Debatte um Motorradlärm Krach in den Kommentarspalten

Der Rems-Murr-Kreis will den Motorradlärm verringern. Foto: Habermann / ZVW

Weinstadt. Der Krach aus den Auspuffrohren von aufgemotzten Motorrädern und Automobilen hallt in unseren Kommentarspalten und auf Facebook ziemlich laut wider. Sehr kontrovers wurden unser Bericht „Kreis greift beim Motorradlärm durch“ und der Kommentar „Beim Lärm wird geschummelt“ diskutiert.

„Ein Hoch auf unsere spießigen Mitbürger, sie haben den wirklichen Klassenfeind gefunden: Motorradfahrer“, schrieb der Onlineleser „Lächler“: „Diejenigen mit einem geringen Selbstwertgefühl, gesperrt wegen zu gewagten Videos, um die 15 Sekunden Ruhm zu ernten.“

Lächler fragt, ob sich diejenigen, die sich über Motorradlärm beispielsweise auf der beliebten B-14-Bikerstrecke hinter Sulzbach aufregen, auch „schon mal über die Lkw beschwert haben, die da jeden Tag durchballern? Sich mal über die Tonnen von Abgas, Erschütterungen, Staus und Behinderungen beschwert? Wahrscheinlich nicht.“ Er fordert auch die Anwohner zum Dialog auf, „statt flach AFD-anmutender Parolen“.

Ein „Lärmgeplagter“ antwortete: „Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen dem lärmenden Lastwagen und dem lärmenden Motorradfahrer. Der eine macht sinnvolle Arbeit im Dienst für seine Mitbürger, der andere macht sinnlosen und mutwilligen Lärm, um seine Mitbürger zu terrorisieren. Oder haben Sie schon mal nen Lastwagen mit Klappen-Sportauspuff gesehen?!“

Lärm ist eine gesellschaftliche Angelegenheit

„Großes Lob an Martin Winterling - sehr guter Kommentar!“, lobt „Pfannhommel“. Es gebe ein Gschmäckle, dass auf dem Prüfstand alles okay ist, es aber auf der Straße ganz anders ausschaut. „Sieht fast so aus, als ob die ganzen Prüf- und Messvorschriften auf dem Mist der Autolobby gewachsen sind – mit genügend Geld (Macht) ist in Deutschland (Europa) wohl alles machbar ... Übrigens, in den USA gelten die Abgasjongleure als Verbrecher; in Deutschland (Europa) ist’s wohl mehr oder weniger wurscht.“

Für „Trollinger“ ist der Lärm eine gesellschaftliche Angelegenheit: „Das Problem ist nicht der Gesetzgeber, sondern sind alle diejenigen, die diese Technologien nutzen, ohne Rücksichtnahme auf andere. Das eigentliche Problem, die Verursachung ist: Egoismus! Ein Grundübel in unserer Wohl-Fühl-Wohlstand-Gesellschaft. Kein Gesetz, keine Verordnung ist in der Lage dieses Grund-Übel zu eliminieren.“

Steuergelder werden verbraten

Egoisten habe es schon immer gegeben, antwortete „Lärmgeplagte“: „Sie berufen sich auf ihre legalen Fahrzeuge. Hauptverantwortlich ist aber die unfähige (lobbygesteuerte) Politik, deren Aufgabe es ist, die Bürger vor diesen Lärmterroristen zu schützen. Lärm ist mindesten so gesundheitsschädlich wie Feinstaub und Co.“

Nicht nur den Anwohnern schwillt bei Motorradlärm gelegentlich der Kamm. „Ich, als Motorradfahrer mit meiner Reiseenduro und ,sanft blubberndem’ V-2-Motor, stand auch schon fassungslos (und leider ohne Ohropax) neben so einer ,Lärmmaschine’ an der Ampel und hab’ mich beeilt, bei Grün als Erster loszufahren“, schreibt „Römer“: „Das Problem sind halt nicht ,die Motorradfahrer’, sondern die, die den gesetzlichen Rahmen voll ausreizen.

Politiker in der Pflicht

„Wieso werden so kranke Einrichtungen wie Klappenauspuff und aktive Soundsysteme (Lautsprecher) überhaupt zugelassen?“ fragt sich „Lärmgeplagter“ und sieht die Politik in der Pflicht.

„Für die einen ist es Lärm, für die anderen ist es Musik in den Ohren. Im Prinzip ist es auch egal, solange sich die Auspuffanlagen im Rahmen der gültigen Gesetze bewegen, können die Behörden kontrollieren, wie sie wollen“, meint „Legaler Lärmgeplagter“. „Auch ich finde es erstaunlich, dass ich ein Fahrzeug ab Werk Zuffenhausen ganz legal mit 100 dB Auspuffanlage fahren darf. Es ist legal und die Käufer sind wohl bereit, viel Geld dafür zu bezahlen. Gesetze sind da, um eingehalten zu werden! Dies zählt für beide Lager.“

Singvögel statt Motorradlärm

„Langschläfer“ meint: „Mich stören die lauten Kirchenglocken und die Singvögel, welche mir im Frühjahr meinen Schlaf rauben. Motorräder find’ ich cool, da dies mit Sound und Emotionen zu tun hat. So unterschiedlich ist die Welt!“

Zu den angekündigten verschärften Kontrollen von Polizei und Landratsamt schreibt „Carsten“: „Was soll das denn bringen, außer Steuergelder zu verbraten? Der Motorradfahrer ist - sofern sein Gefährt den Vorschriften entspricht - nicht verpflichtet, ständig darauf zu achten ob jetzt 1-2 dB weniger rauskommen. Zudem ist für das ,Feeling’ eines echten Bikers der Sound nun mal Bestandteil. Hier wird aus meiner Sicht wieder einmal mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“

„Peterle“ konterte: „Das mit den ,Spatzen’ erzählen Sie mal denen, die in der Schnaiter Bergstraße wohnen. Lassen Sie mich raten: Sie sind Biker und die Anwohner sind Ihnen sch ... egal.“

Kein Verständnis für Doppelmoral

„Domenik“ gibt zu bedenken: „Es geht doch nicht darum, ob er Motorradfahrer ist oder nicht. Fakt ist, er hat einfach recht. Wenn das Motorrad so verkauft wird und legal ist und ich damit die erlaubten 100 km/h fahre, werde ich doch nicht plötzlich 60 fahren, damit ich 2-3 dB(A) leiser bin. Da müssen dann halt Gesetze her, die den Herstellern vorschreiben, dass die Motorräder leiser werden sollen.“

„Zum Glück haben vorhandene Abgasanlagen einen Bestandsschutz, auch mit 101 dB!“, schreibt „Porsche Freak“: „Ich habe kein Verständnis für diese ewig bruddelnden Anwohner, welche am Samstag mit Ihren Rasenmähern und Motorsägen lärmen, sich aber über legale Fahrzeuge mit Sound aufregen! Welch eine Doppelmoral.“

Reaktionen auf Facebook

Auf Facebook klagte „Christina Wi“: Ja, schön wäre es, wenn endlich was passieren tät. Immer mehr Verkehr und dazu auch noch immer lauter. Wieso? Sollten da nicht eher leisere Fahrzeuge und Motorräder auf die Straße kommen? Aber so ist das in Deutschland. Die Automobilindustrie darf machen, was sie will.“

„Jas DT“ antwortete: „Aber wenn Kinder rumquengeln, brüllen oder kreischen, ist das völlig okay und man ist ein Unmensch, wenn man sich beschwert? Und da kann man keinen dB-Killer reinbauen?“

Biker Lorenz Herzog hat kein Verständnis für die Klagen der Anwohner der Bikerstrecke von Schnait auf den Schurwald. „Ich fahre in der Weinstraße grundsätzlich Vollgas, um gewisse Motorradhasser zu ärgern.“ Michael Kühnert stimmt zu: „Ich auch, lass uns mal da treffen.“ Und Chris Thorsten Schneefuss kündigt an, sich den beiden anzuschließen: „Ich komm’ mit. Geht auch gut mit’m Auto!“

Das installierte Lärmmess-Display interessiert diese Raser wenig. „Bernd Orange Judge“ nennt es schlicht „albern“. Und Moritz Weber meint: „Die Messgeräte wurden eh nur aufgestellt, dass wir unsere Lautstärke testen können und Veränderungen zur Sound-Optimierung durchführen können.“

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