Bürgerentscheid Urbach Das Waldhaus wird nicht gebaut

Auszählung der Stimmen zum Bürgerentscheid über das Waldhaus. Foto: Habermann/ZVW

Urbach. Genauso eindeutig wie das Ergebnis des Bürgerentscheids, das Waldhaus wird nicht gebaut, fiel das Meinungsbild im Anschluss aus: Nun gehe es darum, die Gemeinde zu befrieden, waren sich alle einig. 2517 wahlberechtigte Urbacher hatten beim Bürgerentscheid mit „Ja“ gestimmt – und somit das Waldhaus abgelehnt. 1643 Urbacher hatten sich dafür ausgesprochen, dem Beschluss des Gemeinderats zu folgen und das Waldhaus wie geplant zu bauen. Unabhängig vom Ausgang des Entscheids waren sich auch alle einig, dass der klare Ausgang positiv sei.

Eine Hängepartie, bei der im Anschluss sowohl Befürworter des Waldhauses als auch Kritiker hätten sagen können, es habe nicht viel gefehlt, das wollte niemand. Nun herrscht endgültig Klarheit in Urbach und alle Kaffeesatzleserei, Prognosen und das berühmte „Hineinhören in die Bürgerschaft“ sind Makulatur: Rund 36 Prozent von denen, die ihre Stimme abgegeben haben, sind gegen das geplante Waldhaus, knapp 24 Prozent sprachen sich für das größte Projekt Urbachs als Beitrag zur Interkommunalen Gartenschau 2019 aus.

Von den Kritikern will sich niemand so recht äußern. Der Sprecher der Initiative „Alternative Gartenschau Urbach“, Rudolf Wrobel, war nicht in der Auerbachhalle. Kritiker Manfred Wrobel-Adelhelm findet dann doch passende Worte: „Hier gibt es keine Gewinner“, sagt er, blickt weniger zurück als voraus: Es gehe nun in erster Linie darum, die Gemeinde zu befrieden. Und das Ergebnis? „Die Zahlen sprechen für sich.“ Obwohl sich am Ende Presse, Befürworter und Gemeinde noch einmal ins Zeug gelegt hätten, behauptet Wrobel-Adelhelm, setzten sich die Kritiker durch. Es habe keinen „Umschwung“ gegeben. Die Befürworter hätten die Unentschlossenen nicht für sich einnehmen können.

Hetzinger: Martina Fehrlen muss „die Gräben schnell füllen“

Bürgermeister Jörg Hetzinger hatte es wohl vorher schon befürchtet, wie er sagt: Die meisten Bürgerbegehren würden so ausgehen. Das sei schade, aber das gelte es zu akzeptieren. Auch er sieht die Aufgabe seiner Nachfolgerin Martina Fehrlen nun vor allem darin, „die Gräben schnell zu füllen“. Nun müsse man gemeinsam schauen, in Urbach eine gute Gartenschau zu machen. Martina Fehrlen habe sich im Vorfeld nicht geäußert, nun könne sie unbefangen mit beiden Seiten sprechen.

Eine Frage sei nun, was Urbach bei der „Highlight-Woche“ präsentieren werde. Wie könne man im Wald für Bewirtung sorgen? Wie sieht das mit Toiletten aus? Eine Info-Stelle müsse es schon geben. Hier müsse man nun temporäre Lösungen finden. Seiner Meinung nach war das Waldhaus nicht entscheidend für den klaren Wahlausgang.

Seine Nachfolgerin auf dem Chefsessel im Rathaus zeigt sich erneut diplomatisch: Beide Seiten hätten gute Argumente für ihr Anliegen vorgetragen. Jedoch habe sie die Zerrissenheit betrübt. Nun will sie beide Seiten zusammenbringen, damit die Gartenschau für alle Urbacher zu einem Fest werde – und auch für die Besucher. Die Gartenschau müsse nun „emotional ankommen“ bei den Urbachern. Ihr Wunsch: Jeder Verein überlegt sich nun eine tolle Aktion, die die Mitglieder während der Gartenschau anbieten wollen. Der Musikverein habe bereits angeboten, man könne die Räumlichkeiten im Bärenbachtal nutzen. Es gelte nun zu prüfen, inwieweit dort Aktionen stattfinden können, so Fehrlen. Der Bärenbach sei ein Flößerbach gewesen, insofern gebe es ja bereits eine Verbindung zum Wald. Im Sommer will sie das Gespräch mit den Bürgern und Gemeinderäten suchen, sie wolle „heilen“. Es habe von einigen Seiten den Wunsch gegeben, dass sie sich vorab klar positioniert. Doch das Waldhaus sei nicht wahlentscheidend gewesen, urteilt die 40-Jährige.

Das sieht ihr unterlegener Kontrahent anders: Ja, seine Positionierung zum Waldhaus habe ihm geschadet, stellt Dieter Schienmann fest. „Aber ich stehe zu dieser Aussage.“ Ein Kandidat müsse bei so einer wichtigen Entscheidung im Vorfeld eine Position beziehen.

Ex-Bürgermeister Johannes Fuchs hat dieses Ergebnis nicht so klar erwartet. Es war mehr kritische Substanz festzustellen, als zu vermuten war, sagt er. Nun gehe es darum, „die Polarität aufzuarbeiten“, „einen Plan B“ zu überlegen, mit dem sich alle identifizieren können.

Der Geschäftsführer der Remstal Gartenschau 2019 GmbH, Thorsten Englert, war enttäuscht, dass das Waldhaus abgelehnt wurde. Nach diesem Ausgang fehle das Herzstück in Urbach. Es werde spannend, zu beobachten, was die Urbacher im Anschluss aus ihrem Gartenschau-Projekt machen werden.

„Wo ist die Aufgabe für die Bürger?“

Gemeinderätin Monika Bruckmann, Mitglied in der Arbeitsgruppe Waldhaus, sagt offen, sie sei nach diesem klaren Votum traurig. In den Arbeitsgruppen seien vor allem Leute aktiv, die für das Waldhaus seien. Nun müssten sich alle dafür einsetzen, dass man die Ehrenamtlichen weiterhin für die Gartenschau – auch ohne Waldhaus – begeistern könne. Trotz dieses Ergebnisses wolle man motiviert weitermachen. Das klare Votum habe sie überrascht. Da viele der weiteren Projekte von Fachleuten betreut und teilweise verantwortet werden, müsse man nun einen Weg finden, den Urbacher Ehrenamtlichen eine Möglichkeit zu geben, sich einzubringen. „Wo ist die Aufgabe für die Bürger?“, fragt sie.

Thomas Schiek, Vorsitzender des Geschichtsvereins Urbach, greift das Thema Ehrenamt auf. Nach dieser Waldhaus-Diskussion – alle Kandidaten waren sich ja einig, die Gemeinde sei gespalten – könne es schwieriger werden, zahlreiche Kandidaten für die Gemeinderatswahl zu finden. Er legt den Kritikern nahe, sich im kommenden Jahr als Kandidat für das Ortsparlament aufstellen zu lassen. Das waren dann weniger versöhnliche Worte. Doch geht es nun wirklich darum, die Gartenschau – auch ohne Waldhaus – zu einem Erfolg für Urbach werden zu lassen. Und da sind jetzt die Ehrenamtlichen gefragt – und natürlich die neue Bürgermeisterin Martina Fehrlen.

Rückblick

Im November hatte Bürgermeister Jörg Hetzinger dem Gemeinderat – für viele überraschend – vorgeschlagen, in Sachen Waldhaus-Diskussionen einen Bürgerentscheid durchführen zu lassen. Hetzinger betrachtete dies als die einzige Möglichkeit, „die Angelegenheit innerhalb der Bürgerschaft zu befrieden“. Im Dezember sprach sich der Gemeinderat allerdings mit großer Mehrheit gegen diesen Vorschlag aus. Gleichzeitig hatte das Gremium das Waldhaus auf den Weg gebracht. Dieses „ist und bleibt das Herzstück des Gesamtkonzepts“, hieß es damals. Anfang März überreichen dann einige Mitglieder der Initiative „Alternative Gartenschau Urbach“ 85 Bögen mit insgesamt 729 Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Etwa 500 gültige Unterschriften waren nötig, damit eine Abstimmung der Bürger über das für die Remstal-Gartenschau geplante Waldhaus Realität wird, das entspricht den notwendigen sieben Prozent der Wahlberechtigten. Der Gemeinderat hatte den Termin für den Bürgerentscheid auf den Wahlsonntag gelegt. Mitentscheidend war, dass an diesem Tag mit einer hohen Wahlbeteiligung zu rechnen war.

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