Dem VfB droht ein Debakel "Diese ganze Stimmung gefällt mir nicht"

Der nächste Abstieg nach 2016 wäre für den VfB das traurige Ende einer desolaten Spielzeit. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Stuttgart. Damit hatte der VfB Stuttgart nicht gerechnet: Nach dem 2:2 im Relegations-Hinspiel gegen Union Berlin droht den Schwaben der nächste Abstieg aus der Bundesliga. Während der VfB nach dem enttäuschenden Auftritt Frust schiebt, glaubt Union an Historisches.

Am Ende blieb dem VfB Stuttgart nichts als Trotz. Wie hätten sie sich auch sonst verhalten sollen? Mario Gomez wollte lange nach dem enttäuschenden 2:2 im Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Union Berlin keine großen Reden mehr halten, der frühere Nationalspieler verließ die Stuttgarter Arena stattdessen mit einem kurzen Satz im Vorbeigehen: "Es ist noch nicht vorbei." Sein Trainer Nico Willig verglich den VfB sogar mit einem angeschlagenen Boxer, "der jetzt eine Runde verloren" habe und sich etwas schütteln müsse.

"Zuhause sind wir eine Festung"

Die Frage ist nur, wie das gelingen soll. Denn im Moment taumelt der schwer kriselnde Bundesligist zum dritten Mal in seiner langen Vereinsgeschichte dem Absturz in die Fußball-Zweitklassigkeit entgegen. Vor dem entscheidenden Rückspiel am Montag (20.30 Uhr / ZVW-Liveticker) im Stadion An der Alten Försterei darf stattdessen der Zweitliga-Dritte vom erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga träumen. "Wir sind froh, dass wir jetzt eine gute Ausgangslage haben", sagte Union-Profi Grischa Prömel. "Zuhause sind wir eine Festung."

Der nächste Abstieg nach 2016 wäre für den VfB das traurige Ende einer desolaten Spielzeit. Und aktuell spricht kaum etwas dafür, dass es nicht so kommt: Union hat in dieser Saison nur ein Pflichtspiel im eigenen Stadion verloren, der VfB zudem nur ein einziges Auswärtsspiel gewonnen. Auch die Leistung beim 2:2 dürfte vielen Schwaben kaum Anlass geben, noch an die Wende zu glauben. Wie groß der Frust ist, zeigte sich kurz nach Abpfiff. Beim Gang in die Fankurve wurden Gomez und Co. von Pfiffen und Wutausbrüchen empfangen. Einige frustrierte Anhänger verließen sogar den Block und versammelten sich hinter einer Bande.

Unverständnis bie Mario Gomez 

Bei Gomez sorgte das für Unverständnis. "Diese ganze Stimmung gefällt mir nicht", meinte der 33-Jährige am Eurosport-Mikrofon. Es bringe nichts, sich jetzt gegenseitig anzugehen. Der Angreifer erinnerte stattdessen daran, "dass man in Berlin gewinnen kann". Dafür müsste sich aber die komplette Spielanlage der Schwaben innerhalb weniger Tage wandeln. Der mut- und ideenlose Auftritt brachte die Berliner kaum in Gefahr. Die einzigen Glanzmomente waren die Führungstreffer von Christian Gentner (41. Minute) nach einem der seltenen Konter und Gomez' (51.) Duseltor. Einem klaren Konzept waren aber auch die Tore nicht gefolgt.

Darum feierten letztlich nur die Fans der Eisernen. Noch lange nach dem Abpfiff bejubelten sie den engagierten Auftritt ihrer Mannschaft, der die Schwaben nicht viel entgegenzusetzen hatten. Kurz vor Schluss hätte der starke Union-Stürmer Sebastian Andersson (90.+3) sogar fast noch das 3:2 gemacht - seinen Kopfball lenkte VfB-Keeper Ron-Robert Zieler aber mit einem Reflex über das Tor und verhinderte damit noch Schlimmeres. Bei den Treffern von Suleiman Abdullahi (43.) und Marvin Friedrich (68.) war aber auch der Ex-Weltmeister chancenlos, weil die VfB-Abwehr schwer gepatzt hatte.

"Es ist jetzt wichtig für uns zu verstehen, dass es erst die erste Halbzeit ist", appellierte Willig an seine angeschlagene Mannschaft. "Wir haben es anders erwartet, es ist jetzt anders gekommen." Ob sein Team mit dieser neuen Situation umgehen kann, muss es am Montag beweisen. Dann erwartet den VfB ein Berliner Stadion, das "brennen" werde, sagte Union-Abwehrspieler Friedrich. Er habe Respekt vor der Alten Försterei, meinte Willig. "Aber nur mit Respekt werden wir dieses Spiel nicht entscheiden. Wir wollen gewinnen."


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