Digitale Medien Eltern, fragt eure Kinder, bevor ihr Fotos teilt!

Bilder der eigenen Kinder auf Instagram & Co posten, nennt man "Sharenting". Oft werden die Kinder dazu gar nicht gefragt. Foto: Pexels / Montage: ZVW/Tantschinez

Ein Klick, und schon ist der süße Schnappschuss vom Nachwuchs auf Instagram geteilt. Oder per WhatsApp direkt an Oma und Opa gesendet. Dass Eltern die Bilder ihrer Kinder auf sozialen Netzwerken posten, das sogenannte „Sharenting“, gehört laut einer Studie in vielen Familien zum Alltag. Meistens aber werden die Kinder davor gar nicht gefragt.

Dabei haben Kinder oft eine genaue Vorstellung davon, ob, wann und mit wem Bilder von ihnen geteilt werden sollten. Das Bild mit dem Milchbart und der Zahnlücke? Für die Eltern zuckersüß, die siebenjährige Tochter könnte es aber als peinlich empfinden. Weil Kinder andere Vorstellungen haben von dem, was öffentlich oder auch nur der Verwandtschaft gezeigt werden darf. Gefragt aber werden sie in den meisten Fällen kaum – zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Universität Köln in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderhilfswerk.

Rechte von Kindern gelten auch im digitalen Raum

„Rechte von Kindern sind auch im digitalen Raum nicht verhandelbar“, kommentiert Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerk, in einer Pressemitteilung die Studie. Denn was die befragten Eltern und Kinder (zwischen 6 und 15 Jahren) in den qualitativen Interviews offenbarten, zeigt, wie oft Persönlichkeitsrechte von Kindern im Umgang mit digitalen Medien von den eigenen Eltern verletzt werden. Nicht nur beim Sharenting, wenn Eltern Fotos ihrer Kinder trotz bekannter Datensammelwut der sozialen Netzwerke unbedarft teilen. Auch im Umgang der Kinder mit sozialen Netzwerken wissen sich Eltern oft nicht anders zu helfen, als die Privatsphäre ihrer Sprösslinge mit regelmäßigen Kontrollen zu unterwandern.

Wie geht damit um, wenn die Kinder WhatsApp nutzen wollen?

Es ist nun mal ein Kreuz mit den digitalen Medien. Sie sind da, sie sind praktisch und wenn Eltern sie nutzen, wollen es Kinder auch. Zumal der Druck aus der eigenen Peergroup – also Mitschülern und Freunden – sehr groß ist. Wenn die halbe Klasse in der WhatsApp-Gruppe ist, ist man „ohne“ schnell der Außenseiter. So nutzen bereits Grundschulkinder WhatsApp, obwohl die offizielle Altersfreigabe erst bei 16 Jahren liegt. Mit Erlaubnis der Eltern, weil niemand sein Kind ins soziale Abseits stellen will. Um sie dennoch irgendwie zu schützen, wird dann kontrolliert – das Smartphone, die Chats, die Accounts – auf Kosten der Privatsphäre des Kindes. Und nicht selten landen Kontroll-Apps auf dem Smartphone, die Standort, Nutzungsart und -dauer des Handys verraten.

Spagat zwischen Schutz und Autonomie

„Einerseits wollen Eltern ihren Kindern auch im digitalen Alltag schützen, andererseits wollen sie den Kindern Freiräume und Autonomie ermöglichen. Dieser Spagat gelingt nicht immer“ fasst Professor Dr. Nadia Kutscher. Professorin für Erziehungshilfe und Soziale Arbeit an der Universität zu Köln, die Studie zusammen. Kindertageseinrichtungen, Schulen oder Erziehungsberatungsstellen könnten hier eine unterstützende Rolle übernehmen. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk plädiert für einen „modernen, ganzheitlichen Jugendmedienschutz, der gleichermaßen Schutz, Teilhabe und Kompetenzförderung von Kindern in den Medien absichert“.

Im Zuge der Diskussion um Digitalisierung an Schulen müsste anhand dieser Ergebnisse dringend auch über den Umgang mit digitalen Medien gesprochen werden. Nicht nur mit Schülern - sondern auch mit Eltern.

Die Studie:

Die Studie „Kinder. Bilder. Rechte. – Persönlichkeitsrechte von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie“ wurde von der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk erstellt. Dabei wurde auf der Basis von 37 Interviews mit Eltern und Kindern (6 bis 15 Jahre) empirisch rekonstruiert, wie der Medienerziehungszusammenhang in den befragten Familien ausgestaltet ist. Die Erhebungen fanden in insgesamt fünf Städten und Gemeinden (darunter sowohl Großstädte als auch Gemeinden im ländlichen Raum) in vier verschiedenen Bundesländern (Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) in Deutschland statt.

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