Gemeinderatswahl 2019 Die wichtigsten Themen für Remshalden

Das Remshaldener Rathaus und der Marktplatz davor: Viel leere Steinfläche und wenig Menschen. Mehr Leben soll hier durch die Realisierung der Neuen Mitte einkehren, der weiteren Bebauung des Gebiets gegenüber vom Rathaus. Wie genau, das ist eine der Fragen, bei denen der neue Gemeinderat viel gestalten kann – aber auch in der Pflicht steht, das Gebiet sinnvoll und unter Einbeziehung der Bürger zu entwickeln. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Remshalden. Auf den neuen Remshaldener Gemeinderat kommen so spannende wie schwierige Themen zu. In Grunbach muss ein großes Neubaugebiet geplant und sinnvoll ins bestehende Wohngebiet integriert werden. Die große Frage, die den Gemeinderat seit Jahren begleitet, verlangt eine Entscheidung: Was wird aus der Neuen Mitte? Daraus ergibt sich eine noch kniffligere: Wo bleiben dann die Ortskerne?

Remshalden wächst. In den vergangenen Jahren gab es einige Neubaugebiete und weitere werden kommen, außerdem sind viele junge Familien in den Wohnungsbestand nachgezogen, wo von älteren Remshaldenern bewohnte Häuser frei geworden sind. Das ist eine gute Nachricht für die Gemeinde, doch sie bringt auch Verpflichtungen mit sich: Die Infrastruktur muss mitwachsen und sich verändern.

Die deutlichste und direkteste Auswirkung des Wachstums: Die Kinderbetreuungsplätze werden extrem knapp. Darauf hat die Gemeinde bereits reagiert. Pläne für zwei neue Kindertagesstätten sind durch einen Architektenwettbewerb bereits vorhanden. Die erste entsteht in der Wilhelm-Enßle-Straße in Geradstetten dort, wo bis vor einigen Jahren bereits ein Kindergarten war. Die zweite ist in der Lilienstraße in Grunbach geplant. Eine dritte soll in Grunbach-Süd auf dem ehemaligen Realschul-Areal entstehen, wenn dieses abgerissen und neu bebaut wird.

Neues Wohngebiet mit Bürgerbeteiligung

Aus dem 10 000 Quadratmeter großen Areal in Grunbach-Süd, auf dem derzeit noch das alte Schulgebäude verfällt, soll in den kommenden Jahren ein Wohngebiet werden. Einen Rahmenplan hat der Gemeinderat dafür schon entworfen, diese soll im Sommer den Bürgern vorgestellt werden, die an der Planung beteiligt werden sollen. Die Herausforderung ist dabei für den neuen Gemeinderat nicht nur der weitere Kindergarten, sondern die Frage: Wie kann das große neue Wohngebiet sinnvoll in den Bestand integriert werden? Anders formuliert lautet sie: Wie können die Bewohner von Grunbach-Süd so mitgenommen werden, dass sie das Gefühl haben, bei der Planung wirklich gehört zu werden, und dass sie keine Verschlechterung oder im besten Fall sogar eine Verbesserung ihrer Wohnsituation zu befürchten haben? Gerade die Verkehrsanbindung, die nur über die schmale und durch den Verkehr des IHK-Bildungshauses eigentlich schon teilweise völlig überlastete Goethestraße funktioniert, ist eine Herausforderung. Außerdem gibt es in Grunbach-Süd keinen einzigen Laden und auch keine Bushaltestelle.

Es ist die Ortsteilstruktur, die Remshalden auch für den Gemeinderat so spannend wie schwierig macht. Allen Ortsteilen in allen Bereichen voll gerecht zu werden, ist praktisch unmöglich. Der Verkehrsinfrastruktur kommt eine große Bedeutung zu. Bürger beklagen immer wieder die in ihren Augen schlechten Busverbindungen. Bürgermeister Reinhard Molt nahm das Wahlversprechen mit ins Amt, ein umfassendes „Mobilitätskonzept“ aufzustellen, das von Bus und Bahn über Fußgänger und Radfahrer bis zu den Autofahrern allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird und die verschiedenen Verkehrsmittel besser vernetzt. Es wird dabei auch darum gehen, wie viel Geld die Gemeinde bereit ist, auszugeben, damit sich der Busverkehr so verbessert, wie es dem Bedarf entspricht – eine Entscheidung, die der Gemeinderat am Ende treffen muss.

Verkehr, Verkehr, Verkehr und Nahversorgung

Der Autoverkehr spielt für die Ortskerne auch noch eine andere Rolle. Von Geradstetten reden viele als „Straßendorf“, weil da zentral eben nicht viel mehr ist als eine Durchgangsstraße. Der Autoverkehr dominiert den Ort. Genauso ist es in Grunbach. Hier gibt es zwar noch viel mehr Geschäfte im Ortskern, aber auch hier ist der Autofahrer König. Beim HGV, aber auch bei einigen Gemeinderatsfraktionen, gibt es – nicht erst jetzt – Stimmen, die nach Tempo 30, flankiert von gestalterischen Maßnahmen, rufen, damit die Ortsmitte für Fußgänger und Radfahrer attraktiver wird. Ob das Thema wirklich auf die Tagesordnung kommt, wird sich zeigen.

Zum Spannungsfeld der Nahversorgung in den Ortskernen gehört auch das Thema Neue Mitte – und das kommt auf den neuen Gemeinderat ziemlich sicher ganz konkret zu. Das Areal beim Rathaus in Geradstetten wartet seit dessen Einweihung vor mehr als zehn Jahren auf seine Weiterentwicklung. Verschiedene Gründe verhinderten diese. Ein Problem, das immer noch ungelöst ist, ist das Thema Hochwasser, weil für die Wiesen dort hohe Überschwemmungsgefahr besteht. Obwohl es bereits einen Plan für die Neue Mitte gibt, mit Wohnen und Einzelhandel, wird sich, nachdem der Plan viele Jahre in der Schublade verbracht hat, erneut die Frage stellen: Was muss dort eigentlich aus heutiger Sicht hin? Manche zweifeln sogar ganz am Sinn der Neuen Mitte – eben auch unter der Befürchtung: Sterben die Ortskerne dann völlig aus? Es sind also knifflige Fragen, die der neue Gemeinderat zu lösen hat.

Es gibt weitere Aufgaben, die auf der To-do-Liste stehen. Das Gewerbegebiet Riedwiesen, die Weiterführung des Gebiets Breitwiesen, wird Thema sein. Es soll ein Konzept für die Sportstätten entstehen, um zu prüfen, welche Hallen noch gebraucht werden. Über allem steht dabei das Geld – das Remshalden nicht hat. Es wird eine große Herausforderung sein, in den nächsten Jahren den Laden finanziell am Laufen zu halten. Es werden Sparmaßnahmen nötig sein, um den Haushalt so ins Lot zu bringen, dass alle Ausgaben und Abschreibungen gedeckt werden können, wie es ab 2020 nach dem Neuen Kommunalen Haushaltsrecht Pflicht ist. Gleichzeitig gibt es bei der Infrastruktur, angefangen bei Schlaglöchern in den Straßen, Investitionsbedarf, und die neuen Kitas werden die Personalkosten weiter stark ansteigen lassen. Das sind die Zwänge, in denen ein Gemeinderat, bei allem Gestaltungswillen, steckt.


22 Sitze zu vergeben

Am Sonntag, 26. Mai, wird bei der Kommunalwahl der Gemeinderat für fünf Jahre neu gewählt.

In Remshalden treten fünf Parteien und Gruppierungen zur Wahl an: Bürgerliche Wählervereinigung (BWV), CDU, SPD, Freie Wähler/FDP und Alternative Liste (ALi).

Der Remshaldener Gemeinderat hat 23 Sitze, 22 davon sind bei der Wahl zu vergeben, den 23. Sitz mit Stimmrecht hat der Bürgermeister.

  • Bewertung
    3

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!