Gemeinderatswahl 2019 Die wichtigsten Themen für Waiblingen

Der Autoverkehr nimmt ständig zu. In Zukunft sind innovative Konzepte für die Mobilität gefragt. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Neue Baugebiete entwickeln, bestehende wie die Korber Höhe neu beleben. Stadtentwicklung zwischen der Bahnhof- und der Fronackerstraße, kluge Verkehrslösungen, die die Pendlerregion vor dem Zusammenbruch bewahren sollen: Viel Arbeit kommt auf den neuen Gemeinderat zu, der am 26. Mai gewählt wird und den Alltag der Bürger in den kommenden fünf Jahren entscheidend bestimmen wird.

Lange wurde über die Nachnutzung des Krankenhaus-Areals diskutiert. Jetzt ist die Erschließung abgeschlossen, am 23. Mai findet der erste Spatenstich für die rund 210 Wohnungen und die Kindertagesstätte statt.

Auch im Bittenfelder Baugebiet Berg-Bürg rollen bald die Bagger an. Der Wohnungsbau bleibt für den Gemeinderat aber auch in den kommenden fünf Jahren eins der großen Themen. Bezahlbare Mietwohnungen fehlen, und zwar nicht nur im sozialen Wohnungsbau, sondern für alle Schichten. Nur mit Lückenschlüssen im Innenbereich wird das nicht zu machen sein. Der Gemeinderat hat für neue Flächen deshalb einen Suchlauf gestartet, dessen Ergebnisse zur Diskussion stehen werden. Eine Arrondierung steht etwa in der Spitalhalde in Neustadt an, wo die Stadt im Vorkaufsrecht Gärtnereiflächen erworben hat.

Die Zahl der Einwohner ist um 3500 gewachsen

Erinnern wir uns: 2014 war die Stadt angesichts des demografischen Wandels vor der entscheidenden Frage gestanden, wie Waiblingen seine 53 000 Einwohner halten will. Die Angst vor einer überalterten Gesellschaft, vor leerstehenden Kitas kursierte. Heute leben in Waiblingen aufgrund von Zuzügen, Zuwanderung und wieder steigender Geburten mehr als 56 500 Menschen, Tendenz steigend. Kindergärten fehlen, Container wurden bereits zu Interimskitas umfunktioniert. In Waiblingen-Süd steht nun der Bau eines viergruppigen Kindergartens an, das Kinderhaus Mitte wird saniert. Mit allen bereits beschlossenen und geplanten Maßnahmen entstehen im gesamten Stadtgebiet bis 2021/22 rund 380 Plätze für über Dreijährige und knapp 70 Plätze für unter Dreijährige. Bei den Schulsanierungen steht nach dem Salier- nun das Staufer-Gymnasium auf der Agenda. Die Comeniusschule muss instand gesetzt werden und soll dann Teilen des Kinderhauses Mitte während dessen Umbaus als Interimsquartier dienen. Anschließend könnte dort die Musikschule Platz finden, für die schon seit einiger Zeit eine Lösung gesucht wird.

Pendlerstadt Waiblingen braucht saubere Verkehrskonzepte

Apropos Lösungen: Die braucht Waiblingen auch für seine Verkehrsprobleme. Denn mit steigenden Einwohnerzahlen und mehr Durchgangsverkehr werden die nicht kleiner. Während Teile des Gemeinderats von einer Nordosttangente träumen, lehnen andere diese Bundesstraße erbittert ab. Fakt ist: Waiblingen ist eine Pendlerstadt und braucht saubere Verkehrskonzepte. Für die S-Bahn-Nutzer wird nach der Gartenschau das Park-and-Ride-Parkhaus am Bahnhof abgebrochen und neu gebaut. Auch der Ausbau der E-Mobilität ist für viele ein Gebot der Stunde. Kluge Konzepte braucht es für den ÖPNV und das Radwegenetz, was nebenher auch das schlechte Image der Stadt bei den Radfahrern verbessern würde. Dass Waiblingen als Radfahrerstadt nicht gerade punktet, hat jüngst wieder der Fahrradklimatest des ADFC gezeigt: Die Radfahrer bewerteten Waiblingen mit der Note vier. Raum und intelligente Lösungen braucht es für alle Verkehrsteilnehmer - ÖPNV-Nutzer, Fußgänger, Radfahrer, Lkw- und Autofahrer. Ein Fußwege-Check für die Gehwege in der Stadt ist bereits beschlossen.

Städtebauliches Konzept für Areal zwischen Bahnhof- und Fronackerstraße

Den Umbau des Bahnhofvorplatzes hat der Gemeinderat überraschend verhindert – ein Thema bleibt das unübersichtliche Durcheinander von Autos, Fußgängern, Bussen und Radfahrern gleichwohl. Der neue Rat wird sich irgendwann damit beschäftigen müssen. Außerdem muss ein städtebauliches Konzept für das Areal zwischen Bahnhof- und Fronackerstraße erarbeitet werden. Was ist erwünscht? Einzelhandel? Gastronomie? Wohnungen? Höher und verdichteter als bisher? Mit diesem Fragen muss sich der Rat auseinandersetzen. Am Bahnhof wird nach der Gartenschau das Hotel Koch abgerissen und neu gebaut. Maßnahmen sind auch gegen das Ladensterben in der Altstadt gefragt. Eine Umfrage zum Wochenmarkt hat bereits Ansätze ergeben: Kleine Veranstaltungen sollen Kunden auf den Markt ziehen, weitere Stände sollen das Angebot vergrößern.

Vielleicht kommt einmal ein durchgängiger Radweg

Themen aus den Ortschaften stehen ebenfalls auf der Agenda. In Beinstein wird endlich das Pflegeheim gebaut. Auf dieses müssen die Neustädter noch länger warten. Dafür bekommen sie eine Neue Mitte mit einer Rathausdependance, Wohnungen und den lang gewünschten Pflegeplätzen. Bei den Neustädtern stieß das Projekt auf großes Interesse und auf Zustimmung. In Hegnach, der Ortschaft, die besonders vom Verkehr gebeutelt ist, geht die Umgestaltung der Neckarstraße in die letzte Runde. Ein Thema wird dort auch Sanierung oder Neubau der Hartwaldhalle. In Bittenfeld steht ein Teil-Umbau der Schillerschule auf dem Programm mit dem Ziel, dort eine Kita unterzubringen. Und in Hohenacker? Dort drängt die CDU schon lange auf eine Beruhigung der Ortsdurchfahrt. Auch die Radwege sind ein Thema - aber nicht nur da: Eine durchgängige und attraktive Radwegeverbindung von Bittenfeld über Hohenacker und Neustadt bis Waiblingen schien bisher nicht realisierbar. Vielleicht wird sie ja in den kommenden fünf Jahren Wirklichkeit.


32 Sitze im Rat

Am Sonntag, 26. Mai, wird der Gemeinderat neu gewählt. Bei der Kommunalwahl werden darüber hinaus Ortschafts- und Kreisräte für die kommenden fünf Jahre gewählt.

In Waiblingen stehen neun Parteien und Gruppierungen zur Wahl. Neu im Spiel ist die Tierschutzpartei, die mit vier Leuten antritt – ungeachtet dessen, dass auch die Gruppe „Grüne, Natur- und Tierfreunde Waiblingen“ (Grünt) wieder dabei ist. Und auch die AfD stellt sich zur Wahl: mit zwölf Leuten, vier davon Frauen. Daneben treten die im Rat bereits vertretenen Parteien und Listen CDU, SPD, FDP, FW-DFB, ALi und Bübi an.

Der Waiblinger Gemeinderat hat 32 Sitze. Stimmberechtigt ist auch der Oberbürgermeister.

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