Go-Ahead übernimmt Neue Züge auf der Remsbahn ab Sonntag

Der erste gelb-weiße Zug von Go-Ahead in Richtung Aalen fährt am Sonntag um 0.32 Uhr in Waiblingen los. Schorndorf: 0.44 Uhr. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen/Schorndorf. Wer an Pfingstsonntag im ersten Go-Ahead-Zug sitzen will, muss lange aufbleiben. Die erste Regionalbahn fährt ab 0.32 Uhr von Waiblingen über Schorndorf, Urbach und Plüderhausen nach Aalen. Am 9. Juni endet im Remstal die Ära der Deutschen Bahn.

Das britische Verkehrsunternehmen Go-Ahead übernimmt kurz nach Mitternacht den Zugverkehr auf der Remsbahn Stuttgart-Aalen-Crailsheim. Der letzte Regionalexpress der DB Regio fährt am Samstag um 23.07 Uhr ab Plüderhausen in Richtung Stuttgart. Die meisten Fahrgäste werden den roten Zügen der Deutschen Bahn keine Träne nachweinen. Zu oft mussten sie sich in den vergangenen Jahrzehnten herumärgern. Verspätungen und Ausfälle waren an der Tagesordnung, Züge der DB-Regio oft genug in einem beklagenswerten Zustand.

Auf der Remsbahn brechen mit Go-Ahead neue Zeiten an. Das zumindest erhofft sich das baden-württembergische Verkehrsministerium von der Vergabe der Zugverkehre im Land, bei dem die DB Regio auf einigen Strecken den Kürzeren zog. So auch bei der Remsbahn und der Strecke Karlsruhe-Aalen, die am 9. Juni von Go-Ahead betrieben werden.

Die neuen gelb-weißen „bwegt“-Züge, die künftig unterwegs sind, bieten ein ganz neues Fahrgefühl. Das Land hat die Züge gekauft und an die Zugbetreiber verpachtet. Gewartet werden die zunächst 28 Züge von Go-Ahead in einem neuen Werkstattgebäude in Essingen.

Wettbewerb auf die Schiene gebracht

Im letzten Moment hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auch die Genehmigungen für die „Flirt 3“-Züge von Stadler erteilt. Schlechter ergeht es dem DB-Konkurrenten Abellio, der ab Pfingsten die Strecken Stuttgart-Heidelberg oder Stuttgart-Bruchsal übernimmt. Bombardier lieferte die neue Züge nicht rechtzeitig, so dass der Betriebsübergang mit alten Wagen stattfinden muss.

Bei der Remsbahn hat es mit den Genehmigungen gerade noch so hingehauen. Go-Ahead konnte den Plan B wieder in der Schublade verschwinden lassen. Seit Monaten sind die Züge im Probebetrieb. Der Ernstfall beginnt in der Nacht zum 9. Juni. Aus Aalen fährt der erste Zug um 1.06 Uhr nach Schorndorf. Für den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann ist es so eine Art Meisterstück in seiner achtjährigen Amtszeit, das Monopol der Deutschen Bahn beendet und Wettbewerb auf die Schiene gebracht zu haben. Am Sonntagmorgen um 9.08 Uhr setzt sich der Minister im Stuttgarter Hauptbahn in einen Zug in Richtung Aalen und macht eine Probefahrt.

Im Jahr 2016 hatte Go-Ahead die Ausschreibungen des Landes für einen Teil der sogenannten Stuttgarter Netze gewonnen und die DB Regio aus dem Rennen geworfen. Die Betreiberwechsel erfolgen in drei Schritten. Weitere Termine sind Dezember 2019 und Sommer 2020. Der heutige Preis für den Zugkilometer ist übrigens nur noch halb so hoch wie einst 2003. Die damalige CDU-geführte Landesregierung hatte der Bahn den Betrieb zu ausgesprochen großzügigen Konditionen zugeschanzt, um im Gegenzug die Bahn zum Bau von Stuttgart 21 zu bewegen.

Was sich von Pfingsten an auf der Remsbahn ändert

Bei der Ausschreibung 2016 stand der Komfort für die Fahrgäste und die Leistungen auf der Schiene im Vordergrund. Die voll klimatisierten Fahrzeuge für die Baden-Württemberger Netze bieten je nach Ausführung Platz für mehr als 700 Fahrgäste und verfügen über bis zu 328 Sitzplätze. Der Fahrgastbereich ist barrierefrei und mit einer durchgängigen Niederflurigkeit stufenlos begehbar. Die Einstiegsbereiche verfügen über Spaltüberbrückungen und Schiebetritte, ein zeitgemäßes Fahrgastinformationssystem sowie über Fahrgast-WLAN in allen Teilen des Zuges. Mehrzweckbereiche bieten Raum für den Transport von Fahrrädern.

Montags bis samstags soll die Regionalbahn ab Juni 2019 im Remstal jede halbe Stunde fahren, sonntags stündlich. Der Interregio-Express (IRE) nach Karlsruhe fährt alle zwei Stunden im stündlichen Wechsel mit einem IC-Zug der Bahn.

Ab dem 9. Juni wird Go-Ahead alle bisher von der Deutschen Bahn bedienten Leistungen im Regionalverkehr zwischen Aalen und Stuttgart anbieten, auch den abwechselnd mit dem Intercity fahrenden Interregio-Express bis Karlsruhe. Weitere Strecken sind ab Dezember 2019 Stuttgart-Geislingen-(Steige)-Ulm sowie Stuttgart-Heilbronn-Würzburg. Zudem erhielt Go-Ahead 2017 den Zuschlag für den Betrieb des baden-württembergischen Netzes 3a „Murrbahn“ (Stuttgart – Schwäbisch Hall-Hessental – Crailsheim – Nürnberg).

Für Nutzer von Bahncard, Verbundfahrkarten, DB-Tickets inklusive Job-Tickets und Abos werden sich auch nach der Betriebsaufnahme im Juni 2019 bezüglich der Gültigkeit voraussichtlich keine Veränderungen ergeben, so Go-Ahead. Die derzeit genutzten Fahrscheine und Fahrscheinkombinationen bleiben gültig.

Wie das Verkehrsministerium erklärte, spiele auch in Zeiten von Handytickets und Onlinevertrieb der persönliche Ticketverkauf eine wichtige Rolle. Darum wurden die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Regionalverkehr vertraglich dazu verpflichtet, an den bestehenden Standorten bzw. im direkten Umfeld von Bahnhöfen auch in Zukunft den Fahrkartenkauf für den Nahverkehr am Schalter zu ermöglichen. In Schorndorf wird Go-Ahead laut Verkehrsministerium eine Verkaufsstelle in der Rosenstraße 2 einrichten, das DB-Reisezentrum bleibt bestehen. An allen anderen Bahnhöfen ändert sich nichts.

Letzter Zug der DB-Regio fährt Samstag 23.48 Uhr in Waiblingen ab

Wer noch einmal Bahn-Nostalgie erleben will, sollte sich folgende beide Termine merken: Der letzte Zug der DB Regio fährt von Plüderhausen am Samstag um 23.07 in Richtung Stuttgart. In Richtung Aalen fährt der letzte Regionalexpress um 23.46 Uhr ab Waiblingen. Ab Pfingstsonntag sind dann nur noch IC-Züge der Bahn auf der Remsbahn unterwegs.


Das Zitat

So geht man nicht mit Fahrgästen um! Die Führung von DB Regio muss das Chaos endlich lösen und zumindest bei schwierigen Situationen die Mitarbeiter anweisen, flexibel und freundlich zu handeln. Verkehrsminister Winfried Hermann im Sommer 2017 zum Chaos auf der Remsbahn.

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