Hubertusmesse in Alfdorf Tierschützer kritisieren Jäger-Gottesdienst

Symbolbild. Foto: Pixabay/jackmac34

Alfdorf. Jäger und Tierschützer werden sich wohl nie einig sein. Anlass für eine erneute Debatte ist die Hubertusmesse der Kreisjägervereinigung am Samstagabend in der Stephanuskirche in Alfdorf. Gastgeber Pfarrer Friedmar Probst wurde von Tierschützern aufgefordert, die Messe abzusagen. Das hat er abgelehnt. Wir haben ihn zu seinen Gründen befragt.

Man muss dazu wissen, dass die Hubertusmesse ein Jäger-Gottesdienst ist. Die Veranstaltung wird jährlich zu Ehren Gottes und zur Erinnerung an den Heiligen Hubertus von Lüttich um den 3. November, dem Hubertustag, durchgeführt.

Der Überlieferung nach war Hubertus als junger Edelmann ein leidenschaftlich ausschweifender Jäger, der die Erlegung des Wildes als Selbstzweck sah. Später erkannte Hubertus in allen Wesen Geschöpfe göttlichen Ursprungs und hat sich deshalb hegend und pflegend für sie verwandt. Diese Grundhaltung der „Achtung vor dem Geschöpf“ ging als Waidgerechtigkeit in die Verhaltensgrundsätze der Jägerschaft ein.

Darauf nimmt Pfarrer Probst in seiner Stellungnahme zur Initiative der Tierversuchgegner Baden-Württemberg in Stuttgart Bezug: „Manche beurteile ich anders als sie. Die Jäger, die ich kennengelernt habe, kenne ich als sorgfältig, verantwortungsbewusst agierende Menschen, bei denen die Redewendung Hegen und Pflegen nicht nur eine Luftblase ist.“

Kein kirchlicher Segen für die Jagdwaffen

Jägerinnen und Jäger holen sich nach Auffassung der Tierversuchsgegner für ihr Töten den kirchlichen Segen. Die Tierrechtsorganisation "Menschen für Tierrechte – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V." übt deshalb scharfe Kritik an der Kirchengemeinde. Im Vorfeld hatte sich der Tierrechtsverein mit einem Brief an den Pfarrer der Gemeinde gewandt und bat darin, zukünftig keine Hubertusmessen mehr abzuhalten.

Menschen für Tierrechte fordert die Kirchengemeinde dazu auf, künftig keine Hubertusmesse mehr abzuhalten. Stattdessen schlagen sie einen ökumenischen Segnungsgottesdienst für Mensch und Tier vor, im Sinne von Albert Schweitzer und Franz von Assisi.

„Friede zwischen Mensch und Tier ist eine wunderbare Vorstellung“, meint dazu Pfarrer Probst. Die Bibel spreche vom Tierfrieden in Jesaja 11 als Vision, wenn der Gesalbte Gottes sein Reich gegründet haben wird. Albert Schweitzer versuchte diese Vorstellung in die Wirklichkeit zu implementieren in seiner Philosophie der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Der achtsame Umgang mit allem, was lebt, ist heute wichtiger denn je.

Das sagt der Pfarrer

Die Wirklichkeit der irdischen Realität sei – theologisch gesprochen – die „gefallene Schöpfung“. Das heißt, es gehe ein Riss durch das Zusammenleben der Tiere und auch ein Riss durch das Zusammenleben von Mensch und Tier. Evolutionär könnte man sagen, es ist die traurige Realität des „Fressen und gefressen werden“. Probst: „Dies ist im Tierreich so.“

Und der Mensch als sogenannte Krone der Schöpfung („Ich würde eher sagen Dornenkrone der Schöpfung“) hat daran den lebhaftesten Anteil. Die Erlösung stehe immer noch aus. In diesem Spannungsfeld von „Ehrfurcht vor dem Leben“ und „Fressen und gefressen werden“ findet diese Diskussion um die Jagd statt. „Ich persönlich denke, es gibt hier kein 100 Prozent weiß oder 100 Prozent schwarz“, so Probst.

Die Jagd begegne dem übermäßigen Anwachsen von Populationen, die keine Fressfeinde haben. Dadurch werde der Wald geschützt. Wildtiere könnten im Freien artgerecht leben. Durch Wildunfälle im Straßenverkehr würden unzählig viele Tiere ihr Leben (Igel, Dachse, Füchse, Vögel usw.) verlieren. Die Konsequenz aus der Logik der Tierversuchsgegner müsste deshalb laut dem Alfdorfer Pfarrer sein, kein Kfz mehr zu besteigen, was sich schwer realisieren lasse.

In der Hubertusmesse hören die Menschen auf Gottes Wort und auf das, was er ihnen heute zu sagen hat. Es werden die Anwesenden gesegnet und nicht die Waffen. Es gehe um einen nachdenklichen und achtsamen Umgang mit Gottes Schöpfung. „Unter diesen Voraussetzungen kann ich die Institution der Jagd bejahen und kann es ethisch vertreten, eine Hubertusmesse zu feiern“, meint Pfarrer Probst.

Das sagen die Tierschützer 

Hubertusmessen bilden nach Angaben der "Menschen für Tierrecht – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg" vielerorts den Auftakt für „grausame Drückjagden“. Der Verein verweist auf Erhebungen, laut denen bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort sterben. Die angeschossenen Tiere flüchteten in ihrer Todesangst und schleppten sich manchmal noch tagelang mit schlimmen Verletzungen durch den Wald, bevor sie schließlich sterben würden, sollten sie bei der Nachsuche nicht gefunden werden.

Nicht nur Wildtiere, auch Haustiere und Menschen würden regelmäßig durch Jagdwaffen verletzt oder getötet.

„Das Christentum ist eine Religion, die für Barmherzigkeit, Achtung vor dem Leben und Nächstenliebe steht“, so Stephanie Kowalski, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Menschen für Tierrechte. „Die Ausrichtung einer Hubertusmesse steht dazu im absoluten Widerspruch und vermittelt völlig falsche Werte.“

Das sagen die Jäger

Hartmut Unger, Pressesprecher der Kreisjägervereinigung Waiblingen, lässt die Kritik der Tierschutzorganisation als andere Position stehen, die er aber aus nachvollziehbaren Gründe nicht teilt. Der Mensch sei von Natur aus ein „Allesfresser“. Wer Fleisch und Wurst isst oder Lederschuhe trägt, weiß, dass dafür ein Tier sterben musste.

Würde die Einstellung der Tierschützer durchgängig in unserer Gesellschaft angewandt, hätte das weitreichende Konsequenzen. „Wie soll der Bauer überleben?“ Die Landschaft würde sich gravierend verändern.

Er, Unger, selbst habe einen bäuerlichen Hintergrund, sei mit Tieren aufgewachsen und dazu hätten eben auch die Hausschlachtungen gehört. „So ist das Leben.“ Die meisten Menschen seien Fleischesser. „Wer ein Schnitzel auf den Teller hat, hat das Töten eines Tieres an einen Metzger delegiert.“ Wenn ein Tier vom Jäger in freier Wildbahn geschossen werde, habe es keinem Tiertransport hinter sich und habe kein Schlachthaus gesehen. „Es klappt nicht immer, dass das Tier sofort tot ist, das muss ich einräumen.“

Bei der Hubertusmesse gehe es nicht um die Segnung der Gewehre der Jäger, sondern um die Würdigung der Schöpfung durch eine Feier mit einem Pfarrer. Respekt und Verantwortung gegenüber Tieren und Pflanzen.


Hubertusmesse

Die Hubertusmesse 2019 findet am Samstag, 9. November, um 18 Uhr in der Stephanuskirche in Alfdorf statt. Veranstalter ist die Kreisjägervereinigung. Der ökumenische Gottesdienst wird mit Pfarrer Friedmar Probst (evangelisch) und Pfarrer Erhard Nentwich (römisch-katholisch) zusammen mit den Jagdhornbläsern unter der Leitung von Günter Vollmer gestaltet.

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