Goldboden Eis verzögert die Rotorblatt-Montage

Winterbach. „Alle Weihnachtsbäume in Winterbach werden mit dem Strom von hier leuchten“, sagt Michael Soukup, Teamleiter in der Windkraft-Projekt-Entwicklung der EnBW. Der Energieversorger ist weiter zuversichtlich, dass sich noch in diesem Jahr alle drei Windräder am Goldboden drehen. Aktuell behindern jedoch Schnee und Eis die Montage der ersten Rotorblätter.

Schnee überzuckert am Freitagmorgen Bäume und Waldboden auf der Windradbaustelle. Auch auf den drei Rotorblättern, drei schlafende, 65 Meter lange Riesen, die am Goldboden zwischen Manolzweiler und Schlichten lagern, liegt eine weiße Schicht, etwa fünf Zentimeter hoch. An der Spitze eines der Blätter hat jemand den Schnee weggeschoben. Tobias Borde, Projektleiter der EnBW, kratzt an der Oberfläche: „Das kriegen Sie nicht weg.“ Das Metall des Windrad-Flügels ist unter dem Schnee dick mit Eis überzogen. „Heute wird das nix mehr“, sagt Borde. Eigentlich sollten die Rotorblätter an diesem Freitag mit dem Kran bis auf die Nabenhöhe von 164 Metern gezogen und montiert werden. Doch solange die so vereist sind, ist es zu gefährlich, die 65 Meter langen und rund 13 Tonnen schweren Teile in das Gestell des Krans zu spannen. Sie könnten darin rutschen, sagt Tobias Borde.

Video: Ein Bauteil für das Windkraftrad auf dem Goldboden in Winterbach wird hochgezogen.

Der Kran ist ebenfalls schneeverklebt, ein gelbes Ungetüm, fast 180 Meter hoch. Seine Spitze verliert sich beinahe in der tiefhängenden Wolkendecke an diesem winterlichen Morgen. Auch die auf der ersten Windkraftanlage bereits montierte Gondel mit der Nabe, in die die Rotorblätter gesteckt werden, verschwimmt weit oben im Grau. Am Donnerstag Regen, dann Kälte und Schnee, das habe zu der Eisschicht auf den Rotorblättern geführt, meint Tobias Borde. Wann es weitergehen kann, steht noch nicht fest. Bis einschließlich Montag sind nachts Minustemperaturen vorhergesagt.

Die Verantwortlichen der EnBW vermitteln trotz allem weiter den Eindruck, dass sie guter Dinge sind, den kompletten Windpark noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen. Das ist von enormer Bedeutung für den Konzern. Denn nur dann gibt es für den Windstrom vom Goldboden noch die Einspeisevergütung von 7,68 Cent pro Kilowattstunde nach dem alten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die neuen Sätze, die ab 2018 gelten, sind deutlich schlechter. Als in Betrieb genommen gilt ein Windrad, sobald der Stromzähler eine Eins zeigt, das heißt, eine Kilowattstunde Strom ins Netz geflossen ist.

Wenn die Bedingungen dann mal stimmen, geht es schnell

Der Strom fließt übrigens im Normalfall über das örtliche Umspannwerk zunächst ins Winterbacher Netz. Michael Soukup, Teamleiter in der Windkraft-Projekt-Entwicklung der EnBW, macht deswegen eine klare Ansage: „Alle Weihnachtsbäume in Winterbach werden mit dem Strom von hier leuchten.“ Tatsächlich fehlt ja nicht mehr viel: Bei der ersten Anlage ist alles da, Maschinenhaus, Antriebsstrang und Nabe sind auf 164 Metern montiert. Wenn die Bedingungen denn mal stimmen, geht es schnell: In zwei bis drei Tagen können die zwei obersten Turmteile, das Maschinenhaus mit Antriebsstrang, Nabe und Rotorblättern montiert sein.

Auch die Anlage auf der gegenüberliegenden Seite des Windparks befindet sich im Endstadium. Hier steht ein zweiter Riesenkran, um parallel arbeiten zu können. Das letzte der oberen Metallturmteile, 26 Meter lang und an die 40 Tonnen schwer, hängt am Haken des Krans. Hier spiele es keine Rolle, ob das Teil verschneit sei, erklärt Projektleiter Tobias Borde, weil es nicht in einem Gestell liege, aus dem es herausrutschen könne. Beim Blick ins Innere des Turmteils sind die Steigleiter und die Kabelstränge zu sehen, die bald den Strom nach unten leiten sollen.

Was der EnBW jetzt noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist nur das Wetter. Neben Schnee und Eis spielt der Wind eine Rolle. Ist er zu stark, können die Kräne nicht arbeiten und Teile hochziehen. Am besten wäre es, scherzt Tobias Borde, wenn es in den kommenden Tagen noch windstill wäre. Die nächsten 20 Jahre dürfe der Wind dann ordentlich blasen.

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