Ausfälle und Verspätungen Chaotischer Start bei Go-Ahead auf der Remsbahn

, aktualisiert am 11.06.2019 - 18:49 Uhr
Symbolbild. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Schorndorf/Waiblingen. Der Start von Go-Ahead auf der Remsbahn verläuft einigermaßen holprig. Fahrgäste berichten von zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen im morgendlichen Berufsverkehr. Ein Softwarefehler führte offenbar dazu, dass die IRE-Züge zwischen Stuttgart und Aalen ausfielen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dem Vernehmen nach gibt es in den Zügen massive Probleme bei den Trittbrettern. Die Türen öffnen spät und können nicht mehr geschlossen werden. Die Folge sind Verspätungen.

Erheblich schlechter als am Pfingstsonntag und -montag lief der Start von Go-Ahead am ersten Werktag nach dem Betreiberwechsel am 9. Juni. Leserinnen und Leser unserer Zeitung klagten ihr Leid. Rudolf Sillaey wollte um 5.24 Uhr von Gmünd nach Schorndorf, er arbeitet bei Catalent. Zug um 5.24 ist ausgefallen, ebenso 5.54. Dann: Zug 6.23 kam mit 20 Minuten Verspätung, „voll bis obenhin“. Er hatte dann bei jedem Halt gefühlte 20 Minuten Aufenthalt, weil die Türen nicht das Frei-Signal gegeben haben. Das Problem bei zu vollen Zügen. Der Zug fuhr dann auch nur bis Schorndorf und nicht nach Stuttgart.
Morgendlicher Berufsverkehr: Vier Züge hintereinander fallen aus
Rodolf Sillaey war mit dem Ärger nicht allein. Eine Pendlerin, die morgens von Plüderhausen in Richtung Stuttgart zur Arbeit fahren wollte, erlebte folgendes: Der Zug um 5.36 Uhr fiel aus. Der Zug um 6.06 Uhr fiel aus. Der Zug um 6.36 fiel aus. Der Zug um 7.06 Uhr kam irgendwann, weil viele einsteigen, wollten, war er überfüllt und hatte eine überlange Standzeit am Bahnhof Plüderhausen... Andere, die zuvor auf den Bus in Richtung Schorndorf umgestiegen sind, mussten vor geschlossener Schranke warten, obwohl kein Zug fuhr. Irgendwann ging die Schranke wieder auf, ohne dass ein Zug durchgefahren wäre.
Bei aller Kritik am durcheinander gewirbelten Fahrplan: Sehr positiv fiel der Leserin auf, dass der neue Zug sehr leise ist. Davon haben nicht nur die Zugfahrer was, sondern auch die Anlieger. Nur die DB-Oldtimer, vor allem die Güterzüge, rumpeln sehr laut durch die Gegend.

Die üblichen Anlaufprobleme

Für Go-Ahead-Flottenmanager Schneider handelt es sich am Dienstag um die üblichen Fahrzeugstörungen beim Betriebsstart, die einem Bahnunternehmen das Leben schwer machen. Anfangen bei den Lokführern, die neu auf der Strecke unterwegs sind, über die technischen Probleme bei den Zügen bis hin zu den Fahrgästen, die sich ebenfalls auf die neuen Gegebenheiten in den neuen Wagen einstellen müssen.
Go-Ahead räumte in einer Pressemitteilung die technischen Probleme ein. „Schuld war zumeist die Schnittstelle zwischen Zug und Bahnsteig, die regelt, wie die Lücke zum Zug verringert wird. Hierbei blockierte die Software die Türen. Das führt zu Verzögerungen und Verspätungen im Zugbetrieb.“ Bis gemeinsam mit dem Hersteller Stadler eine Lösung gefunden werde, wird geprüft, an welchen Bahnhöfen keine Schiebetritte ausgefahren werden müssen. Es wird darüber hinaus geprüft, einen zusätzlichen Zug einzusetzen, um Verspätungen abbauen zu können. Das seien erste Maßnahmen, die im Rahmen eines Treffens der Eisenbahnunternehmen im Verkehrsministerium entschieden wurden. Das Treffen soll jetzt täglich stattfinden.
Für die Strecke Crailsheim–Ellwangen wurde aufgrund von technischen Problemen ein Busersatzverkehr eingeführt. Grund hierfür war ein Planungsfehler aufgrund falsch definierter Datensätze im Planungssystem für die Mitarbeiter-Disposition. Hier laufe die Fehleranalyse unter Einbeziehung des Software-Dienstleisters.
Hinzu kamen Störungen infolge von Bremsbelägen auf den Magnetbremsen, die zu beseitigen waren. Hierauf hat Go-Ahead bereits mit entsprechend engeren Wartungszyklen reagiert. „Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist es normal, dass auch Probleme zum Start entstehen“, erklärte Hans-Peter Sienknecht, Geschäftsleiter der Go-Ahead Baden-Württemberg.


Bei den S-Bahnen funktionieren die Schiebetritte bis heute nicht

Probleme mit den Schiebetritten? War da nicht was? Genau. Vor fünf Jahren, als bei den S-Bahnen in der Region Stuttgart die neueste Generation eingeführt werden sollte, verweigerten die Schiebetritte bei den ET 430 ihren Dienst. Die Folge waren monatelangen Verzögerungen. Übrigens: Die störanfälligen Dinger funktionieren bis heute nicht und sind außer Betrieb.
An den Türen hängen laut Verkehrsministerium auch die massiven Probleme des IRE Karlsruhe-Stuttgart-Aalen, der zweistündig im Wechsel mit dem IC der Deutschen Bahn die Strecke bedienen sollte. „Die Fahrzeiten sind nicht fahrbar“, erklärte Flottenmanager Schneider unserer Zeitung gegenüber. Die Folge: Der Zug fährt nur Karlsruhe-Stuttgart. Das Problem ist wohl, dass die Fahrzeiten auf der insgesamt 160 Kilometer langen Strecken zu kurz bemessen sind. Die jeweils zehn Minuten, die den Zügen in Aalen und Karlsruhe für die Wende bleiben, reichen nicht aus.
In Foren von Eisenbahn-Enthusiasten hingegen wird grundsätzlicher diskutiert, ob die Zeiten nicht von vorneherein zu knapp kalkuliert worden sind. Sprich: Dass in Karlsruhe und Aalen eigentlich immer frische Züge stehen müssten, die pünktlich abfahren können. Denn Verspätungen, wie leidgeplagte Zugfahrer wissen, sind derzeit im Bahnverkehr aus welchen Gründen auch immer eher die Regel als die Ausnahme.

Abendlicher Berufsverkehr erneut mit Verspätungen und Zugausfälle

Am Nachmittag und Abend sah es auf der Remsbahn nicht viel besser aus als am Morgen. Laut Fahrplanauskunft von Go-Ahead (Internet: www.go-ahead-bw.de/fahrplanauskunft.html) gab es in Schorndorf viele Verspätungen und Zugausfälle – und ein paar pünktliche Züge:
19428 Zielbahnhof: Stuttgart, 16.44 Uhr,
+ 21 Minuten;
19425 Aalen, 17.14 Uhr, +21 min.;
19478 Stuttgart, 17.14 Uhr, pünktlich;
19681 Aalen, 17.29 Uhr, Zug fällt aus!
19430 Stuttgart, 17.44 Uhr, +12 min.;
19477 Aalen, 17.44 Uhr, +10 min.;
19427 Aalen, 18:14 Uhr, pünktlich;
19480 Stuttgart, 18.14 Uhr, pünktlich;
19682 Karlsruhe,18.29 Uhr, Zug fällt aus!
19432 Stuttgart, 18. 44 pünktlich.
 

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