Gemeinderatswahl 2019 Die wichtigsten Themen für Weinstadt

Wegen Arbeiten an der Decke war das Stiftsbad für rund zwei Monate geschlossen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann in dem fast 50 Jahre alten Gebäude wieder eine Reparatur ansteht. Für den Schul- und Vereinssport ist das ein Problem – denn es gibt in Weinstadt keine Alternative. Foto: ZVW/Rainer Bernhardt (Archiv)

Weinstadt. Welches Projekt kann noch geschoben werden – und was muss definitiv kommen? Diese Frage wird den neuen Weinstädter Gemeinderat in den nächsten fünf Jahren umtreiben. Ein Vorhaben indes darf sich nicht mehr verzögern: Weinstadt braucht dringend einen Ersatz für das fast 50 Jahre alte Stiftsbad – und zwar am Bildungszentrum.

Genau drei Themen treiben die Weinstädter laut einer repräsentativen Umfrage unserer Zeitung besonders um: die Wohnungsnot, dicht gefolgt vom Verkehr und dem Wunsch nach einem neuen Hallenbad. Die ersten beiden Herausforderungen landeten auch in den 16 anderen Kommunen im Verbreitungsgebiet des Zeitungsverlags Waiblingen ganz vorne. Zudem kann der Stadt insbesondere im Kampf gegen die Wohnungsnot aktuell nun wirklich keine Untätigkeit vorgeworfen werden: Im Endersbacher Neubaugebiet Halde V sollen rund 500 Menschen wohnen, in der Schnaiter Furchgasse rund 120. In der Halde V steht zudem bereits fest, dass hier viele Mietwohnungen Sozialwohnungen sein werden. Vieles vage ist dagegen in Sachen Hallenbad.

Das Bädle in Strümpfelbach ist keine Alternative

Jenes Thema hat Weinstadt bei unserer Umfrage in den Top drei fast exklusiv, mit Ausnahme von Korb, wo das marode Hallenbad den ersten Platz belegt. Seit Jahren wühlt die Frage eines Hallenbad-Neubaus viele Weinstädter auf. Gleichzeitig geht es bei kaum einem Thema so schleppend vorwärts wie hier – und das liegt auch daran, dass schon harte Kämpfe zwischen Gegnern und Befürwortern ausgefochten wurden.

Dass die Weinstädter sich um ihre Bäder sorgen, ist indes nicht neu. Als in den 2000er Jahren das Mineralbad Cabrio geschlossen wurde, das im Winter als Hallenbad und im Sommer als Freibad fungierte, trieb das Thema viele auf die Barrikaden, allen voran die Schwimmer. Plötzlich war das 1970 gebaute Stiftsbad das einzige Hallenbad, in dem überhaupt Schwimmtraining stattfinden konnte. Im Gegensatz zum Cabrio war das Stiftsbad aber nie voll wettkampftauglich, weil die Bahnen nicht lang genug sind. Und das Bädle in Strümpfelbach, das vom Bädlesverein betrieben wird, ist auch keine Alternative, weil es aufgrund seiner Größe nur für Wassergymnastik und Schwimmkurse für jüngere Kinder geeignet ist.

Cabrio-Ruine in Endersbach steht bis heute

Vor exakt neun Jahren hätte Weinstadt beinahe schon mal ein neues Hallenbad bekommen. Im Gemeinderat gab es 2010 nach jahrelangen Diskussionen eine knappe Mehrheit, am Standort des alten Cabrios für sechs Millionen Euro ein neues Hallenbad zu bauen. Eine Bürgerinitiative unter der Führung der Beutelsbacher Doris Groß (GOL) und Volker Gaupp (CDU), die seit 2014 auch beide im Gemeinderat sitzen, sammelte daraufhin 5398 gültige Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Die Abstimmung im Oktober 2010 brachte das Projekt zu Fall: Mit Ausnahme von Endersbach stimmte in allen vier anderen Weinstädter Stadtteilen eine Mehrheit gegen den Hallenbad-Neubau.

Die Bindung an diesen Bürgerentscheid lief zwar im Herbst 2013 aus, aber das Thema war dennoch auf dem Abstellgleis gelandet. 2017 gab es noch mal Schlagzeilen, als herauskam, dass der Rückbau der Cabrio-Ruine in Endersbach deutlich mehr kostet als die zunächst berechneten 750 000 Euro. Ergebnis: Die Ruine steht bis heute.

Glück: Stabilität der Stiftsbad-Decke kann durch Netz gesichert werden

Als im vergangenen Jahr plötzlich die Decke des Stiftsbads untersucht werden musste, war das Thema zurück auf der Agenda. Am 9. November musste das Bad geschlossen werden, die Decke wurde mit Blick auf die Stabilität von Experten untersucht. Mancher Stadtrat hatte schon Sorge, dass Investitionen im sechsstelligen Bereich bevorstehen. Ende November dann die erlösende Nachricht: Die Stabilität der Decke kann durch ein Netz gesichert werden. Kosten: 30 000 Euro. Der Schock hat indes dazu geführt, dass dem Hallenbad-Neubau etwas mehr Priorität beigemessen wird. Oberbürgermeister Michael Scharmann erklärte Ende Januar, dass er die Weinstädter Stadtwerke prüfen lässt, wie viel Bau und Betrieb eines neuen Hallenbads am Bildungszentrum kosten würden – und welchen steuerlichen Vorteil es bringen würde, wenn die Stadtwerke als Betreiber fungieren. Ein Ergebnis ist öffentlich noch nicht verkündet worden.

Klar ist, dass eine Sanierung des Stiftsbads keine ernsthafte Alternative ist. Klare Beschlusslage des Gemeinderats ist: Wäre eine größere Investition fällig, dann wird das Bad geschlossen. Dann stehen Schul- und Vereinssport vor dem Aus. Wer denkt, dass es in Nachbarkommunen Kapazitäten bei Hallenzeiten für auswärtige Vereine und Schulen gibt, irrt. Weinstadt muss in den nächsten fünf Jahren den Bau eines Hallenbads beschließen, sofern dem Gemeinderat der Wille der Bürger wichtig ist.


26 Sitze zu vergeben

Der Weinstädter Gemeinderat wird am Sonntag, 26. Mai, neu gewählt. Auch können die Bürger an diesem Tag über die Zusammensetzung des Kreistags abstimmen.

In Weinstadt treten nur jene vier Listen an, die bereits seit vielen Jahren im Gemeinderat vertreten sind. Die CDU (derzeit neun Sitze, holte 2014 bei der Wahl 35,4 Prozent der Stimmen), die Freien Wähler (derzeit sieben Sitze, 27,7 Prozent), die SPD (fünf Sitze, 19,6 Prozent) und die Grüne Offene Liste, kurz GOL (fünf Sitze, 17,2 Prozent). Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Waiblingen treten neun Listen an.

Der Weinstädter Gemeinderat hat 26 Sitze. Stimmberechtigt ist auch Oberbürgermeister Michael Scharmann (seit 2016 im Amt).

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