Aufenthalt. Sein Sohn, 2001 geboren, wählte im November den Notruf, weil es zwischen seinen Eltern zu einem heftigen Streit gekommen war. Von Randale in der Notaufnahme war vor Gericht die Rede und von einem Hilferuf von Sanitätern, die den Mann in betrunkenem Zustand ins Krankenhaus bringen wollten, ihn aber nicht bändigen konnten. Anfang des Jahres saß der Pole eine Ersatzfreiheitsstrafe ab; gegen ihn lag wegen nicht beglichener Schulden ein Vollstreckungshaftbefehl vor.

Angeklagter behauptet, nur Nachahmer zu sein

Früher arbeitete der 49-Jährige in Polen als Bergmann, später auf Baustellen. Zuerst kam er 2006 zum Arbeiten nach Deutschland. Mit seiner Frau zog er dann 2014 nach Deutschland – gegen seinen Willen, wie sein Anwalt sagte. Seine Frau habe nach Deutschland umsiedeln wollen, weil ihre Tochter dort lebte. Es folgten wieder Jobs auf dem Bau, schließlich bei der Post. Das Ehepaar wurde arbeitslos, ließ sich scheiden - und es ging immer weiter bergab.

Seine Ex-Frau habe ihn indirekt auf die Idee gebracht, Feuer zu legen. Sie habe ihm von den Brandstiftungen vor dem Haus des Mannes, den sie pflegte, erzählt. Daraufhin habe er sich gedacht, er könne auch ein Feuer legen, so schilderte es der Anwalt im Auftrag des Polen.

Die Vorsitzende Richterin Jasmin Neher-Klein kündigte an, die Kammer werde die Version des Angeklagten, wonach er nur für eine der Brandstiftungen verantwortlich sei, „hinterfragen und überprüfen“. Ferner wird es im weiteren Verlauf des Prozesses darum gehen, wie stark der 49-Jährige alkoholisiert war, als er Feuer legte. Sein Sohn hatte, als eine Fahndung lief, den Beamten den Aufenthaltsort seines Vaters verraten. Der Prozess geht am 25. Oktober weiter.

Die Brände

Ende Oktober fing es an: Eine Holzrampe, die einem Rollstuhfahrer den selbsttätigen Zugang zum Haus ermöglicht, hatte einen Brandschaden. Die Polizei fand nachträglich einen Brandbeschleuniger und vermutet deshalb Brandstiftung.

Ende März hatte an derselben Stelle ein Ford-Transit einen Brandschaden. Das Feuer ging damals von alleine aus. Der Schaden wurde zunächst auf 2000 Euro geschätzt, aber die Autowerkstatt berechnete dann 9000 Euro für die Reparatur.

In der Nacht nach Ostermontag brannte ein Holzzaun in der Ecke des Hofwegs. So ein Zaun brennt auch nicht von alleine. Das Feuer muss jemand gelegt haben.

Am vergangenen 7. April brannte eine Papiertonne, und da ist die Polizei sicher, dass die sich nicht von alleine entzündet.

Einen erheblichen Schaden verursachte der Brand am 9. April: 25 000 Euro. Ein Bewohner des Hauses bei den Brandstellen vermutet, dass die gelegten Brände ihm gelten. Die Polizei ermittelt und will zuerst herausfinden, ob es auch für den Brand vom Montag Anzeichen für Brandstiftung gibt.

Am 21.04. hat der Brandstifter erneut einen Pkw angezündet.

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