Fellbach Gewa-Tower für 15 Millionen verkauft und mit neuem Namen

, aktualisiert am 28.09.2018 - 18:14 Uhr
Der Turm bekommt neue Eigentümer und einen neuen Namen: SLT 107 Foto: Gabriel Habermann

Fellbach. Das Fellbacher Pleite-Hochhaus ist rechtskräftig verkauft. Mit dem Verkauf an die CG-Gruppe des Investors Christoph Gröner ändert sich auch der Name. Ab sofort heißt der Gewa-Tower „SLT 107 Schwabenlandtower“. Die Warmmieten in den 192 Wohnungen sollen zwischen 16 und 25 Euro pro Quadratmeter liegen.

Aus dem vermeintlichen Nobel-Tower für Manager und Sport-Promis wird ein Hochhaus mit kleinen, teilmöblierten Mietwohnungen. Ende 2020 sollen die Bewohner einziehen können. Nach fast zweijährigem Baustopp werden in den nächsten Tagen die Arbeiten wieder aufgenommen. Das wurde auch höchste Zeit, denn im November wäre die Baugenehmigung ausgelaufen. Danach wäre ein Verkauf des Turms nach Einschätzung des Insolvenzverwalters Ilkin Bananyarli schwierig bis unmöglich geworden. Das Hotel am Fuß des Towers wird um eine Etage aufgestockt und soll bei 165 Zimmern in etwa den Standard drei plus oder drei minus haben. Die unschön geratene Fassade wird abgerissen und nach den ursprünglichen Plänen wieder aufgebaut. Das Beton-Schrägdach, über das sich Investor Christoph Gröner schon vom Flugzeug aus amüsiert hat, würde er gerne abreißen. Der 50-jährige Multimillionär ist als junger Bauunternehmer groß geworden und hat schon „in allen Gewerken“ geschafft.

In Kürze wird auf der Baustelle wieder gearbeitet

Das Kürzel „SLT“ steht für Schwabenlandtower, die Zahl 107 für die Höhe des Gebäudes. Die Anlehnung an die Schwabenlandhalle wurde bewusst gewählt, sagt George Moutoulis von der vor einem Jahr gegründeten Stuttgarter Niederlassung der CG-Gruppe. Gesucht wird damit die Anbindung an die emotionale Identität der Fellbacher, die den Stillstand auf der Baustelle mit wachsender Sorge und auch mit Wut beobachteten. Zuerst werden diverse Bausicherungsmaßnahmen am Gebäude durchgeführt. Das Büro Wolf Architekten/Ingenieure arbeitet bereits die aktuellen Entwürfe in eine konkrete Bauplanung um. Der Umbau selbst wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 starten.

Neben dem Böblinger City Carré und dem Schwabenlandtower will sich die bundesweit in Großstädten aktive Immobiliengesellschaft nun auch in Baden-Württemberg verstärkt engagieren. Ob Berlin, Leipzig oder Düsseldorf: Niemand baut in Deutschland so viele Wohnungen wie die CG-Gruppe. Zielgruppe für die kleinen Wohneinheiten, etwa sechs bis sieben pro Etage, sind vor allem junge Leute mit guten Jobs bei Daimler und Co. Insofern werde der Tower laut dem Vorstandsvorsitzenden Christoph Gröner „exakt auf die Bedürfnisse des wirtschaftsstarken Standortes zugeschnitten“. Erfahrungsgemäß würden außerdem rund 25 Prozent Senioren einziehen.

Läuft der gescheiterte Luxus-Tower mit seiner Anonymität von 192 Wohnungen nicht Gefahr, ungewollte Nutzungen, etwa aus dem Rotlicht-Milieu, anzulocken? Ganz auszuschließen sei das natürlich nicht, räumt Christoph Gröner ein – notfalls müsse derlei per Anwalt unterbunden werden. „Ich hab auch schon eine Bauarbeiter-Unterkunft für 16 Männer in einer Zwei-Zimmer-Wohnung auflösen lassen.“ Mit einem wachsamen Auge auf die Bewohnerstruktur behält sich die CG-Gruppe die Auswahl der Erstmieter selbst vor. In einem zweiten Schritt will sie die Wohnungen dann an „institutionelle Vermieter“ verkaufen. Also etwa an Versicherungen, die damit die Rentenzahlungen an ihre Anleger finanzieren.

Investor: Es werden sogar Parkplätze übrigbleiben

Gekostet hat der Gewa-Tower 15 Millionen Euro. Ohne die 44 Wohnungen, die bereits verkauft waren und den Erwerbern mit einem Aufpreis von fünf Prozent wieder abgekauft wurden. Unter bestimmten Bedingungen kann sich der Kaufpreis um eine Million erhöhen. Dreimal so viele Wohnungen wie geplant - da scheint im engen Quartier Parkplatznot nur logisch. Christoph Gröner allerdings überrascht mit der Ankündigung, dass womöglich Dutzende Stellplätze übrigbleiben. Denn die ins Auge gefasste Klientel brauche überwiegend kein Auto – bei einem ähnlichen Projekt in Düsseldorf wurden Stellplätze sogar in Lagerräume umgewandelt. Der Investor setzt daher auf ein Mobilitätskonzept mit Car-Sharing und 100 Fahrrad-Stellplätzen – die Stadt Fellbach entwickelt sicherheitshalber einen neuen Parkierungsplan und versucht, in der Umgebung Stellplätze zu finden.


Reaktionen auf den Verkauf

Damit können die Gläubiger der Gewa-Anleihe mit mehr Geld rechnen, als zu Beginn der Sanierungsverhandlungen realistisch erschien, kommentiert deren Vertreter, der Rechtsanwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen. Die Alternative, dass Anleger und Eigentümer den Turm selbst weiterbauen, wurde damit hinfällig. Die Umwandlung in Mietwohnungen nennt er die „goldene Idee“ des Projekts. „Persönlich bin ich der festen Überzeugung, dass für die Anleger unter den gegeben Umständen nicht mehr hätte realisiert werden können.“

Die Gewa-Anleihe machte diese Woche einen Satz von 24 auf 34 Prozent ihres Ursprungswerts.

Die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull sagt: „Wir freuen uns, dass mit der CG-Gruppe der Tower eine Zukunft hat. Das Konzept der Mietwohnungen wird die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt etwas entlasten und passt gut in die heutige Zeit. Der nachhaltige Ansatz, Wohnen und Mobilität zusammenzudenken, setzt ein deutliches Zeichen, Verkehr künftig umfassender zu begreifen. Die Fertigstellung des Gebäudes liegt der Stadt sehr am Herzen.“

Ilkin Bananyarli von der Pluta Rechtsanwalts GmbH erklärt: „Die Verhandlungen waren zeitintensiv, aber unsere Ausdauer hat sich gelohnt. Ich freue mich über den erfolgreichen Verkauf. Das ist die bestmögliche Lösung für die Gläubiger, für die Wohnungskäufer und für Fellbach. Alle Beteiligten haben sehr gut zusammengearbeitet.“

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