Kaisersbach Kommentar: Ist Bürgermeisterin Katja Müller überfordert?

In der Kritik: Die Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller. Foto: ZVW/Rainer Stütz

Ein Kommentar von unseren Redakteuren Rainer Stütz und Jörg Hinderberger.

In Kaisersbach ist die Stimmung gekippt. Bürgermeisterin Katja Müller (47), seit sechs Jahren als Nachfolgerin von Bodo Kern im Amt, sieht sich immer mehr öffentlicher Kritik an ihrer Führung ausgesetzt. Ein Beispiel aus der letzten Gemeinderatssitzung:

Einige Gemeinderäte wollten von der Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller wissen, ob es nun zu der von ihr versprochenen Versammlung mit den Bürgern und den Vertretern des Schwabenparks im Februar komme? Katja Müller erklärte: „Ich habe noch immer keinen Termin. Ich gebe zu, ich habe es schleifen lassen.“ Nicht nur die zahlreich anwesenden Bürger, auch der komplette Gemeinderat war bedient. „Wir haben es Frau Müller zu verdanken, dass es in Ebni beim Thema Schulhaus oder beim Thema Schwabenpark nicht vorangeht. Der Gemeinderat arbeitet alles heraus, aber Frau Müller trifft keine Entscheidungen. So kann es nicht weitergehen“, schimpfte Gemeinderat Adem Akin. Kollegin Tanja Trinkle ergänzte: „Wir fühlen uns nicht ernst genommen von Frau Müller. Ständig werden Dinge versprochen, die nicht umgesetzt werden.“

Der Applaus des gesamten Gemeinderatsgremiums zeigte, wie unzufrieden einige Bürger und der Gemeinderat sind. Auch das Versprechen mit einem Termin im Februar zum Thema Schwabenpark kann Katja Müller nicht halten. „Ich habe noch keinen Termin, das Thema ist sehr komplex und vergleichbar mit Stuttgart 21 für Stuttgart wie der Schwabenpark für Kaisersbach“, äußerte sich Katja Müller nach der Sitzung.

Ein kräftiger Einsatz für die Gemeinde gehört dazu

Seit Jahren schon versuchen Gemeinderäte, voran Bernd Basler und Birgitta Braun-Calka, im engen Gespräch und ständigen Kontakt die Themen voranzubringen. Der Umzug ins neue Feuerwehrhaus ist ein Beispiel. Das lief komplett schief, weil zum Beispiel der Antrag an die Firma Telekom für die Einsatzzentrale auf dem Schreibtisch der Bürgermeisterin liegen blieb.

Wenn man vergleicht, was in Alfdorf (Sportzentrum, Hauptstraße, Breitband, Kläranlagen, Baugebiete) oder Welzheim (Wilhelmstraße, Lindenquartier, Mediathek, Breitband, Baugebiete, Neugestaltung Kirchplatz) alles angestoßen wurde in letzter Zeit und das Kaisersbach gegenüberstellt, fällt der Vergleich eindeutig aus. Natürlich lässt sich eine 2600-Einwohner-Gemeinde nicht eins zu eins mit den Nachbarorten vergleichen. In den letzten Jahren lief nicht besonders viel in Kaisersbach, von der Neugestaltung des Friedhofs mal abgesehen, oder dem verspäteten Umzug ins Feuerwehrhaus. Auch das dringend benötigte Neubaugebiet kommt nicht so schnell wie erhofft.

Beim Thema Breitband tut sich zwar inzwischen was, gleichwohl entsteht immer wieder der Eindruck, es fehlt der Nachdruck. Das lautstarke Auftreten ist nicht die Sache der Kaisersbacher Bürgermeisterin. Ihr Vorgänger hat auch Behördenvertreter mal angeschrien, wenn etwas nicht geklappt hat. Bodo Kern war dauerpräsent in Kaisersbach, hat auch Nachbarschaftsstreite geschlichtet oder mitten in der Nacht für Ruhe gesorgt. Er hat sich auch um Anliegen gekümmert, in denen die Gemeinde nicht einmal zuständig war, um den Menschen zu helfen. Solche Bürgermeister sind rar und werden immer rarer. Diese Dauerpräsenz kann heutzutage nicht mehr erwartet werden. Aber ein kräftiger Einsatz für die Gemeinde und wenn es sein muss auch mal lautstark, gehört dazu. Trommeln gehört zum Geschäft eines Bürgermeisters oder einer Bürgermeisterin, das sieht man jetzt wieder einmal beim Thema Telefon- und Handynetz im Sandland.

Wird Katja Müller nochmals kandidieren?

Trotz aller Hilfe von Seiten des Gemeinderats und kleiner Zwischenhochs: Nach knapp sieben Jahren läuft das Fass über, den Bürgern und Gemeinderäte platzt der Kragen. Es geht nicht richtig voran und keiner weiß eigentlich, warum. Ist die Kaisersbacher Bürgermeisterin überfordert? In ihrer Amtszeit wurde eine zusätzliche Stelle geschaffen, die des Hauptamtsleiters. Das Geschäft hat der Vorgänger in seiner Amtszeit mit erledigt. Im Herbst nächsten Jahres ist Bürgermeisterwahl in Kaisersbach. Wird Katja Müller nochmals kandidieren?

Nein, ans Aufhören denkt sie nicht, wie Katja Müller im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Sie räumt ein, dass es Differenzen gibt. „Die Kritik an der mangelnden Aufgabenerledigung ist berechtigt. Ich bin dahinter her.“ Sie gibt zu, dass sie Schwierigkeiten hat, und dies seit Herbst 2017 auch gesundheitlich als Überlastungssyndrom zu spüren bekam. Katja Müller ist unter fachlicher Begleitung dabei, die Dinge aufzuarbeiten. „Das geht aber nicht von heute auf morgen.“ In der Vergangenheit habe sie oftmals die Aufgaben nicht delegiert, weil es ihr schwergefallen ist. Mit der neu geschaffenen Stelle des Hauptamtsleiters ergaben sich neue Möglichkeiten, „die sich aber noch weiter einspielen müssen“. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt sei die Schaffung der neuen Stelle im Gespräch gewesen, aber mit Blick auf die damals angespannte Finanzlage der Gemeinde zurückgestellt worden. „Ich war von Anfang an am Limit.“

Für März dieses Jahres ist eine Klausurtagung des Gemeinderats geplant, in der schwerpunktmäßig über die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung gesprochen werden soll. „Ich verstehe, dass die Geduld des Gemeinderats am Ende ist, wir wollen aber diese Phase gemeinsam im Rathausteam überwinden.“ Katja Müller ist zuversichtlich, „dass es besser wird“. Noch mit keinem Gedanken habe sie ans Aufhören als Bürgermeisterin gedacht. „Mir macht die Arbeit nach wie vor Freude.“ Reicht die Freude, um das Amt einer Bürgermeisterin auch für die nächsten acht Jahre auszuüben, zumal der Gemeinderat immer mehr von seiner Bürgermeisterin abrückt?

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