Großheppacher Wohngebiet "In den Hauern" Anwohner protestieren gegen zu hohe Wohnhäuser

Die Anwohner zeigen Oberbürgermeister Michael Scharmann (Dritter von rechts) am Montagabend mit einem Schaugerüst, wie ein dreigeschossiges, knapp zehn Meter hohes Gebäude wirkt. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Großheppach. Sie haben keine Mühen gescheut: Ein zehn Meter hohes Schaugerüst haben die Anwohner des Großheppacher Wohngebiets „In den Hauern“ aufgestellt, um Oberbürgermeister Michael Scharmann zu zeigen, wie hoch ein dreigeschossiges Wohngebäude wäre. Sie übergaben dem OB 224 Unterschriften gegen das Projekt. Die Planungen dafür werden indes nicht gestoppt.


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„Das ist schon extrem massiv“: Das sagte Oberbürgermeister Michael Scharmann beim Vor-Ort-Termin am Montagabend zu dem Schaugerüst, das die Gegner des Geschosswohnungsbaus im Gebiet „In den Hauern“ aufgestellt hatten.

Derzeit plant die Stadt dort, nur Varianten des Geschosswohnungsbaus zu prüfen. Mit 13 zu elf Stimmen hatte im Juli der alte Gemeinderat in seiner letzten Sitzung denkbar knapp für diese von Baubürgermeister Thomas Deißler präferierte Marschroute gestimmt. Ein damals vorgestellter Entwurf sieht zwei dreigeschossige Gebäude mit jeweils sechs Wohneinheiten vor. Der andere besteht aus einem dreigeschossigen Gebäude mit zwölf Wohnungen. Für die Anwohner sind dagegen höchstens zweigeschossige Reihen- oder Doppelhäuser vorstellbar. Vielen ist es indes am liebsten, wenn alles so bleibt, wie es ist. Schon in die Gemeinderatssitzung kamen viele Anwohner – und jetzt am Montagabend erschienen sogar rund 80 Leute.

Angst vor Parkchaos und Problemen für die Wengerter

Einer ihrer Sprecher ist Ulrich Leicht, der Vorsitzende der Großheppacher Weinbaufreunde. Er warnte davor, dass durch ein Gebäude mit zwölf Wohneinheiten 24 weitere Autos dazukämen – und diese die Parkplatzsituation weiter verschärfen würden, zumal diese durch den Erfolg der Aussichtsplattform Luitenbächer Höhe ohnehin schwieriger geworden ist. Und das Stellplatzproblem führe dazu, dass die Wengerter auf den ohnehin engen Straßen mit ihren Fahrzeugen gar nicht mehr durchkommen würden. Folge sei ein Anstieg der Konflikte. „Davor graust es mir.“

OB Michael Scharmann betonte indes, dass die Verwaltung aktuell nur Varianten für den Geschosswohnungsbau plant und noch kein Baubeschluss gefasst ist. Sollte der Gemeinderat nach Fertigstellung der Modelle der Auffassung sein, dass der Geschosswohnungsbau doch nicht passt, kann laut Scharmann neu geplant werden. Eines sei indes auch klar: „Wohnungsmangel kann von Ihnen keiner abstreiten.“


Noch ein Argument

Der Großheppacher Oskar Merker verwies darauf, dass auf dem Baugrundstück Waldohreulen leben würden. Er übergab unserer Zeitung deshalb einen Datenträger mit Fotos.


Konfliktfrei geht es nicht

Ein Kommentar von Redakteur Bernd Klopfer

Wer denkt, dass neue Wohngebiete zur Zufriedenheit aller entwickelt werden können, wenn nur die Anwohner umfassender einbezogen werden, irrt. Die Wahrheit ist: Wenn verschiedene Interessen aufeinanderprallen, dann gibt es Streit – egal ob die Betroffenen von einem Projekt früh oder spät erfahren. Bürgerbeteiligung ist keine Zauberformel, die zur Harmonie führt. Wenn sich die Anwohner durchsetzen wollen, müssen sie auch bereit sein, juristische Schritte zu prüfen. Moralischer Druck allein wird wohl kaum reichen.

In den Hauern geht es für beide Seiten um viel. Die Anwohner warnen zu Recht vor einem Parkchaos, sie befürchten zu Recht Probleme für die Wengerter und sie verlieren in der Tat eine Grünfläche, die ein schöner Spielplatz wäre und derzeit Tieren einen Rückzugsort bietet. Auf der anderen Seite wird niemand leugnen, dass Wohnraum dringend gebraucht wird – und zwar bezahlbarer. Insbesondere in den Wohlstandsregionen der Republik wie rund um Stuttgart haben Normalverdiener ein großes Problem, egal ob als Mieter oder Käufer. Deshalb geht es in diesem Konflikt nicht nur um Rendite. Aber natürlich, auch das gehört zur Wahrheit: Für die Stadt geht es um ein sehr gutes Geschäft.

Das Geld aus dem Verkauf des Grundstücks in den Hauern braucht sie, um all die Projekte zu finanzieren, die anstehen: etwa den Ausbau der Endersbacher Silcherschule, der einen siebenstelligen Betrag kosten soll, oder die noch teurere Sanierung der Grundschule Beutelsbach, für die laut der Stadt mehr als zehn Millionen Euro benötigt werden. Das sind übrigens nur zwei Projekte, die von den jeweils betroffenen Eltern und Lehrern seit Jahren vehement eingefordert werden. Eine Stadt, die nicht versucht, mit Grundstücken Geld zu verdienen, macht einen schlechten Job.

Trotzdem hat Weinstadt Fehler gemacht. Richtig wäre es gewesen, das Thema von Beginn an in öffentlichen Sitzungen zu verhandeln. Dass erst nichtöffentlich im Technischen Ausschuss vorberaten wurde, ist schlechter Stil. Es mussten keine Interessen eines privaten Investors geschützt werden. Es geht hier um die Renditeziele der Stadt selbst, egal ob sie ein Projekt nun über einen stadteigenen Betrieb abwickelt oder nicht.

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