Fellbach Türkische Gemeinde klagt Terror in Hanau an

Der Fellbacher Gökay Sofuoglu ist Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Rems-Murr-Kreis.
Die Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg (tgbw) ist entsetzt über den rassistischen Anschlag in Hanau. Der Fellbacher Gökay Sofuoglu, Landesvorsitzender der tgbw und Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, erklärt: „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, den Familien und Freunden der Opfer. Ihnen gilt unsere Aufmerksamkeit, unsere Solidarität, unser Mitgefühl. Wir leiden mit ihnen, denn jede und jeder von uns weiß: Das hätte ich sein können!“

Sofuoglu weiter: „Wir klagen diesen rassistischen Terror an. Und wir verurteilen alle, die mit dem Gift des Rassismus Stimmung und Politik machen und die Saat des Hasses breit verteilen. Ihnen müssen wir auf allen Ebenen entschieden und mit allen Kräften den Boden entziehen, denn: Wo die Grenzen des Sagbaren verschoben werden, da keimt und wächst die Gewalt.“

AfD destabilisiert die Demokratie

Aus Sofuoglus Sicht ist „das erklärte Ziel rechtsextremer Terroristen und ihres parlamentarischen Arms, der AfD, die Destabilisierung unserer Demokratie und das Herbeiführen bürgerkriegsähnlicher Zustände. Wir alle sind jetzt gefragt. Es braucht die volle und dauerhafte Konzentration der Sicherheitsbehörden auf den Rechtsextremismus. Menschen, die von Rassismus, Diskriminierung und rassistischer Gewalt betroffen sind, müssen das Gefühl haben, dass dieses Land und diese Verfassung ihnen Schutz bieten.“

Sofuoglu und die Türkische Gemeinde fordern als „ersten Schritt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der sich mit dem rechtem Terror und dem Rassismus in Deutschland beschäftigt“.

Die Türkische Gemeinde ist eine Interessenvertretung türkischstämmiger Deutscher und in Deutschland lebender Türken gegenüber staatlichen Instanzen und zur Information der Öffentlichkeit. Der Verein ist sehr ausdrücklich pluralistisch orientiert und den freiheitlichen, demokratischen, sozialen und rechtsstaatlichen Prinzipien der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet; er versteht sich nicht als explizit religiöse Interessenvertretung, sondern will auch Leute mit liberaler und sozialdemokratischer Orientierung vertreten, ob Arbeiter, Akademiker oder Selbstständige.

Die Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg tritt auch entschlossen gegen antisemitische Umtriebe ein

Sofuoglu als Sprecher der Türkischen Gemeinde wirbt regelmäßig dafür, dass türkischstämmige Menschen sich in Deutschland engagieren, am politischen Leben aktiv teilhaben, sich auch der Debatte stellen. Sofuoglu hat wiederholt in Interviews auch mit dieser Zeitung den undemokratischen Regierungsstil des türkischen Präsidenten Erdogan kritisiert.

Die tgbw tritt seit Jahren auch entschlossen gegen antisemitische Umtriebe ein und arbeitet dabei eng zusammen mit Dr. Michael Blume, dem Beauftragten des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus. Ferner hat die tgbw die Beratungsstelle „Leuchtlinie“ aufgebaut: Sie steht allen Menschen in Baden-Württemberg – egal, welcher Herkunft – bei, die von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen sind. Leuchtlinie hilft, wenn Menschen Übergriffe auf die eigene Person erleben mussten, unter Bedrohung, Beleidigung und Verleumdung leiden, Pöbeleien erfahren haben oder wirtschaftliche Schädigung hinnehmen mussten. Die tgbw tritt ferner auch für die Rechte von Schwulen und Lesben ein und nimmt seit Jahren am Stuttgarter Christopher Street Day teil.

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