Gemeinderatswahl 2019 Die wichtigsten Themen für Winterbach

Die Winterbacher Ortsmitte von der Bahnlinie aus gesehen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winterbach. Für die Probleme, die der Winterbacher Gemeinderat in den kommenden Jahren zu lösen hat, gibt es keine einfachen Lösungen. Der zunehmende Fahrzeugstrom, der sich durch die Ortsmitte wälzt, ist ein Fakt und lässt sich nicht abstellen. Genauso kann die Gemeinde nur schwer Bauland aus dem Boden stampfen. Kreative Ideen sind also gefragt.

Man könnte angesichts der abgearbeiteten Themen der vergangenen Jahre fast den Eindruck gewinnen: So richtig große Themen gibt es eigentlich für den neuen Winterbacher Gemeinderat gar nicht mehr. Die Ortsmitte ist saniert und umgebaut, ein großer Teil der Lehenbachschule grundlegend erneuert, das Pflegeheim saniert, vergrößert und an die Awo in gute Hände verkauft, die Gartenschau läuft, und Windrad-Grundsatz-Diskussionen sind auch keine mehr zu führen. Aber natürlich wird es dem neuen Gemeinderat nicht langweilig, im Gegenteil. Große Herausforderungen stehen an, für die einfache kommunalpolitische Lösungen derzeit noch nicht in Sicht sind.

Ein Verkehrskonzept soll den Verkehrsknoten lösen

Winterbach hat im Gegensatz zu vielen anderen Remstal-Gemeinden das Glück, dass große Teile des Orts, vor allem die Wohngebiete, relativ weit weg von der B 29 liegen. Dafür hat Winterbach eine extrem stark befahrene Ortsdurchfahrt, über die sich viel Verkehr von der anderen Seite des Schurwalds und umgekehrt wälzt. Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2018 sind es bis zu 12 000 Fahrzeuge täglich. Das führt zu Lärm und Gestank und bringt den Verkehr oft auch zum Stocken.

In einer repräsentativen Umfrage der KIM Oberndorf im Auftrag des Zeitungsverlags Waiblingen, bei der nach den größten Problemen im Ort gefragt wurde, nannten die meisten Winterbacher den Verkehr auf der Ortsdurchfahrt und seine Folgen.

Bürgermeister Sven Müller will mit dem Gemeinderat nach der Remstal-Gartenschau ein Verkehrskonzept angehen, das alle Verkehrswege und Verkehrsteilnehmer in den Blick nimmt und im optimalen Fall Lösungen für die bestehenden Probleme bringt. Außerdem hat der Gemeinderat einen Lärmaktionsplan verabschiedet, dessen Umsetzung in den kommenden Jahren ansteht. Maßnahmen sind zum Beispiel Temporeduzierungen auf 30 oder 40 in der Ortsdurchfahrt. Das hat die Gemeinde allerdings nicht selbst in der Hand, da das Landratsamt für die Straße zuständig ist. Dieses hat schon mitgeteilt, dass so eine Temporeduzierung für die ganze Ortsdurchfahrt nur schwerlich denkbar ist.

Gemeinderat muss kreativ werden

Da deutete sich an, wie schwer die Umsetzung von Maßnahmen eines Verkehrskonzepts, das noch entstehen soll, tatsächlich werden kann. Der Gemeinderat muss hier kreativ werden. Denn die Zahl der Autos auf den Straßen ist weiter steigend und daran wird die Winterbacher Kommunalpolitik nichts ändern.

Eine Debatte wird im Zuge des Verkehrskonzepts auch wieder auf den Tisch kommen: die, die seit Jahrzehnten immer wieder über den Bau einer Umfahrung des Orts im Westen geführt wird. Der Gemeinderat war dazu zuletzt gespalten. Viele fürchten, dass eine Westumfahrung sogar noch viel mehr Verkehr nach Winterbach bringt. Bei realistischer Betrachtung dürfte die Umgehungsstraße auch in den kommenden paar Jahren keine Realität werden, aber ein Diskussionsthema für den neuen Gemeinderat wird sie sicher. Mal wieder.

Nicht nur der fließende, auch der ruhende Verkehr ist in Winterbach immer wieder Gegenstand der Diskussion und wird den Gemeinderat beschäftigen. Genauer gesagt: der Parkplatzmangel, der ebenfalls ein Symptom der steigenden Zahl von Autos ist. Auch dieses Problem ist schwer zu lösen, denn der Wunsch vieler Autofahrer nach ständig und überall verfügbaren Parkplätzen direkt vor dem Laden oder der Arztpraxis lässt sich schlicht und einfach nicht erfüllen. Es braucht also andere Konzepte oder Anreize für Autofahrer, zur Verfügung stehende Plätze wie in der vorhandenen Tiefgarage zu nutzen.

Kein Platz für große Baugebiete, Baulücken behutsam nutzen

Wie in allen Gemeinden in der Region Stuttgart ist in Winterbach die Nachfrage nach Wohnraum immens hoch – und es gibt kaum noch bebaubare Flächen. Winterbach hat in der nächsten Zeit keine Möglichkeit, ein größeres Baugebiet auszuweisen. Deswegen geht es für Verwaltung und Gemeinderat darum, vorhandene Baulücke im Ort bestmöglich zu nutzen und Neubauvorhaben sinnvoll in den Bestand einzubinden. Denn die Gefahr, dass dadurch neue Problemzonen in Sachen Verkehr und Parkplatzmangel entstehen, ist groß.

Ein Riesenthema, mit dem die Schwierigkeit, neuen Wohnraum zu schaffen, direkt zusammenhängt, ist das Hochwasser. Große Teile von Winterbach liegen laut Gefahrenkarten im Gebiet einer Flut, wie sie statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt, dem hundertjährlichen Hochwasser (HQ 100). In allen betroffenen Flächen gilt ein Bauverbot, sofern nicht Retensionsraum fürs Wasser als Ausgleich geschaffen wird. Und auch solche Ausgleichsflächen bedeuten nicht, dass kein Hochwasserschutz mehr nötig ist. Dafür hat Winterbach, dafür hat der Wasserverband Rems in den vergangenen Jahren viel getan, es bleibt aber eine Aufgabe.

In unserer repräsentativen Umfrage zur Kommunalwahl nannten neben dem Verkehr in der Ortsdurchfahrt und dem Wohnraummangel viele Winterbacher auch noch die schlechte Versorgung mit mobilem Internet als Problem. Die Qualität der mobilen Verbindungen variiert von Anbieter zu Anbieter. Teilweise ist Winterbach ein einziges Funkloch für jemanden, der mit dem Smartphone unterwegs ist – wenn man sich nicht gerade in der Zone mit freiem WLAN in der Ortsmitte bewegt. Das muss der Gemeinderat im Blick behalten, wenn es in den nächsten Jahren um den Ausbau der Infrastruktur für die Internetversorgung geht. Dass dieser Ausbau kommen muss, ist Konsens, die Region ist dazu eine Kooperation mit der Telekom eingegangen. Doch ohne kommunalen Einsatz auch finanzieller Mittel dürfte es eine flächendeckende Glasfaserversorgung nicht geben, darauf muss der Gemeinderat sich einstellen und, wenn es darauf ankommt, Farbe bekennen.

Alles zu den kommenden Wahlen auf www.zvw.de/wahl2019

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